"Wir sind Feuer und Flamme!", erzählte Martina Zeiß mit ihrer Freundin Martina Hußlein aus Haßfurt, die wie viele andere Besucher am Freitag die "Nacht der offenen Kirchen in Haßfurt" besuchten. "Als Mamis von je zwei Kindern wollten wir einen erholsamen wie inspirierenden Abend erleben, und das Angebot hat uns tief beeindruckt."

Was die beiden jungen Mütter in Feuer und Flamme gesetzt hatte, war zum einen die lebendige Aktion der "Land.Jugend.Kirche" der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Würzburg und der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit im Dekanat Haßberge in der Stadtpfarrkirche. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter hatten mit Pfadfindern drei Spielszenen unter dem Thema "Abgestaubt und jung verpackt - dreimal Zeit für Dich" vorbereitet und mit Eifer dargeboten. So entzündeten sie unter dem Motto "Fire in the church - Feuer in der Kirche" Feuerstellen in der abgedunkelten Kirche und erzählten dann, wofür ihr Herz brennt. Den Zuschauern stellten sie die Frage: "Und wofür brennst du?" Andreas Hartung, Jugendseelsorger im Dekanat Haßberge, verglich das Feuer mit dem Heiligen Geist, der an Pfingsten die Jünger entbrannt hat, und stellte fest: "Der Heilige Geist kommt immer wenn‘s eng wird!" Zum Abschluss durften die Besucher Wunderkerzen an den Feuern entzünden. "Wir finden es ganz toll, wie viele Jugendliche sich hier engagiert haben und welch gute Ideen sie hatten", resümierte Martina Zeiß. Mit Freudin Martina Hußlein gönnte sich sich zwischendurch einen Burger bei den Ministranten im Pfarrhof, bevor sie das Improvisationstheater und zum Abschluss das Konzert in der Ritterkapelle besuchten. Dort fand die Uraufführung der "Toccata für Orgel und Schlagwerk" von Jonas Göbel aus Wonfurt statt Der Komponist war selbst vor dem Altar an Marimba und an den Pauken, Bongos und Trommeln zu erleben, während Ludwig Wolf auf der Empore die Orgel erklingen ließ. Die Zuhörer kamen zur Ruhe, legten den Alltagsstress ab und lauschten der schönen Musik. Bewundernswert ist nicht nur die abwechslungsreiche Komposition selbst. Auch das Zusammenspiel der Instrumente war perfekt abgestimmt, wie auch André Rudolph aus Prappach, selbst Blasmusiker, konstatierte: "Das Konzert hat mir sehr gut gefallen und die Akustik ist beeindruckend." Mit seiner Frau und den beiden Kindern war er gekommen, "um zur Ruhe zu kommen und die Kirchen einmal aus einem anderen Gesichtspunkt zu sehen".

Leidenschaft versprühten Samuel und Monica Greve von der Stuttgarter Band "Glaubenshelden". Als "Lobpreismusiker" sangen und spielten sie im Pfarrsaal vor aufmerksamen und zum Teil tief ergriffenen Zuhörern. In der Christuskirche zeigte das Bamberger "Instant Theater" Improvisationstheater unter dem Titel "verFlucht! Wo bin ich?" Leider war Lisa Wölfel, deren Werkausstellung derzeit im Bibelkeller gezeigt wird, nicht da, so dass Mitglieder des Vereins "Bibelwelten" die Besucher durch die Ausstellung geleiteten. Zuletzt wiesen die Gäste der ökumenischen Gesprächsrunde zur Situation der Kirche unter der Leitung von Gotthart Preiser, Oberkirchenrat i.R., im evangelischen Gemeindehaus dankbar auf viel ehrenamtliches Engagement in den Gemeinden und ihren Gruppen und auf das gute ökumenische Klima hin. Sorgen äußerten sie angesichts der weithin wegbleibenden Jugend, der fehlenden Glaubenspraxis der Eltern oder der oft lebensfernen, nicht persönlich berührenden Sprache der Kirche. Angesprochen wurde, dass hoffnungsvolle katholische Neuaufbrüche durch Mehrbelastungen infolge von Gemeindezusammenlegungen behindert würden, während die evangelische Gemeinde sich angesichts der personellen Neuausrichtung in gespannter Erwartung sieht.

Eingangs hatte Pfarrer Stephan Eschenbacher bei der Eröffnung in der Ritterkapelle erklärt: "Wir brauchen die ,Nacht der offenen Kirchen‘ zur Präsentation unseres spirituellen Schatzes". Gotthart Preiser ergänzte: "Die ,Nacht der offenen Kirchen‘ ist auch eine Mahnung, dass die Kirche immer offen sein muss. Denn sie vertritt Gott, der für alle Menschen ein offenes Herz hat!" Am Ende konstatierte Mirjam Wolf, Geschäftsführerin des Diözesanbüros Haßberge: "Diese ,Nacht der offenen Kirchen‘ hatte eine wunderbare Atmosphäre! Ich bin begeistert, dass sich so viele Menschen zu uns aufgemacht haben und unser Programm, das die katholische Pfarrei St. Kilian, die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde und die evangelisch-freikirchliche Gemeinde auf die Beine gestellt haben, mit so viel Interesse und Begeisterung angenommen haben." Ihren berührenden, religiösen Abschluss fand die Nacht mit einem Taizé-Gebet in der Ritterkapelle.