Es ist die Mischung aus Souveränität, Routine und Wiener Gelassenheit, die einen Teil der Ausstrahlung von Rainhard Fendrich ausmacht. Den österreichischen Liedermacher zeichnen nicht nur Dutzende Hits aus, sondern er gilt auch als ebenso charmanter, witziger wie auch kritischer Entertainer mit sympathischer Bühnenpräsenz. Einen Tag vor Beginn der Sommertour in Hagenbrunn am Freitag hatten wir die Gelegenheit zum Interview und schauten dabei auch auf das Gastspiel in fünf Wochen in Schloss Eyrichshof voraus.

infranken: Dürfen die Besucher ein Programm wie bei der Hallentour im Frühjahr erwarten?

Rainhard Fendrich: Fast, aber nicht ganz. Unser Programm wird etwas kompakter, wir nehmen noch ein paar bekanntere Nummern mit rein. So ein Open air soll doch für alle mehr ein Fest werden, ein Happening. Eine Hallentour dient doch meist dazu, eine neue Platte zu promoten.

Fallen deswegen die kritischen, politischen Positionierungen gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung weg?

Ich würde das nicht unter Politik einordnen, mehr unter Humanismus und Nächstenliebe. Ich habe eben meine Haltung und die vertrete ich auch auf der Bühne. Und es hat sich gezeigt, dass sich damit gut mit dem Publikum kommunizieren lässt.

Wie schaffst Du die Gratwanderung zwischen Deinen ernsthaften Texten und dem Lustigen bis hin zum Klamauk?

Da mache ich gar keinen Unterschied und es gibt auch keine Schere im Kopf. Es bedarf großer Ernsthaftigkeit, um die Menschen durch eine Pointe zum Lachen zu bringen. Ich zitiere dazu Shakespeare: Um ernst zu sein, genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist.

Welche Musik hört sich Rainhard Fendrich an, wenn er selbst kein macht?
Eigentlich sehr wenig, zurzeit nur Lounge-Musik, das ist wie eine Ohrendusche. Wenn man so viel unterwegs ist wie ich, genießt man förmlich die Stille

Hast Du Dich schon mit der Location Schloss Eyrichshof befasst?

Ja, ich habe schon Bilder gesehen und mich ein bisschen mit der Geschichte befasst. Wenn das Wetter passt, wird das für uns alle sicher ein ganz toller Abend. Ich freue mich und bin dankbar, dass wir im Rahmen dieses Festivals auftreten dürfen. Ich denke, wir passen da ganz gut rein zwischen Anastacia, Sportfreunde Stiller und Silbermond.

Hast Du Erinnerungen an frühere Auftritte in Franken, wie in Schloss Tambach oder Bamberg?

Das war immer ein aufmerksames Publikum. Aber an Details erinnerst du dich natürlich nicht bei so vielen Auftritten. Aber es passiert mir immer wieder, dass ich beim Reinfahren merke: Ah, da war ich schon mal!

Bei der laufenden wie auch der Frühjahrs-Hallentour vertraut der 62-Jährige auf fränkische Zuverlässigkeit: Als Agentur fungiert Semmel Concerts mit (Stamm-)Sitz in Bayreuth, als örtlicher Veranstalter in Eyrichshof liegt die Organisation beim Veranstaltungsservice Bamberg.

Der Schlosshof ist zum Teil bestuhlt, Sitzplätze aber kaum mehr zu haben. "Zwei Plätze nebeneinander können wir leider nicht mehr anbieten", verriet Geschäftsführerin Gaby Heyder, die zuletzt nochmals 300 Stehplätze für den Verkauf freigab.

17 Studioalben hat Rainhard Fendrich seit 1980 veröffentlicht, darunter solche mit Hits wie "Macho, Macho", "Schickeria", "Oben ohne", "Weust a herz host wia a Bergwerk", "I am from Austria", "Strada del sole" aber auch so zeitkritischen Songs wie "Brüder", mit dem sich Fendrich klar für die Völkerverständigung positioniert. Seine Mutter stammt aus dem Sudetenland, sein Vater aus Serbien.