"Sie ist wirklich schick", das sagt Ausgrabungsingenieurin Britta Ziegler über die mittelalterliche Anlage, die in Eltmann als "Burgstall" bekannt ist. Mit Studenten der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hat sie im vergangenen Jahr Teile der Anlage geoelektrisch vermessen und im August sollen diese Messergebnisse durch Grabungen verifiziert werden. Die Mitglieder des Heimatgeschichtlichen Vereins Eltmann, allen voran Günther Reiss, die diese Untersuchung angestoßen haben, sind sehr gespannt und auch viele andere, wie das große Interesse am archäologischen Informationsabend in der Stadthalle in Eltmann zeigte.


Ergebnisse vom März 2016

Die Zuhörer lauschten gespannt, was die Fachfrau über die Messergebnisse vom März 2016 berichtete. Geoelektrische Prospektion heißt das Untersuchungsverfahren, bei dem Sonden in den Boden eingebracht werden. Je nachdem ob der Strom auf leitende oder auf eher isolierende Elemente im Boden stößt, zeichnet ein Rechenprogramm ein Bild. Das zu interpretieren, ist die Herausforderung, die Britta Ziegler erklärte.

Eigentlich sind vom "Burgstall" nur Geländeformen zu sehen - die zeichnen sich auf Luftaufnahmen und im dreidimensionalen Geländemodell aber sehr deutlich ab. Als der frühere Kreisheimatpfleger Paul Hinz in den 1960er Jahren auf dem Bergrücken zwischen Eltmann und Limbach erste Vermessungen vornahm und auch Scherben sammelte, hat es wohl noch Mauerreste gegeben, die aber mittlerweile nicht mehr sichtbar sind. Rote Flächen auf den Messbildern könnten auf Mauerreste hinweisen.


Faszination

Reiner Reitz, der kommissarische Vorsitzende des Heimatvereins, erzählte von der Faszination, die die Geschichten um den "Burgstall" auf ihn als Bub ausübten. "Mit meinen Kumpels habe ich nach Kellern und Stollen gesucht", erzählte er. Viele Sagen ranken sich ja um angebliche Stollen, die Burgen miteinander verbanden.
Dank der Uni Bamberg wird nun erstmals wissenschaftlich an die Erforschung des "Burgstalls" herangegangen. Für Britta Ziegler war die Anfrage aus Eltmann eine gute Gelegenheit, mit den Studierenden eine praktische Übung zu realisieren.

Im Bayerischen Denkmalatlas ist der "mittelalterliche Burgstall" zwar aufgeführt, doch mit ganz wenigen Daten. 185 Meter lang und an der breitesten Stelle 90 Meter breit ist die Anlage auf dem Bergsporn, der Richtung Maintal zeigt. Der Höhenrücken zwischen Eltmann und Limbach fällt steil um 60 Höhenmeter ab. Zwei Wochen lang dauerten die Messungen im März 2016, jetzt sind die Daten des "Burgstalls" auch ins Koordinatensystem eingemessen.


Zwei Vorburgen

Fest steht eine massiv befestigte Kernburg mit zwei Vorburgen, die jeweils durch einen Quergraben gesichert waren. Der Hauptgraben sei massiv ausgebaut gewesen, 13 Meter breit und bis drei Meter tief, und sei in einen Hanggraben um die Hauptburg übergegangen, schilderte die Wissenschaftlerin. An der Nordwest- und Südwestecke könnten Wehrbauten gestanden haben.

Auf keinen Fall habe es sich wie oftmals vermutet, um eine Fliehburg vor den Ungarn gehandelt, so Britta Ziegler. Auch sei sie nicht aus dem frühen, sondern aus dem Hochmittelalter. Das zeigten die Scherbenfunde von Paul Hinz und seinen Helfern, erfuhren die Zuhörer.

Für Britta Ziegler ist die zentrale Frage, warum fernab jeder Siedlung eine Wehranlage errichtet wurde, just zu der Zeit, als unweit die Wallburg zum würzburgischen Amtssitz ausgebaut wurde. Ein Blick auf die Landkarte der damaligen Burgen mit der Schmachtenburg, der Burg am Ebersberg, dem Heidenschlösschen im Böhlgrund, der Stollburg und anderen rückt den stets schwelenden Grenzkonflikt zwischen den Bistümern Bamberg und Würzburg in den Blick - der Bergsporn im bambergischen Grundbesitz ragte nach historischen Karten wie ein Fingerzeig in das würzburgische Land zwischen Eltmann und Zeil hinein. Für Britta Ziegler ist es sehr wahrscheinlich, dass hier der Grund für den Burgbau liegt. "Aber das müssen die Historiker weiter ausarbeiten, wir sind nur die Archäologen", sagte sie.

Die Archäologen dürfen jetzt aber ihren Messergebnissen weiter auf den Grund gehen. Die Wissenschaftlerin zeigte auf, dass sie die verschiedenfarbigen Flächen, die durch die Messungen entstanden, zwar interpretieren kann, "aber schon eine unterschiedliche Bodenfeuchtigkeit kann andere Ergebnisse bringen". Deshalb ist sie ebenso gespannt wie die Vereinsmitglieder auf die Grabungen, die ab 21. August stattfinden werden. Punktgenau werde man nach den durchnummerierten Anomalien suchen. Drei Kreuzschnitte sind im Bereich der Hauptburg geplant, wobei der Eingriff so gering als möglich sein soll. "Wir werden hier nichts großflächig ausgraben, schon gar nicht rekonstruieren, beugte sie zu hoch gehängten Hoffnungen vor. Aber ein nachhaltiges Pflegekonzept für die Anlage könnte entstehen.


Die Mittel fehlen

Gerne würde Britta Ziegler an die Grabung eine flächendeckende geoelektrische Messung anschließen, aber dazu müssten in die technische Ausstattung des Lehrstuhls fast 10 000 Euro investiert werden - Geld, das nicht vorhanden ist. Erst einmal ist sie aber glücklich über die Grabungen im Sommer, die auch gerne von freiwilligen Helfern unterstützt werden können.

Günther Reiss organisiert vieles, was zu diesem Vorhaben gehört. Ein Geländecontainer wird von einem Eltmanner Unternehmen bereitgestellt, auch die Toilettenfrage ist geklärt, der Eltmanner Stadtförster Christian Bartsch unterstützt ebenso wie die Stadt Eltmann.

Reiner Reitz dankte am Ende des Informationsabends Günther Reiss, der "das große Buch des Burgstalls aufgeschlagen hat", und wies auf die Spendenbox hin, in der für "Schaufelöl" gesammelt wird, denn wie im März letzten Jahres freuen sich die Forschenden über die eine oder andere Brotzeit - und im August natürlich über Getränke.