Die Gemeinde Untermerzbach hat alles richtig gemacht, als sie sich entschlossen hat ein knapp ein Hektar großes Waldstück von privat zu kaufen, welches direkt an den Gemeindewald, Abteilung "Lehnholz", angrenzt. Das wurde Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) und weiteren 13 Teilnehmern, die am Mittwoch am Waldgang teilnahmen, von den Forstbeamten Jürgen Hahn und Wolfgang Gnannt bestätigt.

Das neu erworbene Waldstück stand dann auch im Mittelpunkt der etwa zweistündigen Exkursion im Gemeindewald Untermerzbach. Zunächst brachten die beiden Förster die Teilnehmer auf "Betriebstemperatur", galt es doch ein relativ steiles Stück zurückzulegen, bis das erste "Etappenziel"erreicht war. "Das von ihnen erworbene Waldstück passt sich gut an das etwa 7,5 Hektar große ,Lehnholz' an", sagte Forstamtsrat Wolfgang Gnannt.
Das neu erworbene Waldstück besticht durch hochgewachsene Bäume verschiedener Holzarten. "Das wollen wir so haben, fünf oder sechs verschiedene Baumarten", sagte Forstoberrat Jürgen Hahn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AfELF) in Schweinfurt.

"Der Wald sieht relativ aufgeräumt auf", stellte Gemeinderat Jürgen Fromm fest. Das sei so, weil die Vorbesitzer meist nur das dürre Holz entnommen haben, erwähnte Wolfgang Gnannt und freute sich, dass der Bestand "voll bestockt" ist. Er wies darauf hin, dass die Kronen sehr eng stünden und man in den nächsten zwei bis drei Jahren etwas Nadelholz rausnehmen sollte, um die Hartholzarten zu fördern. Der Kauf sei nicht schlecht gewesen, weil in diesem Bestand viel langes Holz auf der gesamten Fläche steht, sagte Hahn. Das sei ein stabiler Wald, dessen Boden an einem Nordhang ideale Voraussetzungen böte und man da auch hinsichtlich Klimawandel auf relativ "sicherer Seite" wäre.

Im Durchschnitt wären die Stämme im "Lehnholz" 90 Jahre alt, erläuterte Wolfgang Gnannt und die müsse man weiterentwickeln. Auch Altholz ist zu finden, ebenso wie Naturverjüngung, stellte Revierleiter Gnannt fest. So werde dem ökologischen Gedanken Rechnung getragen.


Ein Konsens mit den Jägern?

"Ich kann es fast schon nicht mehr hören", sagte sein Chef Jürgen Hahn, als er auf die Bejagung von Flächen mit Naturverjüngung zu sprechen kam. "Jäger sollten dort verstärkt jagen, wo es waldbaulich erforderlich ist, um den Verbiss so gering als möglich zu halten." Gerne sei man bereit, den Konsens mit den Jägern zu suchen, weil letztlich beide Seiten profitieren könnten. "Wird auf Flächen mit Naturverjüngung das Rehwild für fünf oder sechs Jahre `kurz gehalten`, sind die Pflanzen dem Äser des Wildes entwachsen. Dann kann dort das Rehwild einen guten Einstand finden", so der Forstexperte. Damit wolle er nicht sagen, dass jedes Reh geschossen werden müsse, es aber auf einen verträglichen Rahmen reduziert werden sollte.

Dass der Verbiss noch relativ hoch ist, konnten die Teilnehmer des Waldganges sehen. Hier schaltete sich Dritter Bürgermeister Dieter Reisenweber, auch Jagdvorstand für das betreffende Gebiet, ein:
"In den letzten drei Jahren wird hier überhaupt nicht mehr gejagt, die einzige Jagd findet auf der Staatsstraße statt", sagte er. Damit wollte er verdeutlichen, dass in diesem Bereich das Wild nur durch Wildunfälle "reduziert" werde. Die Pacht laufe demnächst aus und dann müsse man mit einem neuen Pächter in den Dialog treten, waren sich alle einig. Jürgen Hahn brachte diese Diskussion schließlich auf den Punkt: "Jäger, Waldeigentümer und wir Forstleute müssen miteinander, nicht übereinander reden."


Die Fichte hat Zukunft

Zur Sprache kam der "Baum des Jahres 2017", die Fichte. Die immergrüne Fichte sei aus der Landschaft nicht wegzudenken, sie sei der "Brotbaum", sagte Jürgen Hahn. Er erläuterte deren Wert für Bauholz, Möbel, Zellstoff oder Papier. Ende der 70er Jahre hätten sich die Schäden durch Immissionen bei der Fichte verstärkt. Verbannen könne man diesen "Risikobaum", einen Flachwurzler, der mitunter als "Verlierer" bezeichnet wird, auch im Hinblick auf den Klimawandel nicht aus den Wäldern. "Ich behaupte, dass die Fichte auch in vielen Jahren noch als Bauholz wichtig ist", so Hahn.

Zum Schluss gingen die Forstleute noch auf Waldschädlinge ein. Unter anderem auf das "Falsche Weiße Stengelbecherchen", welches aus Asien komme und für das Absterben der Esche sorge.
Vor einigen jungen Eschen stehend, gab es sachkundige Erläuterungen, wie sich dieser Pilz ausbreitet. Derzeit wisse man noch nicht richtig, wie man das in den Griff bekommen könne.
Die Stille des Waldes wurde durch Motorradfahrer, die den Hambach auf der Staatsstraße 2278 als "Rennstrecke" benutzen, erheblich gestört. Die Motoren dröhnten so laut, dass die Forstleute mitunter ihrer Erklärungen unterbrechen mussten und das Zwitschern der Vögel nur selten zu hören war.