Sie hatten sich so intensiv vorbereitet. Laura Würstlein und Fabian Goldschmidt nutzten so manche Freistunde im Friedrich-Rückert-Gymnasium und die Nachbarschaft in Heilgersdorf, um sich für ihren großen Auftritt zu präparieren. Sie sollten im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Politik trifft Bildung" den Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell vor Zehnt- und Elftklässlern interviewen.

Und dann so etwas: Der Abgeordnete begegnet ihnen total locker, doch die Schulkollegen lassen beide zunächst im Stich. Hat wer Fragen? Schweigen im Walde. Der Themenbereich Bildung war damit schnell abgehakt. War auch nicht Fells Spezialgebiet.

Doch als Fabian Goldschmidt schon fürchtete, dass ihm und seiner Co-Moderatorin die "Felle" (Wortspiel!) davon schwimmen, kam die Wende.
Der Heilgersdorfer: "Ich war schon skeptisch, als zunächst keine Frage kam, aber im zweiten Teil zeigte sich, dass das Thema schon sehr interessiert."

Damit war das Spezialgebiet des Abgeordneten aus Hammelburg gemeint: die Energiewende. "Sehr spannend" fand es Laura Würstlein, dass bei diesem Thema "viel gekommen ist, und wir locker noch eine halbe Stunde hätten weitermachen können".

Positive Eindrücke

Das große Interesse beeindruckte auch den Bundestagsabgeordneten. "Die Veranstaltung war sehr positiv, da herrschte großes Interesse und war toll vorbereitet. Ich als ehemaliger Gymnasiallehrer muss schon staunen, wenn Schüler zwei Schulstunden lang aufmerksam lauschen. Es wurden kluge Fragen gestellt, was zeigt, dass sie sich intensiv mit der Thematik beschäftigt haben. Ich habe keinen gesehen, der geschwätzt hätte oder eingeschlafen ist."

Konnten sie gar nicht, da Fell den Global-Denker gab, der sich an US-Präsident Obamas Slogan orientierte. Doch bei Fell heißt es nicht "Yes, we can", sondern "Geht nicht, gibt's nicht", das gleiche einer Beleidigung der vielen klugen Köpfe in Deutschland.

Und was alles machbar ist, listete der "Erfinder" des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) dezidiert auf und hat es auch in einem Buch, das vor wenigen Tagen in Deutschland auf den Markt kam, niedergeschrieben: Umstellung auf Versorgung aus erneuerbaren Energien zu 100 Prozent innerhalb von 20 Jahren weltweit und Reduzierung der Klimagase durch ein optimales Pflanzenmanagement, wobei der biologischen Landwirtschaft eine zentrale Rolle zukomme. "Das lässt sich alles machen, auch wenn ich weiß, wie schwer es ist, Köpfe umzudrehen."

Falsche Richtung

So stecke auch die Gesetzgebung noch in alten Denk-Schemata. "Die Regierung setzt auf Emissionshandel, der bislang aber gar nichts bewirkt hat. Ich will eine Kohlenstoff-Steuer, eine Forderung, die auch von der EU-Kommission kommt."

Als "riesige Erfolgsgeschichte" rühmte der 61-Jährige das "von mir als junger Abgeordneter geschriebene Erneuerbare Energien Gesetz", das im Jahr 2000 von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen wurde und mittlerweile von 60 Ländern kopiert wurde, was "ich richtig toll finde".

Fragen aus Schülerkreisen zielten auf einen möglichen Arbeitsplatzverlust beim Energieumstieg, Speichermöglichkeiten für erneuerbare Energien (Indra George), den Humusabbau in der deutschen Landwirtschaft, den Einsatz von Biokraftstoffen (Friedrich Grimmer) und mögliche Arbeitsplätze, die durch die Nutzung erneuerbarer Energien entstehen (Cornelia Schmitt). Davon gibt es laut Fell viele: "Wir müssen die neuen Gedanken an jeder Stelle unserer Gesellschaft einbringen, auch in den Schulen und an den Universitäten."