Jedes Jahr schleicht sich die Adventszeit hinterrücks in den überfüllten Alltag. Heimlich, still und leise? Ist sie das auch, diese Vorweihnachtszeit? Wohl schon lange nicht mehr, wenn man über alle möglichen technischen Geräte, zu jeder Tages- und Nachtzeit mit jedem Menschen auf dieser Erde kommunizieren kann. Mobil sein. Kommunizieren auf der einen Seite, kurz mal mitten in der Nacht noch ein Geschenk bestellen auf der anderen Seite.

Aber das Netz bietet nicht nur Materielles, über regionale Gruppen werden auch kreative Geschenk- und/oder Bastelideen verbreitet. Es ist nämlich gar nicht so einfach, Jahr für Jahr das richtige Geschenk zu finden. Auf der Suche geht die eigentliche Botschaft des Schenkens im Alltagschaos und Vorweihnachtsstress hin und wieder verloren: jemandem eine Freude machen.


Es muss umsonst sein

Das ganze Jahr über widmen sich sogenannte "Share-and-Care"-Gruppe - ob "Share and Care Haßberge", Bamberg oder Haßfurt diesem Motto. Über das Soziale Netzwerk Facebook wird allerhand geteilt: von angefangenen Lebensmittelverpackungen, über Geheimtipps zum Ausgehen bis zur Inneneinrichtung. Die Voraussetzung: umsonst. Um des Schenkens Willen und vielleicht ein bisschen mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit.
So macht die Share&Care-Gemeinde - wie sie sich immer wieder selbst betitelt - auch auf alternative Ideen aufmerksam. Die Ideen sind meist simpel, aber manchmal fehlt der Auslöser, um sich über das Naheliegendste bewusst zu werden. Was schenkt man Freunden und Verwandten, die man viel zu selten sieht? Gemeinsame Augenblicke - Zeit.

Das rät auch Spielpädagoge Michael Keim aus Königsberg. "Wer ein Spiel verschenkt, sollte auch die Zeit dazu schenken, das Spiel gemeinsam zu spielen und auszuprobieren", sagt er. Eben dieser Geschenk-Ansatz hat sich über die Sozialen Medien in den vergangenen Jahren durchgesetzt: "Zeit statt Zeug" (www.zeit-statt-zeug.de). Nanna Beyer war an der Entstehung dieses Projektes, das keine räumliche Grenzen kennt, beteiligt. Eigentlich sollte es nur eine nette Aktion am Ende des Jahres für ihre Geschäftskunden sein. Doch die Unternehmer Scholz und Volkmer scheinen den Nerv der Zeit getroffen zu haben. "Mit dem Weihnachtsprojekt wollen wir wieder den schönen Moment des Schenkens in den Mittelpunkt rücken", erklärt Nanna Beyer.

"Mit diesem Projekt schaffen wir ein Stück weit einen offiziellen Rahmen, der es legitimiert, Zeit statt Zeug zu verschenken", versucht Beyer die Erfolgsbotschaft hinter dem Projekt zu erklären. Gutscheine zu verschenken ist nichts Neues. Was damit einhergeht, die Umschläge bleiben liegen: erst Wochen, dann Monate. Oft bringt erst das drohende Verfallsdatum einen Termin zustande. Gemeinsame Augenblicke über das Portal "Zeit statt Zeug" zu verschenken, kostet kein Geld, aber fordert Verantwortung, "während man den Gutschein ausfüllt, muss man sich bewusst mit dem Kalender in der Hand auseinandersetzen, wann man sich die Zeit nehmen kann".

Versendet wird das Ganze per E-Mail. Das Projekt schafft den Anreiz, sich über den Sinn des Schenkens und den Unsinn des Geldausgebens Gedanken zu machen. "Damit am Heiligen Abend etwas unter dem Baum liegt, kann man ja eine persönliche Karte dazu schreiben. Aber es ist wichtig, dass nicht immer das Monetäre im Vordergrund steht. Sondern das, was man selbst in sich trägt", sagt Beyer. Und sicherlich, das Projekt kann auch einfach nur als Inspiration zum mal wieder selber kreativ werden dienen. Wie Selbergebasteltes, das auf den Weihnachtsmärkten zum mal wieder handwerklich aktiv werden anspornt und eigentlich oft ganz einfach nachzumachen ist.

Das Miteinander

Geschenke gehören von Kindheit an zu Weihnachten dazu. Auf die Bescherung freuen sich nicht nur die Kleinsten. Und trotzdem verändert sich beim Verständnis von Weihnachten im Laufe des Lebens einiges: "Beim Christkind kommt es ganz darauf an, wie man es versteht", erklärt der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. "Der ganze Aufwand, der in der Geschäftswelt betrieben wird und wo das Christkind dann als weihnachtsmannartige Figur erscheint, da muss man den Begriff ganz stark der jeweiligen Kultur zuordnen." Aber man kann es immer wieder auf das Wesentliche beziehen. Das Miteinander - und eben miteinander Zeit verbringen.

Überhaupt etwas zu schenken scheint sehr wichtig zu sein. Sonst gäbe es in den Kaufhäusern keine Schlangen an den Kassen. Auf die Frage, warum sich die Passanten ins Getümmel stürzen, gibt es zwei Antworten, die immer wieder zu hören sind: "Das gehört eben zu Weihnachten dazu." Aber auch: "Geschenke machen ist schön." Vielleicht sollte man sich die Zeilen von Ringelnatz vor Augen führen, bevor in letzter Sekunde der unnötige Einkaufsstress ausbricht und am Ende erst nicht das passende Geschenk, sondern das sechste Parfum, der fünfte Schal, das dritte Handy gekauft wird: "Schenke Groß oder Klein, aber immer gediegen, so dass die Bedachten die Gaben wiegen." Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, bedeutet dem ein oder anderen ein Kochabend viel mehr als ein Kochbuch.


Weihnachtsgeschenke im Haßberge-Stil

Einige Geschenkideen, die ganz bestimmt noch auf den letzten Drücker umzusetzen sind, und - wenn bedachtsam ausgewählt - garantiert, auch ohne großen finanziellen Aufwand Freude unterm Weihnachtsbaum bereiten.
Eine Kindheitserinnerung, die eigentlich als Erwachsener noch einen zusätzlichen Reiz gewinnt: Vorlesen. Schließlich kann man mittlerweile selbst das Buch in der Hand halten und lesen. Muss man aber mit so einem Gutschein nicht. Stattdessen: Kerzen an, in die Kuscheldecke einmummen, Augen zu, Ohren auf - wenn sich da mal nicht die Fantasie entfalten kann. Und verbunden mit einem Bücherei-Besuch kann der Beschenkte das Buch sogar selbst auswählen. In Ebern gibt es in der Bücherei (bis 23.12. geöffnet) zum Beispiel Gutscheine für ein Jahr lesen im Wert von 6 Euro für Erwachsene.

Geschenk für nah und fern

Und für alle, die sich nicht gemeinsam auf ein Sofa kuscheln können: Ein privates Hörbuch ist mit einem aktuellen Smartphone ganz schnell aufgenommen. Dann spielt auch die Entfernung keine Rolle.
Wer trotz Heizung daheim friert: Gegen die Kälte hilft - abgesehen vom Heizung anschalten - in diesen Tagen ein Saunagang. Aber bloß nicht auf die Idee kommen, das eigene Badezimmer in eine Schwitzkammer zu verwandeln - das ging des Öfteren schief und kann wahrlich gefährlich werden. Der Eintritt im Haßfurter Erlebnisbad kostet im Winter maximal vier Euro pro Erwachsener, Sauna drei Euro zusätzlich. Im Wasser und der Wärme lässt sich nicht nur entspannen, sondern auch bei der ein oder anderen Bahn das Weihnachtsessen abtrainieren.

Trotz Eisglätte könnte auch eine Eisprinzessin ins Schwitzen kommen: Einen Tag auf Kufen über gefrorenes Wasser tanzen. Ob mit Mama und Papa das Schlittschuhlaufen lernen, mit dem Partner romantisch händchenhaltend ein paar Runden drehen, oder doch mit Freunden zur Eisdisco im Eissportstadion in Haßfurt.

Weniger sportlich, und von einem Sessel in den nächsten, ist ein gemeinsamer Kinobesuch in Zeil. Wer für die aktuellsten Filme kein Geld ausgeben mag, kann sich über die Feiertage auch mal wieder durch die eigene DVD-Sammlung schlagen. Popcorn lässt sich auf jeden Fall in einer Pfanne mit dem richtigen Mais ganz einfach selber machen. Ein letzter Tipp für alle gutscheinartigen Geschenke: Gleich ein Datum festlegen. Verschoben werden kann der Termin immer noch. Aber wer was schwarz auf weiß im Kalender stehen hat, denkt zumindest später noch einmal dran.