Es ist eng auf der Mainbrücke der Autobahn 70. Seit vergangener Woche müssen sich Autofahrer auf der Eltmanner Überführung in Richtung Schweinfurt mit zwei Spuren begnügen. Die 27 Jahre alte Brückenseite wird für vier Millionen Euro umfassend saniert. Voraussichtlich ab Anfang Oktober ist das 1055 Meter lange Bauwerk wieder voll befahrbar.

Salz ist ein Feind der Brücken

"Alle 20 bis 30 Jahre muss eine Brücke grunderneuert werden", sagt Hubert Wehner, Sachbereichsleiter Brücken der Autobahndirektion Nordbayern, Dienststelle Würzburg. Der 50- jährige Ingenieur leitet die Instandsetzungsarbeiten und begutachtet regelmäßig die Baustelle. Dabei sieht er abgeplatzten Beton, lange Rostflecken an der Unterseite der Brücke und durch Korrosion fast pulverisierte Metallteile, die entlang der abgetragenen Fahrbahn liegen.


Der deutliche Verschleiß der Brücke geht vor allem auf das Streuen im Winter zurück. "Salz ist der größte Feind der Brücken. Wenn nicht gestreut würde, könnten sie doppelt so lange halten", sagt der Experte Wehner. In Verbindung mit Regen und Tauwasser dringt das Streusalz in die kleinsten Öffnungen am Brückenkörper ein und greift den Stahlverbund im Inneren an. Das Ausmaß der Korrosion ist am besten vom Boden aus zu sehen: An der Unterseite der Brücke ist an mehreren Stellen meterweit der Beton abgeplatzt und liegt Stahl frei. Wenn darin enthaltene Metalle rosten, dehnen sie sich aus und lassen den Beton abplatzen.

Die Arbeiten im Detail

Rund vier Millionen Euro investiert der Bund in die Sanierung. Der größte Kostenpunkt ist die Erneuerung der Fahrbahn: Der alte Asphalt wird von Baggern abgekratzt, danach die Abdichtungsschicht unter dem Asphalt entfernt. Beides wird über die gesamte Strecke neu aufgetragen. Auch die so genannten Kappen links und rechts der Fahrbahn werden erneuert. Auf den Kappen (Erhöhungen, innerorts oft Gehwege) sind die Schutzplanken und Brückengeländer befestigt, die auch neu gemacht werden.

Zusätzlich wird die Übergangskonstruktion, die Verbindung zwischen der Brücke und der Autobahn, an beiden Seiten der Brücke ausgetauscht. Die Übergänge gleichen Verformungen im Überbau der Brücke aus, die durch Temperaturwechsel und die Belastung durch den Schwerlastverkehr entstehen können. "Die Übergangskonstruktionen sind die Achillesversen einer jeden Brücke", sagt Ingenieur Hubert Wehner. Sie sind die Teile einer Brücke, die am stärksten beansprucht werden und müssen deshalb ständig auf ihre Funktionalität getestet werden.

25.000 Autos pro Tag

Komplett überprüft werden die Mainbrücken bei Eltmann übrigens alle drei (einfache Prüfung) und sechs (große Prüfung) Jahre. Mit Hämmern klopfen Experten bekannte Schwachstellen der Brücken ab und suchen nach Hohlräumen, die von außen verborgen bleiben. "Der beste Indikator ist aber das Auge", sagt Wehner und deutet auf die Rostspuren und Abplatzungen an der Brücke. Generalsanierungen wie die jetzige sind alle 20 bis 30 Jahre fällig. Die Brückenseite, die jetzt nicht saniert wird, ist erst vor acht Jahren gebaut worden und damit noch recht neu.

In beide Richtungen überqueren am Tag 25.000 Autos die Mainbrücken. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zu größeren Autobahnen wie der A3 (90.000 Autos am Tag) eher wenig. Dem geringen Fahrzeugaufkommen ist zu verdanken, dass der Verkehr trotz der halbseitigen Brückensperrung bei Eltmann noch nicht ins Stocken kam. Die zwei Fahrbahnen reichen laut Wehner wahrscheinlich aus, um bis Oktober den Verkehrsfluss zu sichern.