Im Saal des Haßfurter Amtsgerichts erlebt man es immer wieder: Ein Angeklagter muss sich wegen einer Lappalie verantworten. Aber weil er unter laufender Bewährung steht, kommt es zu einer drakonischen Strafe. Diesmal traf es einen 21-jährigen Mann, der in einem Haßfurter Supermarkt eine Flasche Whiskey geklaut hatte. Die Strafe: Der Arbeitslose muss für einen Monat und zwei Wochen in den Knast.

Staatsanwalt Ralf Hofmann verlas in seiner Anklageschrift die Einzelheiten. Demnach geschah der Diebstahl am 10. November letzten Jahres nachmittags kurz nach 14 Uhr in dem Getränkemarkt, der zu dem Discounter gehört. Der Filialleiter, der als Zeuge geladen war, schilderte den Tatablauf. Verdeckt stehend, hatte er damals gesehen, wie der junge Mann die Flasche aus einer dekorativen Geschenkbox nahm, in seinen schwarzen Rucksack steckte und dann - ohne zu bezahlen - den Getränkeshop verließ.

Daraufhin sprach ihn der Marktleiter an und bat ihn in sein Büro, wo er die Polizei verständigte. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der geklauten Flasche um eine besonders hochwertige Marke im Wert von 37,99 Euro. Wenn schon - denn schon, hatte sich der Dieb wohl gedacht. Wie in solchen Fällen üblich, erstattete der Geschäftsmann Anzeige.

Erheblich vorbelastet

Er habe damals gerade seinen Job verloren und sei depressiv drauf gewesen, antwortete der Beschuldigte auf die Frage der Strafrichterin Ilona Conver, warum er diese Dummheit gemacht habe. Spätestens als der Auszug aus dem Bundeszentralregister verlesen wurde, war klar, dass der Bursche einiges auf dem Kerbholz hat.

Bereits sechs Mal stand er vor dem Jugendrichter, unter anderem wegen Erpressung, Körperverletzung, Trunkenheit im Verkehr und Freiheitsberaubung. Im Herbst 2013 verhängte das Gericht eine neunmonatige Jugendstrafe gegen ihn, die er in der Jugendstrafanstalt in Ebrach absitzen musste.

Anfang Juni 2014 wurde er entlassen, aber offenbar hatte ihn die Gefängniszelle nicht geläutert. Denn bereits wenige Wochen später erwischte man ihn ohne Fahrschein im Zug und dann kam der Whiskey-Klau. In Bezug auf die enge zeitliche Abfolge dieser Straftaten sprach der Vertreter der Anklage von einer hohen Rückfallgeschwindigkeit. Da der Vertreter der Staatsanwaltschaft keine günstige Sozialprognose erkennen konnte, plädierte er auf eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten - allerdings ohne Bewährung.

Das Maß ist voll

In seinem letzten Wort nannte der Angeklagte den Knast eine "Zeitverschwendung". Er bat darum, lieber Arbeitsstunden leisten zu dürfen. Für Strafrichterin Ilona Conver aber war das Maß voll. Sie meinte abschließend: "Sie müssen kapieren, dass es so einfach nicht geht!"

Eine Woche hat der Verurteilte Zeit, um gegen den Richterspruch Einspruch einzulegen.