Das Experiment hat zumindest am ersten Tag ganz gut geklappt. Seit Montag dürfen auf dem Parkplatz vor dem Schulzentrum nur noch Busse abgestellt werden. Autos sind komplett verpönt. Ein zweiwöchiger Testlauf, der die Situation simulieren soll, wie sie im nächsten Jahr während der Sperre der Bahnstrecke bittere Realität werden wird, wenn neun Monate lang Busse die Züge ersetzen müssen und deswegen diesen Großparkplatz ansteuern. Dazu sollen schon jetzt Erfahrungswerte gesammelt werden.

Erste Erkenntnisse liegen schon nach dem ersten Tag vor: Die meisten Lehrer und Schüler hielten sich brav an die Empfehlungen, auf andere Stellflächen auszuweichen.

Der Parkplatz oberhalb der Dreifachturnhalle (mit der Skaterbahn) bietet noch freie Kapazitäten. Einige Gymnasiallehrer entlarvten sich aber Gehsteigparker in der Gleusdorfer Straße.

"Die meisten haben es bemerkt und nicht geparkt. Es entstand kein Chaos. Einige hatten offensichtlich aus Unachtsamkeit oder Gewohnheit das Zufahrtsverbot übersehen und trotzdem geparkt. Die meisten davon sind wahrscheinlich Pendler, die zukünftig besser auf dem Altstadtparkplatz parken", hat der Rektor der Mittelschule, Philipp Arnold, beobachtet.

Einige standen noch rum

"Am Morgen haben trotz des Verbotes noch ca. zehn Fahrzeuge geparkt. Offensichtlich Pendler mit auswärtigen Autonummern. Auch eine EBN-Nummer und ein HAS-Kennzeichen war dabei sowie zwei Krafträder." Die Eltern hätten ihre Kinder trotzdem auf den Parkplatz gefahren und aussteigen lassen.

Artig waren Arnolds Kollegen: "Sie haben auf dem Mittelschulparkplatz und in der Lützeleberner Straße geparkt. Das war kein Problem."

Bus in Lützeleberner Straße

Dass in der Lützeleberner Straße dann ein Bus den ganzen Vormittag über abgestellt wurde, war nicht im Sinne der Erfinder, die sich in einer Expertenrunde zusammengefunden hatten, die aus Vertretern der Stadt, der Schulen, der Busunternehmen und der zuständigen Behörden bestanden hatte.

Der Maßnahmen-Katalog fiel dabei ganz schön üppig aus, wie ihn Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) den Stadträten präsentierte. "Viele Eltern bringen früh ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, die auch laufen könnten. Wir müssen die Eltern sensibilisieren, dass dies nicht immer notwendig ist."

Mehr laufen sollen aber auch die Lehrer: "Auf dem Parkplatz oberhalb der Dreifachturnhalle ist stets genügend Platz." Für die Lehrer der Mittelschule stehe die Lützeleberner Straße zur Verfügung, sah Hennemann eine Ersatzlösung.

Für Schüler der Schreinermeister-Schule biete sich der Parkplatz an der Südeinfahrt gegenüber der Aral-Tankstelle an.

Und weiter ging's mit der Verschiebe-Taktik: "Wir müssen auch FTE-Mitarbeiter davon überzeugen, ihre Autos nicht auf dem Realschulparkplatz abzustellen, der Besucher im Krankenhaus vorbehalten werden soll."

In der Tat erzählen Anwohner davon, dass der Parkplatz an der Realschule von vielen FTE-Mitarbeitern aus dem Itzgrund bevorzugt werde, die "dann schneller wieder heimkommen". Der Parkplatz sei jedenfalls am Morgen schon um 7 Uhr gut belegt. "Da ist noch kein Lehrer da", so ein Nachbar.

Und noch eine Rochade möchte der Bürgermeister anstoßen: "Die Lehrer der Realschule sollen künftig vorrangig den Altstadt-Parkplatz nutzen."

Die aktuelle Sperrzeit des Parkplatzes am Schulzentrum zwischen 6 und 16 Uhr wurde laut Bürgermeister Hennemann bewusst so gewählt, um damit Elternabende und den Sportbetrieb auf dem nahen TV-Gelände nicht zu beeinträchtigen.


Aus Sicht der Schulleitung des Friedrich-Rückert-Gymnasiums verlief die Sperrung des Mittelschul-/Gymnasiumparkplatzes unproblematisch. "Es ist allerdings zu bedenken, dass unsere 12. Jahrgangsstufe, die erfahrungsgemäß hauptsächlich den Parkplatz nutzt, bereits ihr Abitur gemacht hat und nicht mehr an der Schule ist. Dies ist in Hinblick auf die Situation ab Januar nächsten Jahres (Sperrung wegen Schienenersatzverkehr) zu berücksichtigen", schaut der stellvertretende Schulleiter Martin Pöhner voraus.