Es war das Jahr 1786. Etwa um den 30. November. An jenem Tag erklärte Peter Leopold, später auch Leopold II. genannt und römisch-deutscher Kaiser, die Todesstrafe und Folter in seinem Großherzogtum Toskana für abgeschafft. Weit und breit war diese Erklärung zu jener Zeit einzigartig.
Heute haben mehr als die Hälfte aller Länder auf der Erde die Todesstrafe abgeschafft. Und diese Erklärungen werden immer wieder ausgesprochen: Bis zum 29. November 2009 haben 95 Staaten und Territorien die Todesstrafe vollständig verbannt. 58 Staaten haben sie noch im Gesetzesbuch stehen. 25 davon haben sie in den letzten Jahren angewandt, fünf davon tun dies jedes Jahr.

Internationaler Aktionstag

Wider dieser Gräuel ruft die Laienbewegung "Gemeinschaft "Sant' Egidio" mit der Kampagne "Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe" zu einem internationalen
Aktionstag auf. Weltweit wurden gestern Gebäude in verschiedenen Städten mit Licht angestrahlt, um auf den Welttag und die Unmenschlichkeit der Todesstrafe aufmerksam zu machen.
"Mit vielen kleinen Schritten die Welt menschlicher zu machen", ist einer der Gedanken der Gemeinschaft "Sant'Egidio", die vor allem in Würzburg sehr engagiert ist. Die Gemeinschaft "Sant' Egidio" entstand im Jahr 1968 in Rom in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Heute ist sie eine Laienbewegung, zu der mehr als 60000 Personen gehören. Sie setzt sich in Italien und in mehr als 70 Ländern der Welt für die Weitergabe des Evangeliums und im Dienst an den Armen ein.
"Sant' Egidio" ist ein "Öffentlicher Verein von Gläubigen" in der Kirche. Die verschiedenen Gemeinschaften auf der ganzen Welt sind durch dieselbe Spiritualität und die Grundlagen miteinander verbunden, die den Weg von Sant" Egidio kennzeichnen: das Gebet, die Weitergabe des Evangeliums, die Freundschaft mit den Armen, die Ökumene und der Dialog als Weg des Friedens und der Zusammenarbeit.

Berühmte Mitstreiter

Der Hauptausschuss des Eberner Stadtrates hat beschlossen, dass sich die Stadt an diesem Aktionstag beteiligt.
In Rom wurde das Kolosseum, in Brüssel das Atomium, in Berlin der Rathausturm, in Würzburg die Festung, in Nürnberg die Straße der Menschenrechte und in Ebern das ehemalige Gesundheitsamt und Gefängnis sowie der Diebsturm angeleuchtet. "Wir stellen uns damit in eine Reihe mit berühmten Bauwerken der Welt", erklärte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SDP). Weit über 1500 Städte weltweit, darunter mehr als 60 Hauptstädte, schlossen sich dieser Aktion an.

Bereits am Donnerstagabend knipsten der Dozent Michael Müller und seine Studenten von der Hochschule Coburg die Lichter rund um den Diebsturm an. "Mit dieser Aktion wollen wir der Bevölkerung an einem Beispiel zeigen, wie eine zukünftige Gebäudebeleuchtung in Ebern aussehen könnte", sagte Stadtoberhaupt Hennemann. Die sonstige Straßenbeleuchtung rund um das Lichtspektakel war dazu ausgeschaltet worden.

Erfahrer Lichtkünstler

Denn: Müller ist nicht irgendeine "Leuchtkraft". Er hat bereits in vielen Städten in Oberfranken und darüber hinaus Gebäude mit Licht in Szene gesetzt. "Aus der Zusammenarbeit und der ersten Darstellung kann sich ein Beleuchtungskonzept für die Altstadt, den Marktplatz, unsere Türme und die Stadtmauer entwickeln", informiert Jürgen Hennemann, "dies wäre schön und wünschenswert."

Michael Müller bietet dabei nicht nur die Leuchtquellen, sondern erstellt auch ein komplettes Beleuchtungskonzept. Die historischen Besonderheiten der Stadt könnten so wieder in Szene gesetzt werden und Attraktivität für die ganze Stadt bringen.

In Fotos dokumentiert

Vom Foto-Creativ-Kreis Ebern wurde die Lichtaktion der vergangenen Tage rund um den Diebsturm in Bildern dokumentiert. "Nicht nur, weil das schöne Motive für die Kamera sind, sondern auch, damit wir später noch wissen, welche verschiedenen Darstellungsformen das Licht zauberte", sagte Hennemann. Seine Pläne wollen Zukunft haben.
Wie bereits in vielen anderen Städten in Oberfranken, könnte er sich ein Event à la "Ebern leuchtet" vorstellen. "An einem Wochenende eine Veranstaltung mit illuminierten Gebäuden in der Altstadt", so Hennemann. Dabei könnte eine mögliche dauerhafte Beleuchtung aufgezeigt und weitere Lichtattraktionen könnten dargestellt werden. "Hier werden wir Gespräche mit den Gastronomen und Vereinen zur Bewirtung der Gäste führen", ergänzt Hennemann.
Um die Finanzierung muss sich die Stadt Ebern übrigens keine Sorgen machen: "Sowohl für diese Aktion, als auch für mögliche weitere Lichtveranstaltungen konnten wir die Sparkasse Ostunterfranken als Partner gewinnen."