Sie hatten sich bis zum Dienstag noch nie gesehen und nicht gekannt. Dabei zeigen ihre Lebenslinien viele Parallelen auf: Monika Soutschek (22) und Rosmarie Müller (19). Die jungen Damen machten beide Abitur. Die eine in Ebern, die andere in Schleusingen. Danach ging's an die Uni: Monika Soutschek, die jetzt in Burgpreppach wohnt, versuchte sich in Würzburg zunächst an den Wirtschaftswissenschaften, dann im Lehramt für die Grundschule. Rosi Müller, die aus Sachsenbrunn/Thüringen stammt, studierte angewandte Medien- und Kommunikationswissenschaften an der TU Ilmenau.


Studium abgebrochen

Beide brachen das Studium ab, bevorzugen die Praxis - und das in ähnlich gelagerten Berufen. Die Vorgehensweise erfolgte ebenfalls im Gleichschritt. Zunächst etliche Wochen Praktikum, seit Dienstag Berufsausbildung. Monika lernt als Kauffrau für Dialogmarketing bei Marcapo, berät die Außendienstler von Kunden-Unternehmen, wie sie lokal besser für sich werben können. "Das macht mir Spaß", weiß die 22-Jährige nach drei Monaten Praktikum. "Ich denke, dass ich das Richtige gefunden habe."

Über ihr künftiges Berufsfeld hatte sich Monika Soutschek übers Internet informiert. "Und Marcapo kenn' ich ja durch meine vielfältigen Beziehungen nach Ebern."

Die hatte Rosi Müller nicht, als sie vom Studium in Richtung Praxis tendierte. Die Wunschausrichtung klar vor Augen, marschierte sie in die Agentur für Arbeit in Hildburghausen - und wurde in Ebern fündig.

Ebenfalls seit Juni ist sie schon bei der Weigang Organisation als Praktikantin tätig. "Der Wechsel von Thüringen nach Franken ist mir nicht schwer gefallen. Wir aus dem hennebergischen Land sind ja fast noch Franken. Und schließlich hat mein Vater ein Versicherungsbüro in Coburg und in Ebern wurde ich super aufgenommen."


Viel Verantwortung übertragen

Damit meint sie nicht nur die Hausgemeinschaft, in der sie eine kleine Wohnung bezog, sondern auch den Arbeitgeber. Als angehende Kauffrau für Marketingkommunikation "verkauft" sie ihre Firma "nach außen". Was die 19-Jährige besonders schätzt: "Vom ersten Tag als Praktikantin an durfte ich schon viel Verantwortung übernehmen und eigenverantwortlich arbeiten." Der "Ernst des Lebens" ist für sie jetzt schon eine Erfüllung.

Apropos "Ernst des Lebens": Spaß soll er machen, der Beruf, in den mit Monika Soutschek und Rosmarie Müller weitere 67 Auszubildende in Ebern in 33 Berufsrichtungen starteten.

Als Spaßmacherin versuchte sich dabei Christina Seebach-Künzel, die Vorsitzende der Tourismus- und Werbegemeinschaft (TWG), bei einem Empfang der Stadt im Rathaushof. Dabei tauchte sie wie auch Werner Riegel (SPD) als amtierender Bürgermeister in Erinnerung an den eigenen ersten Arbeitstag ein.


Bammel schnell abgelegt

Beide lasen dabei nicht im Kaffeesatz, sondern überreichten stattdessen eine TWG-Tasse für künftige Kaffeepausen. "Mir war es damals schon etwas mulmig zumute", gab Bürgermeister Riegel offen zu. "Aber das war nach einigen Stunden vorbei", erinnerte er sich an die Zeit als "Stift bei FAG, der noch Brotzeit holen und Werkstatt auskehren musste".

Diese Zeiten seien aber längst vorbei. Jetzt stehe vom ersten Tag eine fundierte Ausbildung auf dem Programm, wobei Riegel das duale System mit dem Zusammenspiel von Betrieb und Berufsschule als Erfolgsmodell pries, womit das Gütesiegel "Made in Germany" begründet wurde.

Froh zeigte sich der Bürgermeister über das ausgeglichene Verhältnis von Arbeitsplatzangebot und -nachfrage, während im Landkreis wie auch im gesamten Bundesgebiet noch viele Firmen Nachwuchs suchen. "Durch die Ausbildungsplätze in unserer Stadt wird in junge Menschen investiert und der Fortbestand der Firmen gesichert."

Und noch eine eigene Erfahrung steuerte Werner Riegel bei: "Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Einer der ersten Gedanken dabei ist, wofür gebe ich das erste Geld aus, das ich selbst verdient habe? " Riegel riet zum Sparen.

Auf den Tag genau vor 30 Jahren begann für TWG-Vorsitzende Christina Seebach-Künzel die Berufsausbildung. "Eigentlich wollte ich Physiotherapeutin werden." Jetzt hat sie aber den Durchblick und den Traumberuf zweiter Wahl als Augenoptikerin. Und selbst da hat sie ihre Spezialgebiete ausgeguckt: Weniger das handwerkliche Talent als die Sprachgewandtheit zeichnen sie aus, meinte die TWG-Sprecherin: "Ich bediene gerne und berate Kunden."

Und das macht ihr bis heute richtig Spaß, frohlockte Seebach-Künzel verbunden mit der Empfehlung: "Entdeckt auch in Eurem Beruf die Bereiche, die Euch besonders liegen. Und bei Aufgaben, die Euch nicht so gefallen, ändert einfach die Einstellung dazu."

Und noch einen Tipp gab die TWG-Vorsitzende den Auszubildenden mit auf den (Berufs-) Weg: "Auch Ausbilder sind nur Menschen, aber schaut ihnen genau zu, ahmt sie nach. Und denkt Euch in die Aufgaben rein:   Wo kann ich helfen, den Betrieb unterstützen?" Dann stelle sich der berufliche Erfolg zwangsläufig ein.

Weiter verwies Christina Seebach-Künzel auf die Möglichkeit, eine zweite Ausbildung oder gar noch ein Studium anzustreben. Unter den 69 jugendlichen Zuhörern waren einige darunter, die diesen Werdegang schon hinter sich haben. So wie Rosi und Monika.