"Ehrlich gesagt, ist die Enttäuschung riesig. Wir hatten wirklich auf Unterstützung seitens des Staates gerechnet. Aber wir hatten eher den Eindruck, es ginge hauptsächlich darum, uns aufzuzeigen, was aus diesen und jenen Gründen nicht möglich ist, als gemeinsam mit uns an einem Strang zu ziehen und Lösungen zu erarbeiten." Das ist das Fazit von Ortssprecherin Rosi Keller nach der Ortseinsicht zum Thema Verkehrsberuhigung in Fabrikschleichach.

Vertreter von Straßenbauamt, Polizei und Landratsamt trafen sich mit Bürgermeister Matthias Bäuerlein (FW) und Mitgliedern der Bürgerinitiative, nachdem diese einen Antrag mit verschiedenen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung eingereicht hatte. Doch diese wurden "im Rahmen der Ortsbegehung Punkt für Punkt abgelehnt", heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative.


Nicht umsetzbar

"Was alles nicht möglich ist, erfuhren die Mitglieder der Initiative gleich zu Beginn des Termins. So sind bauliche Maßnahmen mit Verweis auf die Kosten nicht umsetzbar. Während für den Bau von Amphibientunnels an die 300.000 Euro zur Verfügung standen, steht es um die finanzielle Förderung der innerörtlichen Verkehrssicherheit vergleichsweise schlecht", so die Pressemitteilung weiter. Die Behördenvertreter erklärten auch, dass künstliche Fahrbahnschwellen nicht den Effekt bringen würden, den sich die Fabrikschleichacher erwünschten. Vielmehr entstünde mehr Lärm für die Anwohner.


Nicht genügend Unfälle

"Aus teilweise grotesken Gründen" hätten die Behördenvertreter auch eine Tempo-30-Zone abgelehnt. So gebe es "nicht genügend Unfälle und trotz eines Kinderanteils von 25 Prozent sei der Anteil so genannter verkehrsschwacher Teilnehmer am Straßenverkehr nicht so hoch, wie ihn die Gesetzeslage fordert.
Die Vertreter der Bürgerinitiative kritisieren, dass "sich ausschließlich auf den genauen Gesetzestext der Straßenverkehrsordnung berufen wurde. Der Ermessensspielraum, den die neue Gesetzeslage bietet, wurde nicht diskutiert und blieb zum Nachteil der Antragsteller unberücksichtigt."

Was den Fabrikschleichachern stattdessen vorgeschlagen wurde, rief teilweise Kopfschütteln hervor. So wurde wie auch in anderen Orten empfohlen, noch konsequenter und versetzt Fahrzeuge auf der Straße zu parken. Das tun die Fabrikschleichacher ohnehin schon trotz der Gefahr von Beschädigungen, wie es schon passiert ist.
In den kommenden Tagen soll das Tempodisplay der Gemeinde aufgestellt werden, aber nur für wenige Wochen. Bürgermeister Matthias Bäuerlein erhofft sich davon eventuell Daten, die das Anliegen der Fabrikschleichacher stützen könnten. "Der Ortstermin war für alle sehr enttäuschend", erklärte der Bürgermeister. Das gelte auch für ihn selbst. Bürgermeister und Gemeinderat bemühen sich, die 13 Dörfer der Großgemeinde attraktiv zu gestalten, damit Junge wie Ältere hier gerne leben und auch weitere Pendel-Strecken zur Arbeit auf sich nehme. Zur Lebensqualität im Dorf gehöre aber auch die Verkehrssicherheit, so Bäuerlein, der in vielen Bürgerversammlungen mit diesem Problem konfrontiert wird.


Rückendeckung von außen

Die Bürger wollen aber nicht locker lassen. Nicht zuletzt, weil sie nach den ersten Medienberichten über ihren Vorstoß aus vielen Dörfern der Umgebung sehr positive Rückmeldungen erhalten haben, wollen sie ihr Anliegen "weiter oben im Staatsapparat adressieren". Sie wollen endlich den Kreislauf von Anträgen und Scheitern bereits in erster Instanz durchbrechen.
In der Pressemitteilung heißt es: "Die erste Schlacht scheint geschlagen, doch der Kampf ist für die Fabrikschleichacher noch lange nicht verloren."

Zusätzlich dazu sucht die Initiative nach einem juristischen Experten in Sachen Verkehrsrecht, der sie ehrenamtlich unterstützen kann. Für die Zukunft sieht die Bürgerinitiative die Chance, sich über einen Zusammenschluss mit anderen Initiativen bayern- oder sogar deutschlandweit zu vernetzen.
Wer das Anliegen der Fabrikschleichacher unterstützen möchte, wird gebeten, sich unter vekrehrsberuhigunginbayern@gmx.de zu melden.