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Lockerungen sollen Wirtschaft wiederbeleben: So bereiten sich Händler aus dem Kreis Haßberge vor

Die Ausgangsbeschränkungen wurden zwar bis zum 4. Mai verlängert, doch die lokale Wirtschaft schöpft dank der geplanten Wiedereröffnungen Hoffnung. In der Zwischenzeit hatten sich die Händler im Kreis Haßberge aufgrund der Corona-Krise moderne Notlösungen ausgedacht.
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Trüber Blick durchs Untere Tor: In Haßfurts Innenstadt ist zurzeit wenig los. Das könnte sich ändern, wenn einzelne Geschäfte ab dem 27. April wieder öffnen dürfen. Foto: René Ruprecht
Trüber Blick durchs Untere Tor: In Haßfurts Innenstadt ist zurzeit wenig los. Das könnte sich ändern, wenn einzelne Geschäfte ab dem 27. April wieder öffnen dürfen. Foto: René Ruprecht

Es ist ein zaghafter Schritt in Richtung Normalität. "Wir bekommen das Virus langsam unter Kontrolle", beteuerte Ministerpräsident Markus Söder in der Corona-Pressekonferenz am 16. April. Doch anstelle einer unkontrollierten Exitstrategie gilt Umsicht, wenn ab dem 20. April einzelne Geschäfte wieder öffnen dürfen. Die Händler im Kreis Haßberge sehen den Lockerungen mit gemischten Gefühlen entgegen.

Michael Minnich, Inhaber zweier Schuhhäuser in Zeil und Bamberg, bewertet die gegenwärtige Unsicherheit für die Einzelhändler als unschön. "Wir sind vorbereitet," erklärt der Zeiler. "Wir haben Mundschutz, Desinfektionsmittel für die Hände, Kassenschutz- und Abstandsschilder." Dass es langsam losgehe, erwarte er schon, und das sei auch "dringend notwendig, dass wir uns präsentieren, gerade wenn die Mitbewerber im Internet schon zu 20 Prozent reduzieren". Es komme darauf an, die Mitarbeiter zu halten. "Jeden Tag ein paar Schuhe ausliefern, das ist kein Umsatz."

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Große Posten seien Personalkosten, Wareneinkauf und Miete. Wobei Minnich froh sei, in seinem Bamberger Vermieter und Vorbesitzer des Schuhhauses Limberg einen verständigen Partner zu haben, der die Miete bislang gestundet hat. Das und die Resonanz der kleinen Kundschaft ist es, was ihn in diesen Tagen so freue. So bekam er nach der Auslieferung von Kinderschuhen von seinem kleinen Kunden ein WhatsApp-Video mit der Botschaft: "Lieber Michael, danke, dass du mir Schuhe gebracht hast." "Das hält einen aufrecht", freut sich der Zeiler.

Schuhhändler stehen in den Startlöchern

Sonja Repp, Besitzerin des Schuhfachgeschäfts "Tragbar by Sonja" in Ebelsbach, kann es kaum erwarten, dass ihr Laden wieder öffnet. Denn die Nachfrage ist da: "Teilweise haben mir die Kunden schon um sechs Uhr morgens eine Nachricht geschrieben", berichtet die 39-Jährige. Wie ihr Kollege Minnich hat die Schuhhändlerin versucht, den fehlenden Umsatz durch Schuhlieferungen wett zu machen. "Ein riesiger Zeitaufwand", seufzt die Mutter, die derzeit auch ihren Sohn zuhause betreut.

Seit der Schließung ihres Ladens am 18. März hat Repp ihre Kunden über WhatsApp beraten. "Ich habe Fotos gemacht und die Ware beschrieben. Dann habe ich den Kunden auf Wunsch die Ware bis an die Haustür gebracht. Probieren mussten sie die Schuhe dann selber, ich durfte ja nicht rein."

Fünf bis sechs Paar konnte sie so pro Tag maximal verkaufen. "Das ist nicht einmal ein Viertel meines Ladenumsatzes", relativiert sie. "Jetzt ist die Hauptsaison, mir sitzt die Zeit im Nacken." Denn auch das Geld aus der Corona-Soforthilfe ist noch nicht da. Repp hofft, dass sie es irgendwie schafft, ihren Laden unbeschadet durch die Krise zu führen. "Ich liebe meinen Laden, ich habe so viel investiert. Im August würde ich mein Neunjähriges feiern."

Buchhändler treffen Vorbereitungen

Ursula Gräbe fährt gerade Geburtstagsgeschenke aus. Die Inhaberin der "Leseinsel" hat zwar vormittags einen Karton mit Buchbestellungen und Rechnungen zur Abholung vor dem Geschäft stehen, doch bei Kunden, die nicht persönlich nach Ebern kommen können, schaut sie selbst vorbei. Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern dürfen ab dem 27. April wieder öffnen. Ausgenommen von diesen Flächenbegrenzungen sind Kfz-, Fahrrad- und Buchhändler. Bis Gräbes Laden in eineinhalb Wochen wieder öffnen kann, muss noch ein Spuckschutz zur Sicherheit an der Kasse angebracht werden. Für ihre Mitarbeiter hat sie bereits Mundschutze parat.

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Lediglich der verordnete Mindestabstand sei nicht so leicht umzusetzen: "Die Abstandsregelung ist im Buchhandel nicht einfach. Mehr als zwei bis drei Kunden können wir dann nicht gleichzeitig in den Laden lassen." In den vergangenen Wochen seien etwas weniger Bücher als sonst verkauft worden, doch ihre Kunden hätten sie sehr unterstützt. Über Facebook hatte die "Leseinsel" zudem regelmäßig Buchtipps gepostet. Die Lieferungen kommen weiterhin pünktlich an, die Bestellungen arbeite die Chefin im Homeoffice ab. "Es läuft", fasst Gräbe zusammen. Der Wiedereröffnung fiebere sie trotzdem schon entgegen.

Kundenansturm bei Friseuren

Friseure und Fußpfleger dürfen ab dem 4. Mai wieder öffnen, allerdings nur mit strengen Hygienemaßnahmen, Masken- und Abstandsgebot. Schon vor den Ausgangsbeschränkungen, als der Katastrophenfall ausgerufen wurde, waren viele Salonbesitzer wütend, dass die Regierung keine Schließung anordnete. Schließlich war der Kundenkontakt eng und die Einhaltung von 1,5 Metern Abstand beim Frisieren unmöglich. Die Lage war hart, viele Kunden sagten ihre Termine ab. Doch für viele Bürger ist ein Friseurbesuch mittlerweile überfällig. Das Blatt hat sich trotz des Ansteckungsrisikos gewendet, wie Bianca Lange vom gleichnamigen Salon in Haßfurt berichtet: "Wir sind nur am Telefonieren." Der Kundenansturm sei so groß, dass mit Überstunden zu rechnen ist. Zudem hat Lange eine 450-Euro-Kraft eingestellt. "Ich komme auch montags als Chefin rein", sagt sie.

Mit Desinfektionsmittel sei der Salon schon immer gut ausgerüstet. Neu hingegeben sind die Handschuhe und Atemmasken beim Schneiden und Frisieren. Das mag zwar ungewohnt sein, aber man halte sich an die Vorschriften. "Eine Näherin hat schon zugesagt, uns Mundschutze aus Baumwolle zu nähen, die dann wiederverwendbar sind." Auch zwischen den Kunden wird jeweils ein Stuhl frei gehalten. Die Angst vor einer Ansteckung sei bei Lange gesunken. "Ich war echt sauer", sagt sie rückblickend. "Aber es war so eine Erleichterung, als Söder sagte, dass wir wieder arbeiten dürfen." Dabei gehe es ihr und ihren Mitarbeitern in erster Linie nicht um Profit: "Wir stehen mit Leib und Seele hinter dem Job. Wir freuen uns einfach, die Kunden wieder sehen zu können, sie glücklich zu machen und miteinander reden zu können", so Lange.

Höchste Zeit für Gärtnereien

Pünktlich zum schönen Wetter dürfen ab dem 20. April auch Gartencenter, Blumenläden und Baumärkte wieder ihre Türen öffnen. "Höchste Zeit", findet Helga Nusser von der Gärtnerei Nusser in Eltmann, denn das fehlende Ostergeschäft habe Schaden angerichtet. "Die Supermärkte haben den Absatz für Blumensträuße eingesteckt und die Fachgeschäfte sind leer ausgegangen." Mit einem Lieferservice hielt sich die Gärtnerei über Wasser. Per Telefon gingen die Bestellungen ein und dabei hat Helga Nusser eines festgestellt: "Der Drang zur Selbstversorgung ist definitiv gestiegen. Gerade die Nachfrage nach Tomatenpflanzen und anderen Nutzgewächsen ist groß. Diese Krise hat anscheinende viele dazu veranlasst, wieder verstärkt Gemüse anzubauen."

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Jetzt kommt die Sommerware in die Läden und auch die Gärtnerei Zösch aus Sand ist gespannt: "Wir wissen nicht, wie groß der Ansturm sein wird, aber wir rechnen mit viel Zulauf." In den Gärtnereien könne man die Sicherheitsvorkehrungen gut einhalten, meint Nusser: "Wir haben genügend Verkaufsfläche und falls der Andrang zu groß wird, müssen halt welche warten." Aber ganz freuen kann sie sich nicht: "Die Planung für den Einkauf ist schwierig, es kann ja sein, dass sich die Lage wieder verschlimmert und sie die Geschäfte schließen. Dann hätten wir überschüssige Ware. Das Risiko ist nach wie vor da."

Von Teresa Hirschberg, Jutta Rudel, Brigitte Krause, Katja Müller und Julia Scholl