Schon am dritten Tag nach dem Ende der Pfingstferien ist Marcel genervt. Nicht der Lehrstoff oder seine Lehrer ärgern ihn und seine Kollegen aus der neunten Klasse, als sie zur zweiten Pause in den Schulhof eilen. Es sind die Bagger in der Nachbarschaft, die das marode Hallenbad abreißen, die dem Realschüler die Stimmung vermiesen. Er wird mit Baulärm den Rest seines Schüler-Daseins leben müssen. Bei einer Sitzung des Kreis-Bauausschusses am Mittwoch wurden schon die nächsten Maßnahmen vorgestellt.

Konzept für 20 Klassen

Marcel's "Chefin", Konrektorin Luise Pannek, nimmt den Lärm gelassener: "Das habe ich an anderen Schulen schon viel schlimmer erlebt." Im Gegenteil: Sie freut sich auf ein Ende der Raumnot, da durch einen Anbau im Westen in Richtung Bahndamm ein Konzept für 20 Klassen verwirklicht wird, wie Eva Mangold vom Kreis-Hochbauamt die aktuellen Pläne
umriss. Landrat Rudolf Handwerker (CSU): "Wir sind um zwei Klassen zurückgegangen und tragen damit der demografischen Entwicklung Rechnung."

Noch nicht ausgestanden ist der politische Streit, wer denn Schuld an der plötzlich entdeckten Raumnot hat? Emil Däschner (SPD) stellte anhand von Zahlen aus dem Kreishaushalt fest, dass "die Schulräume schon seit 2008/2009 fehlen". Der resolute Ebelsbacher: "Da kann sich keiner im Landratsamt rausreden."

Der Landrat verwies auf ein Schreiben, das er an alle Kreisräten adressiert hatte, das aber noch nicht angekommen war. Demnach habe die Schulleitung im Jahr 2010 zwei zusätzliche Klassenzimmer für die 660 Realschüler gewünscht, was prompt erledigt worden sei. Allerdings ließ der Landrat auch anklingen, dass nicht bekannt gewesen sei, in welchem Maß die Realschule das benachbarte Hallenbad "schon in Beschlag genommen hatte". Und Konrektorin Pannek beschrieb den Hallenbad-Abriss " als Super-Gau für uns, als würde man uns die Luft abdrehen".

Stapelweise Arbeitsmaterialien

Und danach drehte sie auf, als sie bei der Führung durchs Gebäude die vorhandenen Engpässe aufzeigte. "Wir haben keinen Mehrzweckraum und keinen Aufenthaltsraum." Im Lehrerzimmer stapeln sich die Arbeitsmaterialien der über 50 Pädagogen und in den Fachräumen für Physik und Chemie sprach Lehrer Markus Zimmer von "chaotischen Verhältnissen", Konrektorin Pannek vom Verstoß gegen Sicherheitsvorgaben. "Vorschriften werden nicht eingehalten, weil alles zu eng und zu nah dran ist. Deswegen wurden wir schon gerügt."

Einen Rüffel gab's laut Pannek auch schon aus dem Gesundheitsamt, weswegen der Pausenverkauf umgesiedelt werden muss. Argumente, die nicht nur die Verantwortlichen im Landratsamt überzeugten, wo mit Hochdruck am neuen Raumprogramm gearbeitet werde, um die Pläne schnellstmöglich einzureichen, wie Landrat Handwerker versicherte.

Ob's Marcel und seine Kumpel freut oder nicht: Die Bagger kurven die nächsten Jahre im Realschul-Umfeld also weiter herum. Die nächste Baustelle dürfte der Hallenbad-Neubau werden, dessen künftiger Standort auch inspiziert wurde, da die Neubaupläne das bestehende DFB-Minispielfeld zu einem Drittel überdecken, wie Ralf Röckelein aus dem Hochbauamt erklärte. Deswegen wird das Kunstrasen-Feld näher an die Schule hin verschoben. "Das bleibt auf jeden Fall erhalten", versprach der Landrat, der sich begeistert zeigte, wie gut es von der Jugend angenommen wird.

Und noch eine Baustellen zeichnet sich ab: Im August beginnt die Stadt mit dem Abtragen des Bahndammes. Dabei hoffte Konrektorin Pannek, dass ein Teil davon als Sicht- und Lärmschutz erhalten bleibt. "So 660 Schüler machen eben schon Lärm."