Eigentlich war er keine zwei Jahre dabei: Für eine CD und eine Welttournee. Aber seither ruft er über alle Stationen ("Calling all stations", so der LP-Titel) nach einer Band, die ihn zu Ruhm und Ehre kommen ließ: Ray Wilson (45) weckte bei seinem Konzert am Freitagabend in der Stadthalle Erinnerung an glorreiche Zeiten von "Genesis", wo er als Frontmann kurz die Nachfolge eines Peter Gabriel und Phil Collins angetreten hatte.

Das Intermezzo bei der Supergruppe hat beim Schotten nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Seither tourt er mehrfach im Jahr mit Genesis-Material, aber auch Liedern von Phil Collins und Peter Gabriel, quer durch Europas kleinere Säle.

Jedes Mal verpackt er die Songs dabei in neue Arrangements: Mal als Rockband, mal zu zweit mit Bruder Steve unplugged - und diesmal im klassischen Gewand mit kleiner Besetzung. Junge polnische Künstler am Flügel, Flöte, Saxofon und Oboe sowie zwei adrette Violistinnen.

Fünf Mal in Folge

Bereits zum fünften Mal in Folge gastierte Wilson in Haßfurt, wie Petra Lettang vom Kulturamt bei der Begrüßung besonders herausstrich. Und der Künstler hat jeweils "gute Erinnerungen an Haßfurt", wie er im Interview nach dem Konzert erklärte, obwohl er diesmal keine freie Unterkunft mehr fand und deswegen nach Schweinfurt hatte ausweichen müssen.

Und er schaut schon voraus: "Nächstes Jahr komme ich wieder mit großer Band und Schlagzeuger." Und wer trommelt? Phil Collins etwa? "Nein, der hat sich zurückgezogen", dämpft der Schotte allzu große Hoffnungen.
Er habe keinen persönlichen Kontakt mehr zu den anderen Bandmitgliedern.

Mit einer Ausnahme: Mit Gitarrist Steve Hackett (64), der längst ausgestiegen war, als Wilson kam, hat er heuer ein paar gemeinsame Konzerte, wie im Mai in München, bestritten. Für nächstes Jahr sind schon weitere gemeinsame Auftritte vereinbart, erzählt der Sänger.

Und die gemeinsamen Projekte mit Steve Hackett haben Eindruck auf ihn gemacht: Er taucht tiefer in die Bandgeschichte ein. Er wagt sich auch an Werke aus der Gabriel-Ära: "Carpet crawlers", "Firth of fifth" und das Instrumentalstück "Horizons", auf der Geige gezupft und gestrichen. Dazu noch "Entangled", "Ripples" und "Afterglow".

Ansonsten bevorzugt die Gruppe die seichteren Kompositionen: "Follow you, follow me", "Jesus who knows me", "That's all", "Invisible touch" von "Genesis" oder "In the air tonight", "Take a look at me now" und "Another day in Paradize" von Phil Collins. Dazu noch "Solsbury hill" und "Biko" von Peter Gabriel, womit die Band zumindest für einen Abend in Haßfurt im übertragenen Sinn wieder vereint war.

Diese Mischung kam an: Der lustigen Apothekerinnen-Runde aus Haßfurt gefiel's ebenso wie Uwe Derra aus Neubrunn, der "14 Jahre darauf gewartet hatte, wieder einmal 'Mama" zu hören". Der kleine Mark aus Sassanfahrt holte sich nach dem Konzert ebenso sein Autogramm ab, wie Inge Appel aus der Stadtverwaltung oder ein Ehepaar, das extra aus Suhl angereist war. Sie alle werden nächstes Ja wieder kommen.