Sie mähen und sind als "Rasenmäher" unterwegs. Anneliese Schmidt vom Meierhof in Pfaffendorf liebt ihre Ziegen, hat einige "schon mit der Hand aufgezogen" und ihnen ihren Garten geopfert. Sie mag ihre Zöglinge, wie "meine Liesl" oder die Zwillingsböcke, die einer besonderen Pflege bedurften, weil die Mutter kurz nach der Geburt starb. Sie alle wurden von der 60-jährigen Ziegenmutter aus Pfaffendorf aufgezogen und sind "handzahm", wie Anneliese Schmidt, die einen Bio- und Ökohof bewirtschaftet, feststellt."Die Ziegen sind dabei nur so ein Hobby, das aber viel Spaß macht."

So sehr sie ihre Ziegen umsorgt, so sehr bangt die Landwirtin um sie. Besonders wenn sie im "dienstlichen Auftrag für die Naturschutzbehörde am Landratsamt" unterwegs sind.
Denn: Die Tiere sorgen dafür, dass die Hänge im Naturschutzgebiet Galgen-/Goßberg unterhalb von Altenstein, einer "herrlichen und außergewöhnlich reichhaltigen Kulturlandschaft", so Claus Haubensack von der Naturschutzbehörde am Landratsamt, nicht verbuschen.

Wie in den Alpen

Die Ziegen werden in den Sommerwochen wie beim Almauftrieb von der Besitzerin von Pfaffendorf auf die Altensteiner Hänge gelotst und in den Folgewochen von Weide zu Weide geleitet. Weil sie dort auf sich allein gestellt sind, passieren mitunter rätselhafte Dinge. "Die Tiere werden drangsaliert", so umschreibt Anneliese Schmidt die Unvernunft mancher Zeitgenossen. "Die Ziegen mussten schon öfter wieder eingefangen werden, weil sie aus ihrer Koppel ausgebrochen waren. Es wird vermutet, dass freilaufende Hunde, die in die Koppel eingedrungen waren und die Ziegen gejagt haben, da die Tiere sehr verstört waren", heißt aus dem Landratsamt. Besucher des Naturschutzgebietes werden daher gebeten, Hunde anzuleinen.

Außerhalb der Koppel könnten die Ziegen Schäden in angrenzenden Wäldern und Obstwiesen anrichten, in dem sie etwa den Baumjungwuchs verbeißen. "Nicht auszudenken, wenn sie in einer Kirschenplantage landen", fürchtet Anneliese Schmidt, die schon einmal verwundert vor die Haustür schaute. "Das war ein Schock, als eines Morgens früh die gesamte Herde vor dem Winterquartier stand, weil unvernünftige Leute sie vertrieben hatte. Die waren den ganzen Weg zurück gelaufen und hatten dabei die viel befahrene Bundesstraße überquert. Was hätte dabei alles passieren können?"

Von Elektrozäunen umgeben

Es gebe aber auch Leute, die die Ziegen nicht als Störfaktor sehen, sondern sie liebevoll annehmen und nicht rumscheuchen. "Die sagen auch Bescheid, wenn etwas nicht passt."
Nach einer Mitteilung von Pressesprecherin Monika Göhr vom Landratsamt Haßberge sind die Schmidtschen Ziegen für den amtlichen Naturschutz unverzichtbare Helfer. Der Kreis Haßberge habe im Zuge der Flurbereinigung Altenstein insgesamt 7,6 Hektar ökologisch wertvolle Flächen angekauft. Auf drei Flächen mit insgesamt 4,2 Hektar ließ der Landkreis 2008 Elektrozäune aufbauen. Diese drei Koppeln werden in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde seither als Ziegenweide genutzt. Auf einer Weidefläche werden auch die Fleischrinder zeitweise "gekoppelt", heißt es weiter.

Besonders Ziegen leisten hervorragende Dienste für die Pflege der Flächen, sie fressen neben Gras auch mit Vorliebe die Triebe von Büschen. Das Gebüsch wird somit kurz gehalten und die seltenen Kräuter der Magerrasen-Flächen werden nicht überwuchert.

"Ökologisch wertvoll"

"Auch die ökologisch wertvollen und die Kulturlandschaft prägenden Lesestein-Riegel, Zeugnisse früherer ackerbaulicher Bewirtschaftung der Hangflächen, können so offen gehalten werden. Sie bereichern das Landschaftsbild und bieten Lebensraum für wärmeliebende Tierarten wie zum Beispiel Glattnatter und Zauneidechse", heißt es in der Mitteilung aus dem Landratsamt. Die Ziegen bekommen als Gegenleistung eine gesunde und schmackhafte Kost aus vielfältigen Kräutern, Gräsern und frischen Trieben. Die vielfältige Kulturlandschaft in dem 45 Hektar großen Naturschutzgebiet bedarf der Pflege, da sich die Landwirtschaft aus den mageren und schwer bewirtschaftbaren Steilflächen zurückgezogen hat.

Der Landkreis Haßberge unterstütze daher, so das Amt, mit seinem Projekt engagierte Tierhalter, die wertvollen Naturschutzflächen zu beweiden. Ähnlich geht's mittlerweile auch auf dem einstigen Bundeswehr-übungsgelände in Ebern zu.