Einen Beruf hat er schon, den zweiten strebt er gerade an: Matthias Lehnert aus Brünn. Am Dienstag versuchte sich der Lkw-Mechaniker an einem dritten: Partnerschaftsvermittlung.

Lehnert war einer von drei Teilnehmern an der betrieblichen Abschlussprüfung für Landwirte, die im Betrieb von Willi Lutsch stattfand. Der 27-jährige Brünner strebt dabei als Seiteneinsteiger eine zweite Ausbildung als Landwirt an. Eine der Aufgaben, die der dabei bewältigen musste: Ein Jungrind beurteilen, dessen ausgeprägten Merkmale und Schwächen finden. Danach aus einem Katalog den besten Partner für dieses Rind finden.

Dazu nahm Lehnert genau Maß. Packte den Zollstock aus, nahm sich besonders des Beckens an. "Das ist wichtig für einen späteren Geburtsverlauf", erklärte Lehnert der Jurorin Renate Fromm vom Amt für Landwirtschaft und Forsten. "Modelle mit 90-60-90 gibt's für Herrn Lehnert keine", stellte die Bildungsberaterin aus der Schweinfurter Behörde fest.

Aufs Hinterteil geschaut

Tatsächlich: Das Jungrind mit der Nummer 05 260 im Ohr weist ganz andere Maße auf. Mitunter auch negative. "Das Hinterteil ist nicht so hoch, daher die Lebenserwartung geringer, weil sie nicht so gelenkig ist", befand der Prüfling und auch das Euter war im Vergleich zu anderen Tieren weniger gut ausgebildet. Besonders im Vergleich zu einer Nachbarkuh, die ständig Lehnerts Nähe suchte und ihn gar abschleckte.

Weniger Körperkontakt erforderte der zweite Teil von Lehnerts Prüfung im tierischen Bereich. Er musste eine Futterliste erstellen und die notwendigen Zutaten exakt berechnen. Dabei spielte die Taschenrechner eine wichtigere Aufgabe als die Mistgabel.

Sechs Aufgabe für drei Prüflinge

Sechs Aufgaben warteten auf die drei Prüflinge. Neben Matthias Lehnert stellten sich noch Silke Schwarz aus Ebern und Joachim Schmidt aus Obermerzbach der Herausforderung, nach zwei Jahren der Ausbildung in Abend- und Wochenendkursen und der nachgewiesenen Praxis im (eigenen) Betrieb diese (Gesellen-)Prüfung zu absolvieren.

Silke Schwarz (23) hat schon eine Ausbildung als Technikerin im Maschinenbau hinter sich, Joachim Schmidt (30) arbeitet als Kfz-Mechaniker.

Fünf Stunden lang im Streß

Von den vorbereiteten Aufgaben wurde für jeden Prüfling jeweils eine aus dem tierischen und pflanzlichen Bereich gelost. Zwei Mal zweieinhalb Stunden wurden Wissen und praktische Erfahrung abverlangt.

Kein einfaches Unterfangen, wie sich an den Mienen der Delinquenten ablesen ließ. Joachim Schmidt musste einen Getreidebestand überprüfen und zur Bekämpfung des Getreidehähnchens, einer Krankheit, die entsprechenden Mitteln auswählen und deren Dosierung berechnen, samt der Geschwindigkeit mit der im Traktor übers Feld fährt, um die Pflanzenschutzspritze optimal einzusetzen.

Silke Schwarz hingegen musste einen Maisbstand beurteilen und eine Drillmaschine auf die notwendigen Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen einstellen.

Nach dieser betrieblichen Prüfung folgt Anfang Juli noch der theoretische Teil. "Ein Durchfallen ist durchaus möglich , erläutert Martin Mack, der Ausbildungsberater für Unterfranken.

Er gesteht ein, dass auch der praktische Teil, wie im Betrieb Lutsch in Bischwind praktiziert, mehr Köpfchen als Muskelkraft erfordert. "Vor ein paar Jahren hat sich ein Vater, dessen Sohn durchgefallen war, beschwert, dass so viel Wissen abverlangt wurde. Aber es heißt ja auch betriebliche und nicht praktische Prüfung."