Eltmann setzt ein Zeichen für Fairen Handel und soll die erste "Fairtrade-Town" im Landkreis Haßberge werden. "Sie erfüllen schon fast alle Kriterien", erklärte Shiloe Mokay-Rinke vom Verein "Eine Welt Netzwerk Bayern" in der Stadtratssitzung am Dienstag, unter anderem durch das Engagement des Weltladens Eltmann.
Das Landesnetzwerk wurde 1999 von allen entwicklungspolitischen Gruppen in Bayern gegründet, wird finanziert von der Bayerischen Staatsregierung, dem Bundesministerium für Zusammenarbeit, der evangelischen und katholischen Kirche sowie "Engagement Global" und den Beiträgen der 158 Mitgliedsgruppen. Auch der Weltladen Eltmann ist Mitglied. Das Netzwerk ist aber nicht Träger der Kampagne "Fairtrade-Towns", sondern die Initiative TransFair, bekannt durch die Fairtrade-Symbole auf fair gehandelten Produkten (www.fairtrade-deutschland.de).

Shiloe Mokay-Rinke erläuterte dem Ratsgremium, dass das Siegel kontrollierten Handel mit Produkten von Bauern in Afrika, Lateinamerika und Asien betreibe. "Das garantiert den Produzenten einen höheren Preis und ein festes Einkommen, das zum Leben reicht". Außerdem werde auf Umwelt- und Sozialstandards geachtet. Das könne jederzeit nachgewiesen werden, erklärte sei auf Nachfrage aus dem Gremium.


Großes Engagement

Neben dem Aspekt der Entwicklungsländer bedeute Fairtrade aber auch lokal, regional und saisonal. "Es gilt der Leitspruch ,Global denken, lokal handeln'", betonte sie. Das Siegel "Fairtrade Town" erhalten Städte, in denen das Engagement für den Fairen Handel besonders groß ist. Weltweit gebe es über 950 solche Städte, in Deutschland um die 60, in Unterfranken 18, der Landkreis Haßberge sei der einzige Kreis ohne "Fairtrade-Town".
Dabei erfülle Eltmann schon so viele Kriterien, habe einen sehr aktiven Weltladen, der nicht nur verkauft, sondern auch aktive Bildungsarbeit zum Thema Fairtrade leistet. Die Wallburg-Realschule ist Fairtrade-Schule. Neben dem Weltladen bieten der Bioladen und die Edeka-Filiale Waren aus Fairem Handel an.

Auch hat die Stadt längst Beschlüsse, dass bei Auftragsvergaben ausbeuterische Kinderarbeit geächtet wird. Bei den Biertagen, beim Obst- und Gartenbauverein und anderen Festen wird fairer Kaffee ausgeschenkt.
Auch im Rathaus will man künftig noch stärker auf Fair gehandelte Waren achten, versprach Bürgermeister Michael Ziegler (CSU).

Der Stadtrat stimmte nach dem mitreißenden Vortrag einstimmig dafür, das Siegel als "Fairtrade-Town" zu beantragen und mindestens fünf Kriterien zu erfüllen. Michael Ziegler möchte aber mehr tun, die gesamte Bevölkerung sensibilisieren und auch die Gastronomie noch stärker ins Boot holen.
Besonders gut gefiel einigen Mitgliedern des Gremiums eine Formulierung im Muster-Ratsbeschluss: "Bei allen Sitzungen des Rates und der Ausschüsse sowie im Bürgermeisterbüro wird fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel verwendet". In den Ratssitzungen gibt es bisher ausschließlich Mineralwasser.


Sonderregelung für Handwerker?

Im weiteren Verlauf der Sitzung befürwortete das Gremium, auch für den Stadtteil Lembach ein Flurbereinigungsverfahren durchzuführen.
Immer wieder beschweren sich Handwerker im Rathaus, weil sie in der Altstadt auf einer Baustelle arbeiteten und währenddessen ihr Betriebsfahrzeug auf der Straße ein "Knöllchen" erhalten hat. Für die Parküberwacherin sei oft schwer zu entscheiden, von wem das Fahrzeug aus welchem Grund abgestellt wurde. Der Stadtrat war deshalb gefragt, ob er eine Parkerleichterung für Handwerker und Soziale Dienste einführt,, und wenn ja, nach welchem Modell.

Wenn jeder Handwerker für jede Baustelle auf die Stadt gehen müsse, stehe das in keinem Verhältnis zum eventuell drohenden Strafzettel, meinte Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Häfner - und der Notfall-Handwerker, der beispielsweise einen Wasserrohrbruch repariert, habe gar keine Chance. Ein anderes Modell, nämlich dass Bauherren beziehungsweise Architekten dafür sorgen, dass die Handwerker ihre Fahrzeuge im Umfeld der Baustelle abstellen können, stellte Thomas Bauerschmitt zur Diskussion.
Schließlich wurde deutlich, dass es noch Diskussionsbedarf gibt, um die für Eltmann zweckmäßige Regelung zu finden. Deshalb soll das Thema in das Verkehrskonzept einfließen, das die Stadt gerade entwickelt.