Nun ist es amtlich, der Verwaltungsrat hat es am Montag, 15. Mai, nach "über vierstündiger Beratung" so beschlossen, wie Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Wilhelm Schneider (CSU) vor Pressevertretern am frühen Abend verkündete: Das Haus Hofheim der Haßberg-Kliniken wird Mitte dieses Jahres geschlossen.
Das heißt, die stationäre Versorgung mit 25 Betten wird aufgegeben, einige der Betten (die genaue Zahl steht noch nicht fest) ziehen an den Standort Haßfurt um. Die insgesamt 25 Mitarbeiter am Haus Hofheim werden auf die Standorte Haßfurt und Ebern verteilt.

Das Medizinische Versorgungszentrum in Hofheim soll dagegen ausgebaut und um Sprechstunden im Bereich Gynäkologie und Chirurgie erweitert werden. Die internistische Versorgung des Raumes Hofheim wird im ambulanten Bereich weiterhin "im Erdgeschoss des Krankenhausgebäudes in Hofheim" sichergestellt, sagte der Landrat.


Hebammen in den Bereich Pflege?

Für die Hebammenstation im Haus Haßfurt ist das Aus nun ebenfalls eine beschlossene Sache, allerdings soll die Geburtshilfe nach Angaben des Landrats noch bis zum 31. Dezember 2018 aufrechterhalten werden. Wie der Vorstandsvorsitzende der Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck, erklärte, besteht danach für die derzeit in dem Kommunalunternehmen beschäftigten Hebammen (es gibt sechs Planstellen, aufgeteilt auf mehrere Teilzeitstellen) die Möglichkeit, in den Bereich stationäre Pflege zu wechseln. "Damit sind sie aber nicht gemäß ihrer Ausbildung eingesetzt", räumte Kolck ein, er gehe daher davon aus, dass sie diese Option nicht wahrnehmen werden.


Nur noch Belegabteilung

Die Gynäkologie im Haus Haßfurt wird danach als reine Belegabteilung weitergeführt, das heißt, dass niedergelassene Fachärzte vor Ort Betten dieser Abteilung mit ihren Patienten belegen können. Diese Änderungen werden ab 2019 greifen, sofern sich nicht "die Rahmenbedingungen durch Einführung eines Sicherstellungszuschlags wesentlich ändern", wie es Landrat Schneider erklärte. Dieser Zuschlag ist ein Instrument, durch das Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen finanzielle Unterstützung erhalten können.

Am Standort Ebern der Haßberg-Kliniken bleibt die stationäre Versorgung erhalten, aber es wird Umstrukturierungen geben. Die Abteilungen Chirurgie und Innere Medizin sollen gemäß des Verwaltungsratsbeschlusses fortgeführt werden. In Ebern sollen etwa planbare Knie- und Hüftoperationen ausgeführt werden, zum Teil auch mit Honorarärzten.

Ebern sei als Standort mit stationärer Versorgung wichtig, weil es im Kreis Haßberge Patientenbewegungen in Richtung Ebern überwiegend durch Bewohner aus dem nördlichen Landkreis gebe, erklärte Landrat Schneider. "Wenn Ebern nicht da wäre, gingen sie nach Coburg oder Bamberg". Und: "Ebern sind 70 Betten. Da sofort Ersatz zu schaffen, das wäre auch nicht möglich."


Defizit senken

Der andere Teil der Bevölkerung im Kreis Haßberge orientiere sich in Richtung Hofheim und Haßfurt. Man wolle durch die Umstrukturierung erreichen, dass die Haßberg-Kliniken bis 2020/21 nur noch ein Defizit von jährlich 1,89 Millionen Euro aufzuweisen haben. In den vergangenen drei Jahren hatte das Defizit jeweils rund drei Millionen Euro betragen.

Zudem hat der Verwaltungsrat den Haßberg-Kliniken einen Sparkurs verordnet, wozu eine Unternehmungsberatung herangezogen werden soll. Es gelte, alle Bereich zu überprüfen, sagte Landrat Schneider: Materialaufwand, Lagerhaltung, Personalsituation und so weiter. Einen rabiaten Stellenabbau brauchen die derzeit 530 Mitarbeiter aber nicht zu fürchten: "Es wird keine Kündigungen geben", sagte Wilfried Neubauer, Vorstand der Haßberg-Kliniken.


Das versicherten auch Landrat Schneider und Vorstandsvorsitzender Stephan Kolck. Vielmehr werde es darauf hinauslaufen, dass Stellen, die altersbedingt wegfallen, nicht mehr nachbesetzt oder etwa gegebenenfalls befristete Verträge nicht verlängert werden. Der Verwaltungsrat hat seine Entscheidungen auf Grundlage eines Gutachtens der Firma "Oberender & Partner" getroffen, von der Vertreter an der gestrigen Sitzung teilnahmen.