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Eltmann
Abschluss

Korbmacher als Berufswunsch: Die Absolventen der Wallburg Realschule in Eltmann beginnen einen neuen Lebensabschnitt.

Die Eltmanner Realschule entließ ihre Absolventen. Unter ihnen streben viele eine handwerkliche Laufbahn an – in einem Fall sogar in einem außergewöhnlichen Beruf. Bei den Jahresbesten herrscht indes akute Verwechslungsgefahr.
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Valentin Rippstein mit einem frischgeflochtenen Korb.  Fotos: Günther Geiling
Valentin Rippstein mit einem frischgeflochtenen Korb. Fotos: Günther Geiling
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Zunehmend mehr Absolventen der Eltmanner Realschule entscheiden sich für Handwerksberufe. Die Lehre von Valentin Rippstein aus Sand, die er nach seinem Abschluss in Eltmann beginnt, sticht dabei besonders heraus. Er entschied sich für den ungewöhnlichen Ausbildungsberuf des "Korbflechtgestalters". Für ihn ist damit die Schulzeit nicht zu Ende, denn er wechselt in Vollzeitunterricht auf die Staatliche Berufsfachschule für Korbflechtgestaltung in Lichtenfels. Sie ist die einzige Fachschule dieser Art in Deutschland.

Wie der Vater so der Sohn

Das alte Korbmacherhandwerk wurde ihm bereits in die Wiege gelegt – der Vater hat sie sprichwörtlich selbst geflochten. Dies bestätigt auch Mama Katja mit ihren Worten "schon mit den Windeln in der Hose und erst recht im Alter von zwei bis drei Jahren kam der Kleine immer wieder an den Arbeitsplatz seines Vaters, schaute ihm zu und wollte natürlich auch mit den Weiden flechten." Vater Rippstein ist nämlich der einzige noch aktive hauptamtliche Korbmachermeister aus der Korbmachergemeinde Sand.

Die Entscheidung des Sohnes, die Familientradition im elterlichen Betrieb fortsetzen zu wollen, erfüllt beide Eltern mit Stolz. "Wir zwingen ihm keinesfalls etwas auf, denn er soll ein selbstbestimmtes Leben führen. Aber wir freuen uns riesig über die Entscheidung unseres Sohnes und wenn dieses Handwerk in unserer Familie fortgeführt wird."

Dem 16-jährigen spürt man die Begeisterung beim Gang durch die Werkstatt direkt an und er erinnert sich gerne an seine Kindheit. "Ich bin schon immer gerne in der Werkstatt gewesen und mit fünf bis sechs Jahren habe ich schon die ersten Dinge und kleinen Körbe geflochten und die dann auch an Gäste verkauft. Das hat mir riesigen Spaß gemacht, wenn ich damit Erfolg hatte."

Er hat sich die Berufswahl anscheinend gut überlegt und dabei mit einem Praktikum auch einmal in die Metallindustrie hineingeschnuppert. "Meist muss man hier jeden Tag das Gleiche tun und es war längst nicht so abwechslungsreich wie in der Werkstatt zu Hause." Natürlich hat es auch dort ein Praktikum gemacht. Das hat seine Berufswahl anscheinend gefestigt. "Es ist einfach die Vielfalt, die in diesem Beruf liegt und dass man ganz unterschiedliche Sachen machen kann. Beim Korbflechten schaffst du ein eigenes Stück und hast am Schluss ein Ergebnis, bei dem du alles zu 100 Prozent selbst gemacht hast. Das ist eine schöne Befriedigung. Keine Maschine hat bisher einen solchen Korb gemacht."

Absolventenfeier in Eltmann

Gemeinsam mit 83 anderen Absolventen hatte der angehenden Korbflechter kürzlich seine Abschlussfeier. Die war nicht nur wegen der Corona-Auflagen ungewöhnlich: Es gab gleich zwei Schulbeste – und die sahen sich zum verwechseln ähnlich. Die Vieretherinnen Franziska und Katharina Hohner hatten beide einen Notendurchschnitt von 1,33. Die eineiigen Zwillingen erreichten zudem im Fach Mathematik die Bestnote.

Ihr Klassenlehrer Georg Pflaum hob hervor, dass er eine solche Situation in seinen 27 Jahren als Lehrer nur einmal erlebt habe. Da nur eine Person mit dem Preis gekürt werden konnte, habe man die Punktzahl der beiden Vierteherinnen hernehmen müssen. Dabei habe Franziska die volle Punktzahl erreicht – Schwester Katharina konnte aufgrund eines kleinen Fehlers nicht gleichziehen. "Der Preis bleibt damit immer in der Familie und ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg. Ihr habt ein riesiges Leistungspotenzial," freute sich Pflaum.

Und wie sieht es bei den beiden mit der Berufswahl aus? Sie haben sich in verschiedenen Bereichen umgesehen. Letztlich entschieden sie sich dann für eine Ausbildung zur Verwaltungsangestellten in einer Behörde. Dabei war ihnen das Glück hold: Sie beginnen ihre Ausbildung zum 1. September im Landratsamt Bamberg. Ihre gemeinsamen Hobbies Klettern, Bouldern und Fahrradfahren werden dann Abwechslung zum Ausbildungsalltag bringen.

Schwieriges Schuljahr

"Sowohl eure Eltern als auch ihr habt euch große Sorgen gemacht, wie es mit der Schule und eurer Abschlussprüfung in diesem Schuljahr werden wird. Ihr wurdet aber bestens von euren Lehrern unterstützt und auf die Prüfungen vorbereitet, was sich auch in den sehr guten Noten der Abschlussprüfung 2020 bemerkbar machte." Dies betonte Direktorin Manuela Küfner während der Abschlussfeier der Wallburg-Realschule Eltmann.

Die Feier konnte diesmal aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt stattfinden, sondern ging in einem ungewöhnlichen Format über die Bühne: Die Schüler hatten im Klassenverband ihre Feier und erhielten dabei ihre Zeugnisse.

"Dies ist ein ganz besonderes Schuljahr, wie ich es in meiner ganzen Schulzeit noch nicht erlebt habe" betonte Küfner im Rückblick. So mussten zwei der vier Abschlussklassen für fast sieben Wochen zuhause bleiben, während die anderen zwei zehnten Klassen sechs Wochen daheim blieben. Dabei hätten Lehrer und Schüler immer das gemeinsame Ziel im Auge gehabt und auch schwierige Situationen wie das Homeschooling mit Einfühlungsvermögen und Weitblick gemeistert.

Nun stehen die nächsten Schritte an. Meist gehe es in ein Ausbildungsverhältnis. Wie Küfner von der Arbeitsagentur erfahren habe, sei der Ausbildungsmarkt der Jugendlichen vom Lockdown nicht betroffen. Ausbildungszusagen und Ausbildungsangebote seien nicht storniert worden und auf jeden Bewerber seien 1,5 Stellen gekommen. Aber auch der Besuch einer weiterführenden Schule werde oftmals wahrgenommen: 35 Prozent der Absolventen hätten dies vor – das sei außerordentlich viel. Sie würden die Erfahrung machen, dass sie für diese Schularten bestens vorbereitet sind, betont die Rektorin.

Schulbeste: Franziska Hohner (Viereth, Notendurchschnitt 1,33); Katharina Hohner (Viereth, 1,33) Klassenbeste: Luna Vogt (Zeil, 1,38); Benjamin Büttner (Eltmann, 1,45); Annika Berninger, (Stettfeld, 1,50); Julia Plontasch (Oberaurach, 1,50) Beste der einzelnen Fächer: Mathematik: Franziska Hohner (Vierteh); Wirtschaft: Franziska Hohner (Viereth); Kunst: Gabriel Kirchner (Kirchlauter); Englisch: Nils Luderer (Bischberg); Deutsch: Lina Wiegärtner (Viereth); Französisch: Leonit Mehmeti (Ebelsbach); Physik: Julian Ruß (Sand), Jonas Weinhold (Zeil).