"Wir müssen ja nicht reich werden, unser Ziel ist die so genannte schwarze Null mit ein paar Rücklagen für schwächere Jahre", das erklärte die Geschäftsführerin des Kreis-Caritasverbandes Haßberge, Anke Schäflein, vor der Vertreterversammlung, die am Dienstagabend in Haßfurt zusammenkam.

Die Caritas ist im Landkreis einer der wichtigsten Träger von stationären und ambulanten Altenpflegeeinrichtungen, von Kindertagesstätten und Anbieter von zahlreichen Beratungsdiensten. Besonders intensiv ist derzeit die Asylberatung.

Vorsitzender Johannes Simon zeigte eingangs den Werbespot zum Jahresthema der Caritas "Stadt-Land-Zukunft" und auch den aktuellen Spot zum Thema Flüchtlinge. "Die beiden Themen passen eigentlich gut zusammen", erklärte dazu Anke Schäflein, denn einerseits werde das flache Land immer leerer, andererseits kämen sehr junge Menschen zu uns.
Dieser Zustrom sei eine Herausforderung, finanziell auch eine Belastung, aber "er kann auch eine Chance sein".

Der Tätigkeitsbericht von Johannes Simon zeigt das breite Engagement der Caritas im Landkreis auf. Drei Schwerpunkte griff er heraus. So wurde die Mitarbeiterzahl in der Asylberatung massiv aufgestockt. Früher war hier eine halbe Stelle vorgesehen, der Tätigkeitsbericht 2014 wies noch drei Vollzeitstellen aus, mittlerweile sind es fünf vollbeschäftigte Asyl-Sozialberater, die sich um 1000 Flüchtlinge kümmern.

Schäflein und Simon stellten sich eindeutig hinter die dezentrale Lösung im Landkreis Haßberge, auch wenn das bedeute, "dass nicht immer alles gleichzeitig erledigt werden kann". Ein großer Dank galt den vielen Ehrenamtlichen, "dank ihnen geht das bei uns im Kreis alles sehr reibungslos", so Simon.

Einen ausgeglichenen Haushalt präsentierte der stellvertretende Geschäftsführer Georg Wagner. Nach einem leichten Verlust von 74 000 Euro im Vorjahr konnte in 2015 ein Plus von 80 000 Euro erwirtschaftet werden. Erreicht werden konnte das vor allem durch die Erhöhung der Pflegeentgelte, denn das Hauptengagement der Caritas liegt in der ambulanten und stationären Altenhilfe. 1,245 Millionen Euro steuert die katholische Kirche für den Haushalt der Kreis-Caritas bei, der sich auf rund elf Millionen Euro beläuft. 8,56 Millionen davon sind Personalkosten. Die Kosten für die Flüchtlingsberatung werde zu fast 100 Prozent aus Kirchensteuermitteln ersetzt.


Viel Leben im Echter-Haus

In ihrem Lagebericht informierte Anke Schäflein, dass die Auslastung der Beratungsstellen weiterhin hoch sei, auch die verschiedenen Unterstützungsangebote für psychisch Kranke vom Tageszentrum bis zur Wohngruppe seien weiter hoch ausgelastet. Die Flüchtlingsberatung bringe viel Leben ins Echter-Haus, "aber das ist auch schön, denn das sind meist sehr höfliche und freundliche Menschen", berichtete Schäflein.

Im größten Leistungsbereich, der Altenhilfe, ist der Umbau von St. Bruno in Haßfurt angelaufen, der erste Bauabschnitt werde Anfang 2016 fertig. Die Entscheidung zu einer Verringerung der Plätze sei die richtige gewesen, zeigte sich Anke Schäflein überzeugt. Alle Zahlen und Entwicklungen sprechen dafür. "Wir brauchen nicht mehr stationäre Altenpflegeplätze im Landkreis", erklärte sie. Das zeigten die Auslastungszahlen ebenso wie die gesellschaftlichen Entwicklungen: "Wir altern gesünder, werden später pflegebedürftig". Wichtig sei es, kleine, dezentrale Wohnformen wie St. Martha in Knetzgau anzubieten.

Das größte Problem, das Schäflein kommen sieht, ist der Fachkräftemangel gerade in der Pflege. 177,77 Vollzeitstellen hat der Verband, 336 Mitarbeiter, darunter 15 Auszubildende. Allerdings sei die Krankheitsquote mit 7,3 Prozent hoch. Das liege einerseits an der körperlich und psychisch anstrengenden Arbeit in der Pflege, andererseits aber auch am hohen Altersdurchschnitt.

Ob die Auszubildenden bleiben würden, wurde aus der Versammlung gefragt. Ziel der Caritas sei es, die neu Ausgebildeten zu behalten, doch nicht alle würden bleiben, erklärte die Geschäftsführerin. "Wir verlieren auch immer wieder Mitarbeiter nach Österreich oder in die Schweiz, mit diesen Löhnen können wir nicht konkurrieren". Außerdem sei die Verweildauer im Altenpflegeberuf "erschreckend niedrig mit fünf Jahren". Eines ist für Anke Schäflein sicher: "Mehr Beschäftigte in der Altenpflege als jetzt werden wir nie mehr haben, weil es sie schlichtweg nicht gibt".

Ein Abschied beendete die Vertreterversammlung, denn nach 15 Jahren als Caritas-Seelsorger wird Pfarrer Martin Wissel im Sommer den Landkreis Haßberge verlassen.