Mariam legt die Hosen ihres Mannes auf den Kassentisch. Die Sprachkenntnisse der Frau aus Syrien reichen aber noch nicht aus, um deutlich zu machen, dass sie die Kleidung nicht mit Bargeld bezahlen möchte. Sie kramt nach ihrer Aufenthaltsgestattung. Noch dazu zieht sie aus den Tiefen ihrer Handtasche einen gelben Zettel hervor.

Beim Anblick dieses Papieres weiß die Verkäuferin des Textilladens allerdings sofort Bescheid: Mariam ist Asylbewerberin und bezahlt Bekleidung und Schuhe mit Wertgutscheinen. Asylbewerbern und Flüchtlingen stehen Leistungen nach dem sogenannten Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) zu.

Heimisches auf dem Tisch

Seit 1. Februar dieses Jahres ist das Gesetz in einer novellierten Form in Kraft: Die Lebensmittelpakete wurden abgeschafft und die Asylbewerber dürfen sich seither selbst mit Essen im Supermarkt versorgen.
So kommen auch heimische Sachen auf den Esstisch. "Es handelt sich hierbei um eine Ausnahme von der Regel", macht

Dieter Sauer, Sachgebietsleiter für Soziales und Senioren im Landratsamt Haßberge, deutlich. "Denn nach § 3 Absatz 1 des Asylbewerberleistungsgesetzes ist der notwendige Lebensbedarf von Asylbewerbern grundsätzlich als Sachleistung oder in Form von Wertgutscheinen zu decken." Bargeld gibt es für Asylbewerber also nur für die persönlichen Bedürfnisse und Lebensmittel. Für notwendige Klamotten und Schuhe verteilen die Mitarbeiter des Sozialamts in Haßfurt bei der monatlichen Taschengeldauszahlung Wertgutscheine an die Menschen aus Syrien, Serbien, Albanien, Eritrea, Kuba, dem Irak und den zig anderen Ländern.

Begrenzte Auswahl

Jede Person, auch das kleinste Baby, bekommt dabei einen persönlichen Einkaufsgutschein. Diese müssen in der Verwaltung vorbereitet und gedruckt werden. "Momentan benötigt eine Halbtagskraft hierfür drei Vormittage", sagt Sauer.

Ab dem Tag der Ausgabe ist der Gutschein drei Monate gültig. Noch bis vor wenigen Jahren wurden Wertgutscheine für Bekleidung und Schuhe nur halbjährlich an Asylbewerber ausgegeben. Die jetzige Praxis "ermöglicht den Leistungsberechtigten die ganzjährige Beschaffung von Gegenständen und die Nutzung von zeitlich begrenzten Sonderangeboten", erklärt Sauer.

"Sehr schwierig"

Unter den Asylbewerbern spricht man von dem "yellow paper" (deutsch: "gelbes Papier"), wenn es um den Klamottenkauf geht. Dieses Papier können sie nur im Landkreis Haßberge einlösen. Glücklich darüber ist Mariam nicht wirklich. "In Bamberg gäbe es einfach viel mehr Auswahl", sagt die Mutter zweier Kinder.

Eine Ausweitung des Gültigkeitsbereiches sei jedoch nicht zweckmäßig, macht Sauer deutlich. "Wertgutscheine sind keine allgemein gültigen Zahlungsmittel. Es gibt keine einheitlichen gegen Verfälschung geschützten Formulare, die überregional bekannt sind und deshalb ohne weiteres vom Einzelhandel akzeptiert werden." Denn: Die Gewährung der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz obliegt in Bayern den Landkreisen und kreisfreien Städten.

Und wenn diesem Gesetz nach "Kleidung nicht geleistet werde kann", so können die Kommunen Kleider- und Schuhlager betreiben, Dienstleister damit beauftragen oder eben Wertgutscheine ausstellen.
Beim Klamottenkauf für ihren Mann führte Mariam aus Syrien bereits zahlreiche Diskussionen mit Verkäuferinnen. Auch noch für die Männergröße XS ist ihr Mann zu zierlich und muss meistens auf die Kindergröße 170 zurückgreifen.

Das Landratsamt hilft

Aber: Die Gutscheine sind personenbezogen zu benutzen. Und wenn einer erwachsenen Person Bekleidung in Kindergröße ausgehändigt wird, fürchten so manche Läden um ihr Geld. "That is very difficult" (deutsch: Das ist sehr schwierig), meint Mariam zu diesem Verfahren, das sie schon öfters fast verzweifeln ließ.

In jedem Geschäft begegnet sie einer anderen Praxis des Einkaufes. Mal muss sie einen Ausweis bei Einlösung vorzeigen, mal müssen ihre Kinder mit dabei sein, wenn sie Turnschuhe für den Kindergarten kaufen möchte. Den Gutschein kann sie zudem nicht splitten. Sie muss immer schauen, dass sie Ware für genau den Betrag findet, der auf dem Gutschein vermerkt ist. Ansonsten muss sie drauf zahlen.
"Falls es in den Geschäften zu Problemen kommen sollte, können sie zur Klärung Kontakt mit dem Landratsamt aufnehmen. Wenn im Einzelfall eine kleinere Kleidergröße benötigt wird, gibt es bei der Abrechnung keine Schwierigkeiten", sagt Dieter Sauer über die Praxis der Wertgutscheine.