"Na, das hat sich doch ganz gut angehört", meinte Oberaurachs Zweiter Bürgermeister Hans Albert (CSU) nach fast drei sehr schweißtreibenden Stunden in Fatschenbrunn. Um 16 Uhr bestieg die Landeskommission des Wettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" den Bus und nahm offenbar viele positive Eindrücke mit. Die Abschluss-Statements der einzelnen Fachbereiche waren sehr positiv.
Die Fatschenbrunner haben sich professionell präsentiert, zeigten die Entwicklung ihres Dorfes auf, waren selbstbewusst und um das Wohl ihrer Gäste besorgt. Angesichts der hohen Temperaturen waren Schirme und Wasserflaschen immer griffbereit.

Wie schon auf Bezirksebene praktiziert, standen Zahlentafeln für wichtige Themen bereit, was dem Leiter der Landesbewertungskommission Ministerialrat Günter Knüppel vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten besonders gut gefiel. Bürgermeister, Architekten, Landschaftsplaner, die Landesbäuerin, Vertreter des Jugendrings und des Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege, Heimatpfleger und ein Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung bilden die zwölfköpfige Jury.

18 Sieger im Bezirk

18 Dörfer wurden im vergangenen Jahr beim Bezirksentscheid mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und stehen jetzt im Landesentscheid - für Unterfranken Fatschenbrunn und Geldersheim, das morgen an der Reihe ist. Wenn am Samstag das letzte der Dörfer besichtigt ist, wird die Jury über vier Goldmedaillen entscheiden. Die vier Golddörfer werden Bayern dann 2016 im Bundesentscheid vertreten. Neben Medaillen und Preisgeldern wird auch eine Reihe von Sonderpreisen für herausragende Einzelleistungen vergeben.

Fatschenbrunn war schon ein besonders vitales Dorf, als es vor drei Jahren in den Wettbewerb einstieg, aber was sich seitdem entwickelte, beeindruckte nicht nur die Mitglieder der Kommission, sondern auch Landrat Wilhelm Schneider.

Reihum stellten Fatschenbrunner Bürger der Kommission die Geschichte des Dorfes, das einst als Rodungsinsel entstand, das Vereinsleben, das soziale Miteinander, die örtliche Gewerbestruktur, die Bauentwicklung, das integrierte Energiekonzept, die Tradition der Hutzel und vieles andere mehr vor und erläuterten Details.

Neuer Lehrpfad und Energiepreis

Auch Patrick Cassitti von der Uni Bamberg war vor Ort, um die Forschung zur Kulturlandschaft vorzustellen, aus der jetzt neben den wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch ein Lehrpfad für die breite Öffentlichkeit entstehen soll. Ganz aktuelle Kunde hatte Franz Hümmer dabei: Fatschenbrunn hat den Bürgerenergiepreis des Bezirks Unterfranken gewonnen - was umgehend begeistert mit dem Dorf-Schlachtruf kommentiert wurde.

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) hatte die Kommission eingangs begrüßt und kündigte an, dass Fatschenbrunn beeindrucken werde. Beeindruckend waren zum Abschluss des Rundgangs auch die Projekte, die Ortssprecher Reiner Renner noch in Planung aufzeigte. Dazu gehören ein Dorfladen und eine Elektrotankstelle mit Car-Sharing oder die Gemeinschaftsdarre, die am Sportplatz entstehen soll. Denn ganz Fatschenbrunn bemüht sich inzwischen, die uralte Hutzeltradition lebendig zu erhalten.

"Die Fatschis"

Die Einzelstatements der Fachbereiche fielen denn auch sehr positiv aus. Dem Landschaftsarchitekten Klaus Neisser gefiel "dass Ihr emanzipiert seid, Ihr seid die Fatschis". "Ich bin vollkommen baff", sagte Bernd Karl, der mit seinem Kollegen Guido Romor per Pferdekutsche in die Flur gefahren wurde. Sie hatten "Das Dorf in der Landschaft" zu bewerten und fanden "trotz eingehender Bemühungen" keine Beanstandung.

Fatschenbrunn besticht durch die ausgedehnten Streuobstbestände mit teils jahrhundertealten Sorten, durch einen sensiblen Umgang mit der Bausubstanz und sein, wie es die Einheimischen empfinden, unschlagbares Gemeinwesen.
So erzählten Zugezogene, Wiederheimkehrer, junge Menschen, die der Liebe wegen nach Fatschenbrunn kamen, und Wilma Ludwig, deren Haus vor zwei Jahren niederbrannte, wie gut die Gemeinschaft hier funktioniert.

Die Konkurrenten im Wettbewerb

Im Landesentscheid 2015 stehen mit Fatschenbrunn folgende Orte: Alt-Oberasbach (Kreis Fürth), Döringstadt (Kreis Lichtenfels), Gaisthal (Kreis Schwandorf), Geldersheim (Kreis Schweinfurt), Hirnsberg und Schönau (beide Kreis Rosenheim), Lahm und Pülsdorf (beide Kreis Coburg), Graben und Meinheim (beide Kreis Weißenburg-Gunzenhausen), Moosdorf und Reichenbach (beide Kreis Cham), Neudrossenfeld (Kreis Kulmbach), Perlesreut (Kreis Freyung-Grafenau), Schönbrunn (Kreis Wunsiedel), Seeg (Kreis Ostallgäu), Steppach (Kreis Bamberg) und Wiesenfelden (Landkreis Straubing-Bogen).