Achtung, Ihr Haßfurter, aufgepasst. Zieht das Genick ein. Möglicherweise kommt er doch noch der Raketenstart, der die Kreisstadt im Maintal verwüstet. Denn dieses Szenario, das der Frankenkrimi-Autor Helmut Vorndran schon heraufbeschworen hat, könnte Wirklichkeit werden, so wie der Tornado, den er auch schon über Bamberg hinwegziehen gesehen hatte, was nun tatsächlich eintraf. "Vielleicht habe ich eine gruselig-prophetische Gabe?", grübelte der Buchautor bei der Vorstellung seines neuesten Buches "Habakuk" am Freitagabend auf der Altensteiner Burgruine.

Einer seiner Kritiker aus Würzburg habe ihn jedenfalls nach den Schreckensbildern aus Bamberg angerufen und sich wegen früherer Mäkeleien entschuldigt.

Welches Menetekel beschwört denn sein neues Werk herauf? "Es ist voll gestopft mit wahren Begebenheiten, mehrere Parallelhandlungen, die ich zusammengebastelt und die ein oder andere Leiche hinzugefügt
habe", erzählte der Rattelsdorfer den Besuchern, aus denen eine Ermershausen-Fraktion hervorstach. "Ich hab' gar nicht gewusst, dass Ihr Eure Ortschaft schon verlassen dürft'", überzog sie Vorndran mit dem ihm eigenen Schmäh.

Aber das Publikum passte nicht nur auf, sondern auch dazu, denn: "Der Roman ist sehr Altlandkreis Ebern lastig", verriet Vorndran, der bei seinen Lesungen in die Rollen seiner Charaktere schlüpft und dabei stets aufs fränkische Idiom vertraut. "Ich kann nicht auf jeden Preußn Rücksicht nehmen."

Explosion in der Preppach

Und so las er von den Buben aus Reckendorf, die die beim Dynamit-Angeln in der Preppach eine Explosion auslösten, die die heran geeilten 17 Feuerwehren zunächst für einen Meteoriteneinschlag hielten .

Auch der Weihnachtsmarkt in Jesserndorf spielt eine Rolle, weswegen eine zweite Lesung am Tatort schon vereinbart wurde, wie Ulla Gräbe von der Leseinsel in Ebern als Veranstalterin vorausblickte.

Zur Geschichte: "Wo isn jetzt des Feu er", fragt der Eberner Feuerwehrkommandant, nachdem er den nagelneuen Löschzug in den Graben gesetzt hat und deshalb mit dem Bulldog samt Pumpwagen von 1926 am mittlerweile durch Regen und Schnee beruhigten Brandherd in Jesserndorf ankommt.

Dem Eberner Bürgermeister Jörg Hahnemann bleibt die Spucke weg. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Vorkommnissen und Personen sind purer Zufall, steht vorn drin im neuen Buch. Die Geschichten, die der Helmut Vorndran bei dieser Premiere vorliest, sind aber alles "wahre G'schichtn", des glaubt mir nur immer kaner". Grinst er.

Der frühere TBC-Kabarettist und nach fünf erfolgreichen, skurrilen "Franken Krimis" aus unserer Gechend zu weiterem schriftstellerischen Erfolg verdammt, zelebrierte genüsslich die detaillierte Beschreibung menschlicher und allzumenschlicher Situationen: Wie Lagerfeld, der Jungsheriff der Bamberger Polizeidienststelle mit dünner werdendem blonden Pferdeschwanz mit einer jungen Frau konfrontiert wird, "die doch an Batscher" hat.

Wie bei nächster Gelegenheit dann auch der Huppendorfer nicht erfährt, was die eichentlich will. Wie der alltagstechnisch völlig derangierte Dienststellenleiter Robert Suckfüll einmal das von Bürofee Honeypenny okkupierte Klo besetzte und bei unpassender Gelegenheit eine Salve seiner sprachlichen Rohrkrepierer los lässt. Wie das ewige Dienststellen-Ferkel Riemenschneider niesend ferkelt. Wie der Lagerfeld ziemlich chaotisch und im Kaiserschnitt-OP rauchend Papa wird. Wie der Lagerfeld - der steht nämlich diesmal stärker im Mittelpunkt - auf dem Jesserndorfer Weihnachtsmarkt wegen ichweißnichtwas ermittelt und dabei als Penner eingestuft wird.

Jede Szene, jedes Geschichtla minutiös beobachtet und süffisant beschrieben, immer auf der Suche nach dem speziell in den Haßbergen, in Bamberg, halt hier in der Gechend gültigen Fränkischen.
auf dem Buchdeckel steht, dass es sich um einen "hochexplosiven Kriminalfall" handelt, der "inmitten von Feu er und Trümmern im vorweihnachtlichen Grauen endet." Die Eberner Feuerwehr - Ihr könnt's Euch dengn - is übrigens im Graben gelandet wechn einem Auto mit Haßfurter Nummernschild. Auf die Autofahrer von dort hat der Vorndran halt sein besonderen Brass.
Helmut Vorndran: Habakuk. Frankenkrimi. Emons Verlag, 309 Seiten, 10,90 Euro.