Am Ende, kurz vor 23 Uhr, waren sie alle zufrieden. Die 3500 Fans, der Schlossherr, der sich unter sie gemischt hatte, die Veranstalterin und auch der Hauptdarsteller samt seiner Mutter. Die ruft Rea Garvey nach eigner Darstellung nämlich regelmäßig an. Und die hatte ihm unter einer Bedingungen erlaubt, Rockmusiker zu werden: "Nur wenn die Leute bei Dir ausrasten!"

Und sie sind "fucking ausgerastet" beim über zweistündigen Konzert, dem größten Rockereignis, das die einstige Kreisstadt im Baunachgrund je erlebt hat. Der 42-jährige Ire sorgte zusammen mit seiner großartigen Band für einen perfekten Sommerabend.

17 Jahre Bühnenerfahrung haben ihn zum charmanten Entertainer gemacht, der die Massen im Griff hat. Und dies vom ersten Ton an. Zur akustischen Gitarre, auf der er seine Songs komponiert, erklingt "Oh my love". Erst schießen die Handys nach oben, dann 7000 Hände, die bis zum Muskelkater mitklatschen.


Mit sieben Jahren auf Konzert

Mit dabei auch ein siebenjähriges Mädchen, das auf der Schulter des Vaters sitzt und jede Textzeile kennt. Sie liegt damit auf gleicher Höhe wie die Faust von Hermann Freiherr von Rotenhan, die er aus Begeisterung in die Höhe reckt. Der sonst eher reservierte Adlige mischte sich mitten unters Volks und flippte regelrecht aus angesichts der Begeisterung um ihn herum.

Die Freude ist groß beim Baron, dass er zusammen mit einer "richtig starken Partnerin" (Gaby Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg) so ein Event aufziehen konnte und etwas vom Ruhm der Stars auch auf ihn abfällt, an diesem Sommerabend, der allen Unwetterwarnungen zum Trotz die prächtige Kulisse des Schlosses komplettiert.

"Der Herr Garvey ist ein total netter Typ, ohne irgendwelche Allüren und total umgänglich", beschreibt der Schlossherr seinen Gast für einen Tag. Und gute Manieren hat er auch noch, denn Garvey entschuldigt sich dafür, dass "ich das Schlafzimmer der Oma belege", da eine komplette Etage des Schlosses zu Aufenthalts- und Umkleideräumen umgestaltet wurde.

Und der Sänger und Songwriter hat sich genau umgeschaut im Umfeld des 700 Jahre alten Denkmals. "Wo kommt Ihr denn alle her? Als ich hergefahren bin, habe ich so viele Häuser nicht gesehen. Da müssen doch ein paar Leute aus Bamberg gekommen sein. Eine tolle Stadt. Grüßt mir die Mahrs-Bräu", erinnerte sich Garvey an mehrere Besuche im Haus seines früheren Reamonn-Kollegen Uwe Bossert, dessen Eltern in der Wunderburg gleich um die Ecke wohnen.

Vielleicht spielte er damit aber auch auf die Biersorte an, die im Schlossareal kredenzt wurde und für manche Verwunderung sorgte (siehe auch Bericht von Heißmann und Rassau am Freitag).

Er plauderte viel. So über sein Schicksal als einziger Bub bei sieben Schwestern. "Da hast keine richtigen Freunde. Die wollen nur an Deine Schwester ran und wenn es geklappt hat, bist Du der Arsch." Deswegen habe er der Familie den Rücken gekehrt und sei nach Deutschland ausgewandert und in Freiburg gelandet.


Mehr als nur Ohrwürmer

Eine kluge Entscheidung, die ihm mittlerweile viel Geld und Ruhm eingebracht hat. Garveys Hits werden auf sämtlichen Radiosendern im Stundentakt gespielt. Doch seine Platten bestehen nicht nur aus Ohrwürmern, wie "Can't say no", sondern wechseln sich auch mit anspruchsvollen Werken ab, die mit überraschender Metrik vom einfachen Rockbeat abweichen, was die Band eindrucksvoll umsetzt.

Lieder wie "Let go" oder "Can't stand the silence" haben Substanz und deren Schöpfer geht darin auf und fegt wie ein Derwisch über die Bühne.
Oder marschiert durch die Menge, um direkten Kontakt zu den Fans aufzunehmen.

Aus dem Reamonn-Programm ist nur noch "Supergirl" zu hören, eine Hommage an die Ehefrau, mit der er jetzt in Berlin lebt.

Er will wiederkommen, versprach Rea Garvey, der zum Abschluss sogar Eyrichshof und Ebern richtig aussprechen konnte, was ihm anfangs schwer über die Lippen ging. Und wenn's zum Mähen des Rasens im Schlosspark ist. "So viel Garten bedeutet Arbeit. Ich weiß das, denn daheim mussten meine Schwestern dafür nie ran."

Der Ärmste, nun aber gilt für ihn: "It's a good life", einer von drei Zugaben. Und trotzdem wollten ihn die Fans, nicht von der Bühne lassen. "Ich werde in der ganzen Welt erzählen, dass man nach Ebern kommen muss."