Natürlich hatte es der Abschlussjahrgang 2020 in den Schulen nicht immer leicht, wenn man auf Bewerbungen aufgrund der Corona-Krise zuweilen keine Antwort bekam, Betriebe auf Sparflamme liefen und eine allgemeine Unsicherheit dafür sorgte, dass weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden.

Aus Sicht der Bewerber auf dem Arbeitsmarkt entwickelte sich die Situation allerdings nicht so dramatisch, wie zwischenzeitlich befürchtet wurde. Zwar ist die Zahl der Ausbildungsplätze, die Unternehmen den Arbeitsagenturen gemeldet haben, bis zum Juli um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. In den vergangenen beiden Monaten hat aber ein Aufholprozess stattgefunden.

Wie Tamara Müller vom Rohrwerke-Hersteller "Fränkische" in Königsberg betonte, würde dies auf die Ausbildungsverträge mit Beginn im September 2020 nicht zutreffen, "weil das Auswahlverfahren dafür schon weit vor dem Auftreten der Pandemie durchgeführt wurde". Das Unternehmen schreibe jetzt schon Stellen für September 2021 aus. Hinsichtlich des Gruppenauswahlverfahrens müsse man sich hier andere Lösungen überlegen.

Kreis Haßberge: Günstige Ausgangssituation

Wie die Bundesagentur für Arbeit in Schweinfurt in ihrem Arbeitsbericht für Juli herausstellte, sei die Situation für Jugendliche, die aktuell immer noch auf der Suche nach einer Lehrstelle zum Ausbildungsbeginn im Herbst sind, weiterhin sehr günstig. "Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist auch in dieser Krisenzeit erfreulicherweise sehr hoch.

Offensichtlich haben die Arbeitgeber erkannt, dass für die Fachkräfte von morgen auch in die Ausbildung investiert werden muss. Dies gilt auch in finanziell unsicheren Zeiten", meint Thomas Stelzer, Leiter der Arbeitsagentur Schweinfurt. Der Endspurt auf dem Ausbildungsmarkt erfolge aber im August, weswegen jetzt noch einiges in Bewegung sei, bevor man neue Zahlen präsentieren könne.

Die Zahlen aus dem Monat Juli zeigten im Agenturbezirk Schweinfurt 650 unversorgte Bewerber bei 1390 unbesetzten Ausbildungsstellen. Im Kreis Haßberge waren im Juli noch 90 Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Im Gegenzug standen den Jugendlichen aber dafür noch 177 Ausbildungsplätze zur Auswahl. Für jeden bisher unversorgten Bewerber bedeute dies, dass er rein rechnerisch zwischen fast zwei Stellen wählen kann.

Auch bis zum 1. September würden nicht alle Ausbildungsstellen besetzt werden und nicht alle Bewerber einen Betrieb gefunden haben. Deswegen sei in diesem Jahr nach Aussage der Arbeitsagentur der Ausbildungsstart in Einzelfällen auch noch bis zum Jahresende möglich. Wichtig sei aber, dass die Corona-Krise den Ausbildungsmarkt nicht beeinflusst.

Weiterhin Angebote machen

Deswegen werden die Mitarbeiter der Berufsberatung und des gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur sowie der Jobcenter in den kommenden Wochen unversorgten Bewerbern Angebote unterbreiten und Arbeitgebern Auszubildende vermitteln. Freie Ausbildungsplätze gebe es vor allem in kaufmännischen Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus sowie Rohstoffgewinnung und Fertigung. Günstig stehe es auch für Bewerber in den Branchen Bau, Architektur, Vermessung sowie Gebäudetechnik.

Arbeitsagentur unterstützt die Betriebe

Die Arbeitsagentur unterstütze außerdem die regionalen Ausbildungsbetriebe durch Förderprogramme wie "ausbildungsbegleitende Hilfen" und "assistierte Ausbildung". Ebenso ziele das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" darauf ab, kleinere und mittlere Unternehmen mit Zuschüssen zu unterstützen.

Elektromeister und Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner aus Eltmann vertritt ebenfalls die Meinung, dass sich über den August hinaus noch einiges im Handwerk tue. Sicherlich sei das ein oder andere der Corona-Krise geschuldet und bei manchen Bewerbern fehlen noch ihre Erstuntersuchungen vom Hausarzt, die für die Verträge notwendig seien.

Solche Verzögerungen gelte es jetzt, in die Statistik einzupflegen. "Wir hatten im Jahr 2018 in unserem Bereich 196 Lehrverträge und sind jetzt bei 189 Ausbildungsangeboten. Das zeigt, dass die Tendenz der Ausbildungsstellen etwas nach unten geht. Auf der anderen Seite fehlen uns noch 30 Lehrverträge."

Freie Ausbildungsstellen gebe es vor allem noch für den Lebensmittelbereich bei Metzgern, Bäckern bis hin zu Verkäufern. "Im Aufwind ist derzeit wieder der Schreinerberuf, während Kraftfahrzeugmechatroniker und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik weiterhin bei der männlichen Jugend die Top Ten der Ausbildungsberufe anführen." Elektromeister Häfner hat in seinem Betrieb selbst sieben Auszubildende und auch für das neue Ausbildungsjahr wieder zwei neue Lehrlinge eingestellt.

Berufliches Sprungbrett

Die "Fränkische" lege seit vielen Jahren einen besonderen Schwerpunkt auf die Ausbildung. Jedes Jahr starten rund 30 Jugendliche und Erwachsene ihre Ausbildung oder ihr duales Studium im technischen oder kaufmännischen Bereich. Ihre Ausbildung sei für sie oft auch ein Sprungbrett oder der Beginn einer jahrzehntelangen Berufslaufbahn im Unternehmen.

Wie das Unternehmen mitteilt, läuft derzeit bereits die Bewerbungsphase für eine Ausbildung oder ein duales Studium für das Jahr 2021. In der aktuellen Situation der Corona-Krise stellt der Ausfall von Ausbildungsmessen und Berufswahlseminaren den Betrieb vor die Herausforderung, die Bewerber auf andere Weise über die Ausbildung zu informieren - beispielsweise online.

Ausbildung bei Coca-Cola in Knetzgau

Das Coca-Cola-Werk in Knetzgau bilde nach Bedarf aus und übernehme seine Lehrlinge mindestens ein Jahr nach ihrer Ausbildung. Die Hälfte der besten Auszubildenden erhalte einen festen Anstellungsvertrag, erklärt Pressesprecherin Christina Witt. "Durch Corona haben wir ein herausforderndes Jahr. Trotzdem bilden wir auch zukünftig weiter aus und bieten schon jetzt unsere Ausbildungsplätze für 2021 an", sagt Jens Bielmann, Senior P&C Consultant.

Mehrere Jahre in Folge habe das Knetzgauer Werk die bayernbeste Lebensmittelfachkraft des Jahrgangs in Mainfranken und Bayern hervorgebracht, unter anderem 2019, als Elisabeth Alberti aus Schweinfurt den Preis gewann. Alberti arbeitet mittlerweile als Linienführerin im Unternehmen und hat ihre Meisterausbildung begonnen. Bereits das zweite Jahr in Folge schreibt Coca-Cola alle Ausbildungsstellen und dualen Studiengänge auch in Teilzeit aus.

"Wir haben uns zum Ziel gesetzt, eine Unternehmenskultur zu fördern, die auf Vielfalt und Inklusion setzt. Mit unserem Teilzeit-Angebot laden wir junge Mütter und Väter sowie Menschen mit besonderen Herausforderungen ein, sich auf unsere Ausbildungsstellen zu bewerben. Sie bringen oft ein besonders hohes Maß an Selbständigkeit mit, das uns sehr bereichert", sagt Annette Pampel, Verantwortliche für Diversität und Inklusion.