Keine Bewährung gab es für einen 24-jährigen Rumänen, der am Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Diebstahls und Urkundenfälschung vor dem Amtsgericht Haßfurt stand. Anderes als der Verteidiger sah Richterin Ilona Conver keine so positive Sozialprognose, dass sie die einjährige Haftstrafe noch zur Bewährung ausgesetzt hätte - zumal der Angeklagte bereits eine einschlägige Vorgeschichte hat und in Fußfesseln aus der Vollstreckungshaft vorgeführt wurde.

In seiner Wohnung in Rumänien wurde er festgenommen, weil er zum ersten anberaumten Gerichtstermin November nicht in Haßfurt erschien. Verschiedene Vergehen wurden ihm zur Last gelegt und er gestand auch alle in vollem Umfang ein. So entwendete er 2014 in Dresden Autokennzeichen, befestigte sie an seinem Golf und tankte für über 70 Euro, ohne zu bezahlen. Die Betrügereien wurden jedoch größer: So bezahlte er zweimal im Juli 2014 mit einer der Besitzerin verloren gegangenen EC-Karte ("ob die gestohlen wurde, wissen wir nicht", erklärte dazu die Richterin) an Tankstellen in Ebern und Rudolstadt. Er kaufte immer einige Kleinigkeiten und dazu einmal 16, einmal elf Stangen Zigaretten. Da er sich Tankstellen aussuchte, die bei Kartenzahlung das Lastschriftverfahren zulassen, blieben die Pächter auf den ungedeckten Rechnungen sitzen. In Ebern waren das knapp 850, in Rudolstadt knapp 650 Euro.


Die gleiche Masche

Mit der gleichen Masche ging er in Coburg vor, dort kaufte er auf diese Weise für 1050 Euro ein. Dafür wurde er in Coburg verurteilt zu 80 Tagessätzen und weil er diese nicht bezahlte, sitzt er jetzt nicht in U-Haft wegen des Haßfurter Verfahrens, sondern in Vollzugshaft. Bis September dieses Jahres läuft außerdem eine Bewährung für eine zehnmonatige Freiheitsstrafe ebenfalls wegen Betrugs.

Der Angeklagte gestand über seinen Anwalt alle Taten vollumfänglich ein. Einer Bande gehöre er jedoch nicht an, erklärte er auf Vorhaltung der Staatsanwaltschaft, dass auch andere Bewohner seines Dorfes mit solchen Straftaten in Deutschland aufgefallen seien. Er habe als Schreiner und dann als Kfz-Mechaniker gelernt, dann als Mechaniker gearbeitet, aber in Rumänien nur 150 Euro im Monat verdient. Seine Mutter lebe seit sieben Jahren in Deutschland.


Aus wirtschaftlicher Not

Er habe sich im Internet an einen Arbeitsvermittler gewandt. Der habe zugesagt, er könne in Deutschland als Bauhelfer arbeiten, habe 50 Euro Provision erhalten, sei dann aber nicht aufgetaucht, als der Angeklagte in Deutschland war. Zweimal sei er so vergeblich nach Deutschland gereist, um zu arbeiten. Aus wirtschaftlicher Not habe er die Straftaten begangen, sagte er.

Candida Schramm von der Staatsanwaltschaft glaubte nicht an die Geschichte vom Einzeltäter, hielt dem Angeklagten allerdings zugute, dass er den Sachverhalt ohne viel Geplänkel einräumte. Die Mengen der gestohlenen Zigaretten hätten nichts mit Eigenbedarf zu tun, er habe sie zum Weiterverkauf erschwindelt. Sie rechnet fest damit, dass von ihm weitere Straftaten zu erwarten seien. Unter Einbeziehung der Vorstrafen aus Aalen und Coburg beantragte sie eine Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten - ohne eine Bewährung.


"Unangemessen hoch"

Verteidiger Alexander Wessel stufte das als "unangemessen hoch" ein. Er hielt es für denkbar, dass der Angeklagte bei der Mutter leben könnte, wenn er eine Bewährungsstrafe bekäme. Er habe jetzt einen ersten Hafteindruck und der sei wohl heilsam, meinte der Rechtsanwalt.

Richterin Ilona Conver kam zu einem Jahr Haft ohne Bewährung. Sie rechnete dem Angeklagten hoch an, dass "er reinen Tisch gemacht hat", aber andererseits habe er schon bei dem Tankbetrug mit dem vorherigen Kennzeichendiebstahl erhebliche kriminelle Energie entwickelt. Auch die Tankstellenbetrügereien seien nicht spontan gewesen, er habe sich gezielt eine Kette ausgesucht, wo er ohne PIN bezahlen konnte. Obwohl sie ihm unterstellte, dass er wirklich mit der Absicht nach Deutschland kam, hier zu arbeiten, sah sie keine Möglichkeit für eine Bewährung, zumal er innerhalb kürzester Zeit erhebliche Taten verübte. Die Chance, bei der Mutter zu leben, sei wohl eher eine Hoffnung als eine Tatsache, meinte sie in ihrer Urteilsbegründung. Außerdem müssten die Gerichte dafür sorgen, dass mögliche Nachahmungstäter abgeschreckt werden. Der Haftbefehl bleibt in Kraft.