Der letzte Tag im Jahr hält so manchen Kracher parat. Da sind die viel zu hochgeschraubten Erwartungen an einen berauschenden Abend, die unerfüllten Vorsätze, die Enttäuschung darüber, die schlichtweg in neuen Wünschen, Hoffnungen und Vorhaben erstickt wird. Und da gibt es "Thunderstorm", "Stardust", "Galaktika" und "World Champions" - Feuertöpfe, Über-100-Schuss-Batterien, Raketensortimente.

Über 100 Millionen Euro haben die Deutschen für Pyrotechnik zum letzten Jahreswechsel ausgegeben. Zwar kein teures, aber ein traditionelles Vergnügen ist es für Carolin aus Limbach. Früher erlebte sie als Kind, wie die Familie auch selbst ein paar Raketen gezündet hat, jetzt ihr kleiner Sohn. Viel mehr als 20 Euro hat sie aber für den Leucht-Spaß nicht ausgegeben.

Dass es kracht, ist keine neue Errungenschaft.
Überlieferungen nach, gehörte Lärmmachen zu Silvester schon vor dem Mittelalter dazu. Mit Rasseln und Töpfen, dann später mit Kanonenschüsse der Priviligierten - und jetzt eben mit Feuerwerkskörpern aus dem Supermarkt für Jedermann. Da schlägt auch Jürgen in einem Supermarkt in Ebelsbach zu - "freilich, das gehört einfach dazu", sagt er. An einen Jahreswechsel ohne eigenes Feuerwerk kann er sich nicht erinnern: "Ich böller eigentlich seit ich einen Knaller in der Hand halten kann." Am liebsten sind ihm nicht Raketen, die strahlend den Himmel erleuchten, sondern die Knaller, die er auf den Boden schmeißen kann, damit es richtig kracht.


Noch heute oft aus China
Das Schwarzpulver, das ein wichtiger Bestandteil ist, wurde wohl schon vor 1200 Jahren in China erfunden. Und noch heute ist China der weltweit größte Produzent und Exporteur von Feuerwerkskörpern.
Obwohl es Standard-Pakete in jedem Einkaufsladen zu kaufen gibt, überschreiten manche Silvester-Freunde Länder- und somit auch Gesetzesgrenzen. Alle Jahre wieder greift der Zoll im Reiseverkehr in den Wochen vor Silvester Kracher, Böller und Raketen ohne erforderliche Prüfkennzeichen auf. Die Feuerwerkskörper werden nicht nur beschlagnahmt, die Betroffenen müssen unter Umständen sogar mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren rechnen. Darauf weist das Hauptzollamt Schweinfurt hin. Denn wer verbotene Feuerwerkskörper aus dem Ausland nach Deutschland mitbringt, verstößt gegen die Vorschriften nach dem Sprengstoffgesetz und eventuell auch gegen das Zollrecht. Illegale Kracher, Böller und Raketen können zu schlimmen Verletzungen, wie etwa Knalltrauma, Verbrennungen, Verlust von Gliedmaßen oder Verätzungen führen, warnen Zoll- und Verbraucherschützer.


Mit dem Notarzt ins neue Jahr
Doch nicht nur der Einsatz von illegalen, sondern auch der falsche Umgang mit Böllern kann dazu führen, dass man die Silvesternacht im schlimmsten Fall in der Notaufnahme verbringen muss. Besonders die immer beliebteren "Batteriefeuerwerke" enthalten nicht gerade wenig Sprengstoff. Deshalb warnt die bayerische Gewerbeaufsicht vor allen ungeprüften lebensgefährlichen "Billig-Böllern" oder selbst gebastelten Silvester-Krachern.

Vor dem Zünden der Silvester-Knaller sollte man die Gebrauchsanweisung lesen. Und das am besten direkt nach dem Einkauf, bevor es dann in den Vorbereitungen untergeht, und bereits der Mitternachts-Countdown schlägt. Ein paar Grundregeln kann man sich Jahr für Jahr immer wieder bewusst machen: Feuerwerkskörper nie auf Menschen richten, Raketen und Böller immer im Freien und niemals aus der Hand abbrennen. Außerdem dürfen Raketen grundsätzlich nur standsicher senkrecht abgefeuert werden. Hierzu eignen sich beispielsweise leere Flaschen im Getränkekasten. Falls Feuerwerkskörper einmal versagen, niemals versuchen, diese erneut zu zünden. Blindgänger liegen lassen und mit Wasser löschen.


Alle auf einem Platz
Aus Sicherheitsgründen und getreu dem Motto "Von Sandern für Sander" wollen die Sander ihr Jubiläumsjahr schließen. Die Gemeinde ruft auf, das Feuerwerk gemeinsam zu zelebrieren. "Es wäre ein Zeichen der Verbundenheit und des Gemeinsinns, wenn die Feuerwerker, die ansonsten an ihrem Gartentor oder der nächsten Straßenecke ihre Böller in die Neujahrsnacht jagen, dies gemeinsam an einem Platz tun", teilt die Gemeinde mit. Vorgesehen dafür ist der Festplatz am Altmain, auf dem an der Kirchweih das Festzelt steht. Dort ist ein feuerfester Untergrund vorhanden und in der Umgebung befinden sich keine gefährdeten Gebäude. Die Silvesterböller sollen in Richtung Baggersee abgefeuert werden.


Verstärkt im Einsatz
Wie jedes Jahr werden in der Silvesternacht zahlreiche Polizeieinsätze erwartet. Feuerwerkskörper und reichlich Alkohol sind oft Auslöser für Zwischenfälle, weiß die Polizei aus Erfahrung. So waren beim Jahreswechsel 2013 rund 400 Notrufe bei der Einsatzzentrale für Unterfranken eingegangen. In etwa 150 Fällen waren es Schlägereien, Streitereien oder Randale, warum die Beamten und oft auch der Rettungsdienst ausrücken mussten. Kleinere Verletzungen oder Brände musste die Polizei durch falsches Feuerwerkzünden bisher in jedem Jahr aufnehmen. Wer vorsichtig ist, sich an die gesetzlichen Bestimmungen hält, sollte beim Verschießen von Feuerwerkskörpern keine bösen Überraschungen erleben. Schließlich freut sich Jürgen das ganze Jahr darauf: "Da ist Nostalgie dabei. Man(n) kann in einer Nacht wieder ein bisschen Kind sein."