Es ist ein bisschen wie beim Fünf-Liter-Auto: Auch beim "Fünf-Liter-Haus" ist es zu einem wesentlichen Teil vom Verhalten des Nutzers abhängig, wie hoch der Verbrauch ist. "Heizung ist der größte Batzen, wo Energie verblasen wird", weiß Günter Lieberth, Energieberater am Umweltbildungszentrum in Oberschleichach (Ubiz). Mit kleinem Aufwand kann man erstaunlich große Einsparungen erreichen.

Nach der Statistik des deutschen Mieterbundes fallen für eine 70 Quadratmeter große Wohnung in einem Jahr durchschnittlich Heizkosten von 700 Euro an. Beim Einfamilienhaus liegt dieser Betrag meist um ein Vielfaches höher - abhängig vom Bauzustand, vom Heizsystem, aber auch vom Verhalten der Bewohner. Das Umweltbundesamt (www.umweltbundesamt.de), die Verbraucherzentrale (www.verbraucherzentrale.de), der Schornsteinfeger sowie die Energieberatung des Landkreises geben Tipps zum Heizen und Lüften mit Köpfchen. Hier ein grober Überblick über die wichtigsten Heiz-Grundsätze: Dämmung Doppelt gedämmt hält besser: Gerne darf es ein bisschen mehr sein, wenn ein Haus gebaut oder saniert wird. Auf den ersten Blick einleuchtend, denn im T-Shirt friert der Mensch, im Mantel nicht. Deshalb machen auch Mäntelchen und Mütze für das Haus Sinn. Aber richtig und mit Augenmaß, auch wenn die Industrie ihre Dämmstoffe gerne nach dem Motto anpreist: Es darf nicht nur ein bisschen mehr sein.

Tatsächlich ist der erste Zentimeter jeder Dämmung der wirksamste; doppelte Dämmstärke bringt nicht den doppelten Effekt. Teure Dämmsysteme rechnen sich im Geldbeutel oft erst nach vielen Jahren; und dann müssen sie manchmal schon wieder erneuert werden. Umweltschützer werden argumentieren, dass es sinnvoller ist, mehr Geld für Dämmung als für Heizung auszugeben. Dabei darf man aber den Energieaufwand und den Rohstoffverbrauch bei der Herstellung der Dämmstoffe nicht vergessen - und die Tatsache, dass künstliche Dämmstoffe am Ende oft Sondermüll sind. Die Dämmung will durchdacht und vom Experten geplant sein. Lüften In modernen Passivhäusern ist das Lüften kein Thema mehr: Weil die Gebäude absolut dicht sind und selbst Fenster sich oft nicht mehr öffnen lassen, wird gegen dicke Luft ein Lüftungssystem eingebaut, dass aus der warmen Abluft mittels Wärmetauscher sogar noch Energie gewinnt. Aber ein Leben in der Thermoskanne ist nicht jedermanns Sache.

Am anderen Ende der Skala stehen ältere Häuser, die durch undichte Fenster und Türen permanent "belüftet" werden - was zu der Zeit, als vornehmlich mit Einzelöfen geheizt wurde, auch überaus sinnvoll war, um dem Feuer den notwendigen Sauerstoff zuzuführen.

Hat man ein zeitgemäßes Haus ohne zugige Fenster, dann schafft vernünftiges Lüften ein gutes Hausklima, ohne Energie zu verschwenden - in stickiger Luft fühlt man sich nicht wohl. Vernünftig Lüften heißt: fünf- bis siebenmal am Tag die Fenster komplett öffnen und querlüften, also so, dass "die Luft richtig durchpfeifen kann". Lieberth weiß: "Das geht bei Berufstätigen nicht. Mein Tipp: Früh nach dem Aufstehen, abends nach der Arbeit und noch einmal vor dem Schlafengehen lüften."

Die trockene, kalte Luft erwärmt sich, so Lieberth, übrigens schneller als die zirkulierte, warme Luft. "Je wärmer die Luft, umso mehr Feuchtigkeit kann sie tragen." So kommt es häufig vor, dass sich am Morgen durch die Atemluft und nächtliches Schwitzen Kondenswasser an den Scheiben gebildet hat. Ein klares Zeichen dafür, dass ein Luftaustausch nötig ist. Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, kann sich in den Ecken Feuchtigkeit bilden und somit können Schimmelpilze entstehen.

Auf die Frage, was der größte Fehler beim Lüften ist, antwortet Lieberth: "Fenster kippen ist das Schlimmste, was man machen kann. Im Winter ist es so, dass oft Fenster dauerhaft gekippt sind und die Leute glauben, dass sie lüften. Das ist ein Irrglaube!" Beim gekippten Fenster finde nur ein Siebtel des Luftaustausches statt, der beim Querlüften erreicht wird. Zudem kühlen die Bauteile im Fensterrahmen beim dauerhaften Kippen stark ab, was langfristig Schäden verursachen kann. Auch werden das Mobiliar und die Wände heruntergekühlt. Beim Stoßlüften, so der Energieberater, bleiben die Möbel und Wände warm. Temperatur "Die perfekte Raumtemperatur hängt vom jeweiligen Zimmer ab", weiß Lieberth. "Es müssen nicht alle Räume auf 20 bis 25 Grad geheizt werden." Im Flur oder in Räumen, die nur selten genutzt werden, reichen zehn bis 15 Grad aus. "Im Wohnzimmer sollte es angenehm sein, damit ich nicht total vermummt dasitzen muss, aber auch nicht so warm, dass ich im Unterhemd rumlaufe", sagt er und lacht. "Das ist ein sinnloser Energieaufwand, im Winter kann man zuhause schon seinen Pulli überziehen."

Ein Grad weniger Raumtemperatur bringt, wie aus der Ubiz-Broschüre zu entnehmen ist, eine Energieeinsparung von sechs Prozent. Das ist schon eine Hausnummer. Deshalb haben moderne Heizungen standardmäßig eine Nachtabsenkung. Die kann aber zum Eigentor werden: etwa dann, wenn Familienmitglieder spätabends duschen. Trotz Nachtabsenkung heizt dann die Anlage, weil die Kesseltemperatur abfällt. Bis zum nächsten Morgen ist der warme Kessel wieder abgekühlt - ein Nullsummenspiel.

Wegen der Trägheit vieler Heizungen und Gebäude ist der Effekt der Nachtabsenkung in der Regel minimal. Sinn macht sie in optimal gedämmten Häusern, die bei reduzierter Heizleistung kaum auskühlen und schnell warm werden.

Effektiver als die Nachtabsenkung ist die Reduzierung der Raumtemperatur insgesamt. 22 statt 23 Grad im Wohnraum, 16 oder 17 Grad im Schlafzimmer, wenig genutzte Räume noch kühler: Dann wird dem Hausherrn auf jeden Fall bei der Heizkostenabrechnung warm ums Herz.