Das Wort "Vorfahren" rückt in neues Licht, wenn man an die Pioniere am Steuer denkt, unter denen durchaus auch etliche Frauen waren. Unser Bericht über die inzwischen 90-jährige Eugenie Hümmer aus Kirchlauter, die schon in jungen Jahren als Busunternehmerin mit motorisiertem Untersatz durch die Heiligen Länder brauste, ist auf beachtliche Resonanz gestoßen - und auf Widerspruch. Vor allem Leserinnen haben sich zu Wort gemeldet, und nachgewiesen, dass es im Altlandkreis Ebern schon früher Frauen mit Führerschein gab.

Der eigene Führerschein

Bereits am 23. Februar 1931, als die kleine Eugenie daheim noch mit Puppen spielte, hatte Mathilde Grönert aus Altenstein die Prüfung abgelegt, die sie ermächtigte, "ein Kraftfahrzeug mit Antrieb durch Verbrennungsmaschine der Klasse 3b" zu führen, was am 4. März beim Landratsamt Ebern besiegelt wurde. Der Führerschein der in Schleusingen geborenen Frau trug die Listennummer 314 und die Prüfung hatte sie vor einem Sachverständigen aus Würzburg in Hofheim abgelegt.

Eine Ablichtung dieses historischen Dokuments hat Ingrid Kraemer aufbewahrt. Die frühere Hauptschullehrerin, die Heimatkundliches aus ihrem Dorf sammelt, legt eine Aufnahme aus den "1930ern" vor, die Mathilde Grönert und Familie samt fahrbarem Untersatz zeigt: das erste Auto in Altenstein.

Die Grönerts, bis 1929 in der "Ebene" (damalige Haus-Nr. 73) und dann im Kernort unterhalb der Kirche (Haus 40; inzwischen wegen des Bergrutsches abgerissen) angesiedelt, betrieben eine "Obst-, Eisen-, Lumpen-, Gemüse- und Kolonialwarenhandlung".

Von wegen "Frauen gehören an den Herd"! Man darf sich die vierfache Mutter Mathilde Grönert als resolute Frau vorstellen, die im Alltag "ihren Mann stand". Sie gab damals schon Gas und bremste Ressentiments, die sich bis heute halten.

"Frauen am Steuer, ungeheuer" polemisieren die einen, "Frauen sind die besseren Autofahrer", sagen die anderen und berufen sich auf Statistiken, wonach Männer im Durchschnitt mehr Unfälle produzieren und in Flensburg häufiger punkten. Erst im Dezember 2012 hatten die Kfz-Versicherungen sogenannte "Unisextarife" eingeführt. Zuvor waren Frauen, der geringeren Unfallzahlen wegen, günstiger gefahren als Männer.

So richtig kam "frau" erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in Fahrt. Die Weimarer Republik brachte dem "schwachen Geschlecht" das Wahlrecht und öffnete ihm zunehmend auch die Autotüren. Noch bis 1958 mussten Frauen hierzulande für den Führerscheinerwerb allerdings die Zustimmung des Ehemanns oder Vaters vorlegen.

Technische Kniffe

Frauen habe einfach das technische Wissen gefehlt, um ein Auto zu fahren, wird oft als Grund für die Dominanz der "Herrenfahrer" genannt. Ein Gegenbeispiel führt Barbara Morgenroth aus Untermerzbach an. Sie weiß von mindestens drei Frauen zu berichten, die schon in den 30er/40er Jahren als Fahrerinnen auf Achse waren. Frieda Barthelmann aus der Schenkenau war eine davon. Wenn sie Auto fahren wollte, aber die Männer im Haus das Fahrzeug beanspruchten, soll die technisch versierte Dame einfach den Zündverteiler ausgebaut haben, um ihn wieder einzusetzen, sobald die Männer auf andere Weise losgekommen waren.

Damals lag der Anteil der Frauen am Steuer deutschlandweit im einstelligen Prozentbereich. Als Barbara Morgenroth im Jahr 1968 das erste Mal hinterm Lenkrad saß, war schon jeder fünfte Verkehrsteilnehmer weiblich. "Heutzutage", hat man ihr damals eingeschärft, "ist ein Führerschein wichtiger als die Aussteuer." Tatsächlich sind Aussteuern aus der Mode gekommen, Autos steuern dagegen ist aktuell wie eh und je.

Frau am Steuer

Die Pionierin Bertha Benz, Frau des Autopioniers Carl Benz, schrieb 1888 Automobilgeschichte, als sie im Patent-Motorwagen ihres Mannes die erste Überlandfahrt der Geschichte unternahm - von Mannheim bis Pforzheim (gut 100 Kilometer) und zurück.

Zu schnell Anne d'Uzès, Herzogin aus Frankreich, die 1898 ihren Führerschein ablegte, gilt als die erste, die ein Strafmandat für zu schnelles Fahren erhielt. Bei erlaubten zwölf Stundenkilometern bretterte sie mit sage und schreibe 15 Sachen durch einen Wald bei Paris.

Heute Der "Kampf der Geschlechter" rund ums Auto hat internationale Relevanz. In Saudi-Arabien dürfen Frauen bis heute nicht auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Bei der Automesse in Detroit stahl vergangene Woche eine Frau den neuen Modellen die Schau: Die neue GM-Chefin Mary Barra ist die erste Frau an der Spitze eines großen Autokonzerns.