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Untermerzbach
Wahl

Hauptausschuss-Gründung sorgt in Untermerzbach für Ärger

Dieter Reisenweber und Gerald Karl leiten die Gemeinde Untermerzbach in den nächsten sechs Jahren als Zweiter und Dritter Bürgermeister. Unmut gibt es bei der konstituierenden Sitzung über die Bildung eines neuen Hauptausschusses.
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Mit Abstand und Anspannung in der Turnhalle der Grundschule fühlte man sich bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats Untermerzbach am Montag an die eigene Abschlussprüfung erinnert. Die neuen Gemeinderäte stecken mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen bereits mitten in der ersten Prüfung: In den nächsten Jahren wird die Gemeinde voraussichtlich finanziell schlechter da stehen als bisher. Pia Bayer
Mit Abstand und Anspannung in der Turnhalle der Grundschule fühlte man sich bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats Untermerzbach am Montag an die eigene Abschlussprüfung erinnert. Die neuen Gemeinderäte stecken mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen bereits mitten in der ersten Prüfung: In den nächsten Jahren wird die Gemeinde voraussichtlich finanziell schlechter da stehen als bisher. Pia Bayer
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Blätter rascheln. Ein Stuhl knarzt. Ein Stift klackt. Fünf vor sieben. "So ruhig ist es sonst nie", bemerkt Bürgermeister Helmut Dietz und schaut schmunzelnd durch die Reihen. Wo am Morgen zum ersten Mal nach acht Wochen die Viertklässler der Grundschule Untermerzbach wieder zum Unterricht Platz genommen hatten, sitzen nun die Gemeinderäte. Jeder an einem Tisch, mit Abstand. Mundschutz trägt keiner. Das Bild, die Stille, die Turnhalle - es erinnert ein bisschen an eine Abschlussprüfung.

Ihre erste Prüfung hatten nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dietz, der in seine dritte Amtszeit gestartet ist, die fünf neu gewählten Gemeinderäte zu bestehen: Mit erhobener Hand und aufgeregt leisteten Stefanie Bobrich, Sascha Maempel und Florian Zang (SPD) sowie Marion Leonhardt und Stefan Scholl (Freie Wähler) ihren Eid. Da blieb der ein oder andere Versprecher nicht aus.

Dietz gab ihnen mit auf dem Weg, dass stets das Wohl der Bürger im Mittelpunkt stehen müsse. Gleichzeitig betonte er: "Jedem Recht machen, das kann man nicht." Er wünschte sich für die Arbeit im Gemeinderat ein "gedeihliches Miteinander in der Sache ringend".

Dass konstruktives Miteinander Diskussionen nicht ausschließt, bewiesen die Räte bei Punkt 4 der Tagesordnung: dem Erlass einer Satzung zur Regelung von Fragen des örtlichen Gemeindeverfassungsrechts.

Für Unmut in der Fraktion des Bürgerblocks/Freie Wählergemeinschaft sorgte dabei die Bildung eines Haupt-, Bau- und Umweltausschusses, wie es ihn in Untermerzbach bislang nicht gab. Gerald Karl sah in der Bildung gar "eine Entmachtung beziehungsweise zumindest Abwertung des Gemeinderats" und betonte, er habe sich zur Wahl gestellt, um sich zum Wohl der Gemeinde mit seinem Wissen und seiner Erfahrung einbringen zu können.

Im Haupt-, Bau- und Umweltausschuss beraten künftig lediglich ein Drittel der Mitglieder unter Vorsitz des Bürgermeisters über wichtige finanzielle Angelegenheiten. Wo Gerald Karl durch "4 plus 1" statt "12 plus 1" einen Verlust der Meinungsvielfalt sieht, argumentierte Dietz mit verwaltungstechnischen Vorteilen und der leichteren Umsetzung von Abstandsregeln in der Corona-Krise. Er versicherte: "Niemand will etwas wegnehmen, der Gemeinderat wird sich weiterhin jeden Monat treffen."

Zudem hätte der gesamte Gemeinderat immer die Möglichkeit, eine Nachprüfung zu beantragen. Letztlich wurde der Hauptausschuss gegen die Stimmen von Gerald Karl, Gerhard Roth und Marion Leonhardt (alle Bürgerblock/Freie Wählergemeinschaft) beschlossen, die ihre Fraktion bei gleicher Sitzverteilung im Gemeinderat im Hauptausschuss als nun wichtigstem Ausschuss unterrepräsentiert wiederfinden. Denn im Hauptausschuss werden künftig neben dem SPD-Bürgermeister ein weiterer SPD-Gemeinderat, zwei CSU-Gemeinderäte, aber nur ein Vertreter von Bürgerblock/Freie Wählergemeinschaft Platz nehmen.

Zufrieden sein können Letztere dagegen mit der Wahl von Gerald Karl zum Dritten Bürgermeister. Er wurde bei zwei ungültigen Stimmzetteln mit elf Stimmen ohne Gegenkandidat gewählt. Das gleiche Ergebnis konnte auch Dieter Reisenweber für die CSU verbuchen, der sich künftig Zweiter Bürgermeister nennen darf. Dietz gratulierte und gab sich zuversichtlich, dass "wir das Gemeindeschiff für die nächsten sechs Jahre aus Kurs halten". Dass dieser Kurs beschwerlicher sein könnte, gab Dietz zu verstehen, indem er darauf hinwies, dass die Gemeinde mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen in nächster Zeit voraussichtlich erst einmal finanziell schlechter aufgestellt sein wird als bisher. Die Gemeinderäte für die Jahre 2020 bis 2026 stecken gemeinsam bereits mitten in ihrer ersten Prüfung.

Neue Sitzungszeiten

Die Sitzungen finden im Sitzungssaal des Rathauses statt, während der Corona-Beschränkungen wird aus Platzgründen auf die Turnhalle der Grundschule ausgewichen. Sitzungstag ist Montag, begonnen wird künftig eine Stunde früher als bisher, also um 19 Uhr. Der neu geschaffene Haupt-, Umwelt- und Bauausschuss tagt regelmäßig Donnerstag um 17 Uhr.

Bürgermeister Dietz machte auf ein Novum zu Zeiten der Corona-Krise aufmerksam. Erstmalig wird eine Ortssprecherwahl in der Gemeinde unter freiem Himmel abgehalten. Am Samstag soll so ein Ortssprecher für Gleusdorf gefunden werden. "90 Prozent der Unterschriften liegen vor", so Dietz.

Wie er weiter informierte, will man dem Verfall des Alten Schlosses Gereuth entgegenwirken. Dazu wurde nun eine Vereinbarung mit dem Landratsamt über ein Vorprojekt getroffen. Die Kosten für die Dokumentation des Verfalls sowie das Ausloten möglicher Finanzierungswege zur Sanierung umfassen rund 19 000 Euro. 1138 Euro davon trägt die Gemeinde.

Seit das Schloss vor elf Jahren von einem vermeintlichen Adelsspross gekauft worden war, verfällt es und ist derzeit in einem tragischen Zustand. Laut Bürgermeister Dietz wurde mittlerweile auch ein Anwalt für internationales Recht eingeschaltet. "Doch wenn es zusammengebrochen ist, ist es zu spät."

Ausschussmitglieder und Referenten

Haupt-, Umwelt- und Bauausschuss: Robert Bohla, Sandra Schramm, Jürgen Fromm, Gerhard Roth

Kultur, Sport, Fremdenverkehr und Jugend: Birgit Finzel, Robert Bohla, Florian Zang, Marion Leonhardt

Rechnungsprüfungsausschuss: Gerald Karl, Sandra Schramm, Dieter Reisenweber, Sascha Maempel, Gerald Karl

Waldreferent: Gerald Karl

Feuerwehr: Sandra Schramm

Jugend: Stefanie Bobrich

Senioren: Sandra Schramm