Bei vielen ist der Brief bereits eingetroffen: Energieversorger informieren ihre Kunden derzeit darüber, dass ab Januar die Preise für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas steigen. Grund dafür ist die Einführung eines Preises für die Nutzung von Brennstoffen, bei deren Verbrennung Kohlendioxid entsteht. Für einen Beispielhaushalt bedeutet das laut Verbraucherzentrale Mehrkosten von gut 200 Euro pro Jahr.

Diese CO2-Bepreisung aus dem Klimapaket der Bundesregierung soll helfen, bis 2030 den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu senken. Gleichzeitig werden fossile Energieträger teurer. Damit werden Anreize geschaffen, auf klimaschonende Technologien umzusteigen, mehr Energie zu sparen und erneuerbare Energien zu nutzen. Als Gegenmaßnahme sollen die Strompreise gesenkt werden - was aktuell aber längst nicht alle Energieversorger vorhaben.

Rechtzeitig umsteigen

Das politische Signal der schrittweisen Erhöhung der Energiekosten beziehe sich auf alle Sektoren wie Wärme, Strom und Mobilität, wenn die dafür benötigte Energie ganz oder teilweise aus fossilen Quellen stammt und bei ihrer Verwendung zu weiterem CO2-Ausstoß führt, erklärt Günter Lieberth, Energieberater im Kreis Haßberge.

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"Gegen eine zunehmend höhere finanzielle Belastung hilft nur der rechtzeitige Umstieg auf energieeffizientere Technologien und erneuerbare Energiequellen", rät Lieberth. Dazu zählen Sonne, Wind, Wasser und Biomasse sowie in bestimmten Bereichen auch Geothermie. Denn: "Sonne, Wind und Wasser stellen ihre Energie allen Menschen kostenlos zur Verfügung!"

Verbraucher könnten davon profitieren, dass vielfältige Technologien und Möglichkeiten bei der Sanierung von Gebäuden zur möglichst eigenen Stromerzeugung vor Ort und für die Mobilität bereits in großer Auswahl vorhanden seien und staatlich so gut gefördert werden wie nie zuvor.

  • 1. Klimapaket: Die Bundesregierung hat mit dem Klimapaket ein Bündel an Maßnahmen beschlossen. Unter anderem werden Erdgaslieferanten ab dem 1. Januar 2021 dazu verpflichtet, Emissionszertifikate für die Verbrauchsmengen ihrer Kunden zu erwerben ("CO2-Preis"). Im Jahr 2021 kostet ein solches Zertifikat 25 Euro für eine Tonne CO2. Nach schrittweisen Steigerungen wird 2025 ein Preis von 55 Euro erreicht sein (ohne Mehrwertsteuer).
  • 2. Mehrkosten: Die Mehrkosten müssen zunächst Heizöl- und Kraftstoffhändler sowie Gasversorger bezahlen. Wie viel davon sie an ihre Kunden weitergeben, entscheiden die Unternehmen selbst.
  • 3. Preisänderungen: Zum Jahreswechsel haben zwar einige Versorger Preissenkungen angekündigt, andere werden ihre Tarife aber erhöhen. Das haben erste Auswertungen der Internet-Vergleichsportale Verivox und Check24 ergeben. Für die Entlastung der Verbraucher sollen eine Senkung des Strompreises und die Pendlerpauschale für Arbeitnehmer mit längeren Fahrtwegen sorgen.
  • 4. Berechnung: Die Verbraucherzentrale hat eine Berechnungsgrundlage für die Preissteigerung der Heizkosten erstellt: Den Energieverbrauch von Haus bzw. Wohnung in Kilowattstunden (kWh) pro Jahr der Heizkostenabrechnung entnehmen. Dann den Energieverbrauch mit dem Emissionsfaktor des Energieträgers Gas (202 Gramm/kWh) bzw. Öl (266 Gramm/kWh) multiplizieren und die damit errechnete CO2-Bilanz des Energieverbrauchs mit dem zukünftigen CO2-Preis multiplizieren. Unter www.verbraucherzentrale.de gibt es auch einen interaktiven Rechner.
  • 5. Heizöl: Voraussichtlich werden 2021 acht Cent auf den Liter Heizöl aufgeschlagen und 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Bei einer Tankfüllung von 3000 Litern mache es in der Summe einen Preisunterschied von etwa 275 Euro, wenn noch 2020 statt im Jahr 2021 geliefert werde. Ein Jahresbedarf von 2000 Litern Heizöl wird mit etwa 159 Euro CO2-Preis belegt.
  • 6. Gas: Mit durchschnittlich 6,31 Cent je Kilowattstunde lag der Gaspreis heuer laut Bundesnetzagentur in Deutschland europaweit im Mittelfeld. Ab 2021 wird Erdgas laut Umweltministerium um 0,6 Cent pro Kilowattstunde teurer. Vergleichsportale im Internet haben aus den bisher angekündigten Preiserhöhungen einen Anstieg um mehr als sieben Prozent errechnet. Bei einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden rechnet die Verbraucherzentrale für 2021 mit einem CO2-Mehrpreis von 120 Euro.
  • 7. Strom: Als Gegenmaßnahme zur CO2-Abgabe hat die Bundesregierung die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) gedeckelt. Diese wird zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen verwendet. 2021 wird die EEG-Umlage 6,5 Cent pro Kilowattstunde betragen, im Jahr darauf 6 Cent. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass die meisten Energieversorger trotz der Senkung diese Vorteile nicht an ihre Kunden weitergeben. Sofern ein Anbieter dies 1:1 tut, kann ein Haushalt mit 3000 Kilowattstunden Jahresverbrauch etwa neun Euro im Jahr sparen.
  • 8. Spritkosten: Hier führt die Erhöhung laut Verbraucherzentrale zu Mehrkosten von etwa 85 Euro, wenn man eine jährliche Fahrleistung von 15 000 Kilometern und einen Benzinverbrauch von acht Litern pro 100 Kilometer annimmt.
  • 9. Steuererklärung: Im Klimapaket wurde auch die steuerliche Abschreibung von energetischen Sanierungsmaßnahmen beschlossen. Bis zu einer Gesamtsumme von 200 000 Euro können künftig der Austausch von Fenstern, die Dämmung der Gebäudehülle und die Erneuerung von Heizkesseln (in selbst genutzten Einfamilienhäusern) bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Verteilt über drei Jahre können 20 Prozent der Kosten von der Steuerschuld abgezogen werden. Maximal sind 40 000 Euro als Zuschuss möglich.
  • 10. Förderprogramme: Mit neuen Förderprogrammen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und einer Verbesserung der Förderprogramme des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden energetische Sanierungen an Gebäuden und Heizungen finanziell attraktiver und verringern Energieverbrauch, CO2-Fußabdruck und Heizkosten. Maßnahmen zur Heizungserneuerung werden nun mit bis zu 45 Prozent gefördert, teilweise gibt es auch Zuschüsse der Bundesländer und Kommunen. Vor allem der Wechsel vom Energieträger Öl hin zu Gas und erneuerbaren Energien wird durch eine zusätzliche Förderung attraktiver.

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Energiesparen und Beratung senken die Kosten

Einsparungen Ein Grad weniger an Raumtemperatur spart sechs Prozent Energie ein. Auch die Nachtabsenkung bringt eine deutliche Einsparung. Wichtig ist, dass die Technik funktioniert: Defekte Thermostatventile oder Regelungen treiben den Verbrauch hoch. Der Austausch der Heizung ist zwar eine teure Angelegenheit, kann aber den Heizenergieverbrauch bis zu 25 Prozent senken.

Energieversorger Das Umweltbildungszentrum (Ubiz) in Oberschleichach bietet Energieberatungen und im Rahmen von Kursen vertiefende Infos zum Thema an. Als Ansprechpartner ist Energieberater Günter Lieberth unter 09529/922213 oder per Mail an energieberatung@ubiz.de erreichbar. Anmeldungen für Energieberatungen sind auch über die Verwaltung unter der 09529/92220 oder über verwaltung@ubiz.de möglich. Für Kunden der regionalen Energieversorger Stadtwerk Haßfurt, Stadtwerke Zeil und ÜZ Mainfranken in Lülsfeld ist die persönliche Beratung kostenfrei, für alle anderen fällt eine Gebühr an.

Wechsel Preiserhöhungen müssen mit sechs Wochen Vorlauf angekündigt werden. Kunden haben dann ein Sonderkündigungsrecht. Bei Strom und Gas kann mit einem Wechsel oft Geld gespart und aus hunderten von Tarifen ausgewählt werden.