Rettungsdiensthelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistent - kaum einer kennt den Unterschied dieser Begriffe (siehe Info-Kasten am Ende des Textes). Seit 2014 gibt es einen weiteren: Notfallsanitäter. Der macht alles noch ein bisschen komplizierter.


Neue Berufsbezeichnung

2014 ist das Notfallsanitätergesetz in Kraft getreten. Der Beruf des Notfallsanitäters soll künftig den des Rettungsassistenten ersetzen. Der Unterschied liegt vor allem in der Ausbildung. Diese wird laut Gesetz drei Jahre dauern und mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen.


Offene Fragen

"Die Ausbildung auszuweiten halte ich grundsätzlich für sinnvoll", sagt Wolfgang Brühl, Ausbildungsleiter beim Kreisverband Haßberge des Bayerischen Roten Kreuzes. Doch Brühl sieht noch viele offene Fragen.
Das Notfallsanitätergesetz regle lediglich die Ausbildungsdauer, lege einheitliche Qualitätsanforderungen an die Rettungsdienstschulen fest.

"Doch es hapert an der Umsetzung, die auf Landesebene geregelt wird." Es müssten Änderungen im Bayerischen Rettungsdienstgesetz vorgenommen werden. Zwar gibt es einen Gesetzentwurf. "Aber entschieden ist noch nichts", sagt Brühl. Das aber ist dringend nötig.

Denn das neue Gesetz betrifft nicht nur die neu ausgebildeten Rettungskräfte. So sind ausgebildete Rettungssanitäter nicht automatisch Notfallsanitäter. "Rettungsassistenten mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung müssen eine Ergänzungsprüfung ablegen, um Notfallsanitäter zu werden", erklärt Brühl. Diejenigen mit weniger Berufsjahren müssen verpflichtend Lehrgänge samt abschließender Ergänzungsprüfung absolvieren. "Und das während des laufenden Betriebs", sagt Brühl.

Die Nachqualifizierung kostet allerdings Zeit: Von 25 Rettungsassistenten beim Kreisverband Haßberge wollen bisher 22 die Zusatzqualifikation erwerben. Das sei sehr erfreulich, meint Brühl. Doch damit stehen die Rettungswachen vor einer Mammutaufgabe: "Bisher erscheint mir dieses Problem noch unlösbar zu sein", sagt Brühl.

Denn: Ein Rettungsassistent mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung würde zwölf Acht-Stunden-Arbeitstage fehlen, bei geringerer Erfahrung ist es die doppelte Menge. "Und auch die Kollegen mit mehrjähriger Berufserfahrung würden nicht nur zur Prüfung gehen, sondern sollten vorher an einer empfohlenen Schulung teilnehmen", erklärt Brühl.


Nachqualifikation nötig?

Sind diese Lehrgänge wirklich notwendig? Rainer Schuà, leitender Medizinaldirektor bei der Regierung von Unterfranken, hat darauf eine klare Antwort. "Ja", sagt er und erklärt: "Die Ausbildung ist umfangreicher und behandelt Bereiche, die bisher nicht zur Ausbildung der Rettungsassistenten gehört haben." So erlernen Notfallsanitäter bei akuter Lebensbedrohung des Patienten, vor Eintreffen des Notarztes bestimmte - invasive - Behandlungen durchzuführen. Zusätzlich gibt es einen Katalog an Medikamenten, die der Notfallsanitäter dem Patienten verabreichen darf.

Zwar schränkt Schuà ein, dass Rettungsassistenten bisher auch im Notfall Maßnahmen vornehmen durften, die eigentlich dem Notarzt obliegen. "Doch ist diese sogenannte Notkompetenz bisher nicht gesetzlich geregelt gewesen", erklärt der Mediziner weiter. Das sei nun anders.

Die Veränderung in der Ausbildung kommt laut Schuà dem Berufsbild noch in einem weiteren Punkt zugute. "Damit werden Rettungskräfte mit anderen medizinischen Berufen wie etwa der Krankenschwester gleichgestellt", erläutert Schuà.

Dass die Übergangszeit Schwierigkeiten mit sich bringt, will auch Schuà nicht von der Hand weisen. Beispielsweise stehe zwar bisher die Dauer der Nachqualifizierung fest, aber noch nicht, wie die Ergänzungsprüfung aussieht.

Zu welch kuriosen Situationen die Übergangszeit führen kann, sieht man am Beispiel von Wolfgang Brühl. "Ich führe inzwischen die Bezeichnung ,Praxisleiter für Notfallsanitäter', obwohl ich selbst kein Notfallsanitäter bin", erklärt er. Schließlich gibt es noch keine Nachqualifizierungslehrgänge.


Gesetzesnovelle erwartet

Da der Gesetzgeber ab 2024 vorschreibt, dass ein Rettungsfahrzeug mit einem Notfallsanitäter besetzt sein muss, kann es auch dazu kommen, dass der altgediente Rettungsassistent, da er die niedrigere Qualifikation hat, den Rettungswagen fahren muss, während der frisch von der Schule kommende Notfallsanitäter den Patienten betreut. Aber Schuà sieht darin kein Problem: "Bis der Patient transportfähig ist, arbeitet das Team ja ständig miteinander."

Noch stehe man in der Praxis nicht vor diesen Problemen. Doch der Gesetzgeber muss sich ranhalten. Die ersten Absolventen starten beim Kreisverband Haßberge im kommenden Jahr ins Berufsleben.
Laut eines Sprechers des bayerischen Innenministeriums ist die zweite Lesung im Landtag zur Änderung des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes für den 25. Februar vorgesehen.

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INFOBOX
Rettungsfachpersonal

Rettungsdiensthelfer arbeiten bei qualifizierten Krankentransporten. Die Qualifikation richtet sich an Freiwillige (Bundesfreiwilligendienstleistende) oder ehrenamtliche Kräfte.

Rettungssanitäter ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, jedoch landesrechtlich geregelt. Er ist Fahrer und Teampartner des Notfallsanitäters.

Rettungsassistent war bis Ende 2013 die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst. Die Ausbildung dauerte zwei Jahre. Der Beruf Notfallsanitäter löst den Rettungsassistenen künftig ab. fis
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