Es ging um nüchterne Zahlen und doch um das Schicksal vieler Rehe. Die Abschusspläne für die nächsten drei Jahren wurden am Mittwochabend für die vier Hegegemeinschaften im Raum Ebern festgelegt.

Dabei zeigte sich, dass die Waidmänner nicht nur auf ihren Hochsitzen im Wald ansitzen, sondern auch viel an Schreibtischen herumsitzen, um den Papierkrieg zu bewältigen, dem die Jägerschaft unterworfen ist. Zwar gab es einiges Murren über die Abschussquoten, letztlich akzeptierten die vielen Revierinhaber im vollbesetzten Saal der Frankenstuben die Vorgaben, die Martin Schrauder von der unter Jagdbehörde am Landratsamt vorgeben hatte. "Eine deutliche Erhöhung", wie Hans Heinert aus Gleusdorf feststellte.

Die Vorgaben aus Haßfurt beruhen auf dem Jagdgesetz, wie Jagdberater Hans Stark vom Uni-Forstamt Sailershausen eingangs feststellte, und auf dem Vegetationsgutachten, das die Landesanstalt in Freising
erstellte hatte. "Wir sollten heute nicht über Sinn oder Unsinn solcher Vegetationsgutachten diskutieren, denn der Gesetzgeber hat es so beschlossen", sagte Stark und nahm damit etwaigen Kritikern den Wind aus den Segeln.

Wald vor Wild

Die Grundlagen für die künftigen Abschussquoten lieferte Wolfgang Gnannt vom Amt für Landwirtschaft und Forsten und Eberner Revierförster. Die Verbissinventur sei im Frühjahr 2012 durchgeführt worden, als Rechtsgrundlage diene das Bayerische Wald- und Jagdgesetz. In dem gilt die Maßgabe: Wald vor Wild.

Mit ganzen Zahlen-Kolonnen und Statistiken stöberte Gnannt im Zustand der heimischen Wälder, wie ihn die Zählmeister und Nachmesser der Freisinger Landesanstalt für Forsten vorgefunden hatten. Demnach zeige sich in der Hegegemeinschaft Ebern-Nord eine positive Tendenz, da der Verbiss zurückgegangen sei. "Die Hegegemeinschaft wurde als tragbar eingestuft." Daraus folge die Empfehlung, dass die bisherigen Abschusszahlen beibehalten werden sollten. Diesem Ratschlag folgte das Landratsamt indes nicht.

Anders die Ausgangslage in den Hegegemeinschaften Ebern-West, Ebern-Süd und Ebern-Itzgrund. In diesen Wäldern wurde der Verbiss laut Gnannt als "zu hoch" eingestuft. Martin Schrauder vom Landratsamt stufte die Zahlen als "knapp verpasste Ziele" ein, was ohne irgendwelche Konsequenzen bleibe, auch wenn er sich jüngst bei einer Besprechung in Würzburg schon kritischen Nachfragen stellen musste.

Einfache Formel

Die Empfehlungen aus dem Vegetationsgutachten für die drei Hegegemeinschaften lauteten daher kurz und knapp: Verbiss zu hoch, Abschuss erhöhen.

Erstmals wurden die Abschussquoten auf die einzelnen, 28 Reviere in den vier Hegegemeinschaften heruntergebrochen, wobei Jagdberater Hans Stark fand, dass es "keine Probleme gibt, wenn sich Reviereigentümer und Jäger einig sind". Eine Feststellung, die vor allem bei Eigenrevieren zutreffen dürfte. Kraft: "Wir sollten hier nicht feilschen wie in Marrakesch auf dem Basar, weil auch das Landratsamt unter der Beobachtung des Rechnungshofes steht."

Doch des Eindrucks vom Kuhhandel konnte sich ein unbeteiligter Beobachter nicht erwehren, wie auch deutlich wurde, dass sich manche Jäger "nicht grün sind", obgleich dies die Kleidung nahe legt.

Sven Kaps mochte als Vertreter des Staatsforstbetriebes über "Grenzstreitigkeiten" mit Nachbarrevier-Inhabern nicht öffentlich streiten. BJV-Kreisvorsitzender Helmut Sieghörtner erkannte "nirgendwo so viel Spielraum für Beamte wie beim Verbissgutachten". Sieghörtner: "Da werden Jungtriebe am Waldrand aufgenommen und in der Mitte wachsen sie."

Außerdem wunderte er sich, dass in einem Bereich Revierleiter und aufnehmende Beamter identisch sind "und dann alle Zahlen passen".
Martin Schrauder entgegnete, dass "keinem dem Kopf abgerissen wird, wenn ein paar Stück weniger abgeschossen werden".


Die Vorgaben der unteren Jagdbehörde am Landratsamt in Haßfurt (Vergleich alt/neu):

Ebern-Nord 1079/1189

Ebern-West 1264/1331

Ebern-Süd 755/852

Ebern-Itzgrund 497/510

Die Abschusszahlen für Rehe und Kitze beziehen sich auf die nächsten drei Jahre.