Eine Feierstunde im Pfarrheim, umrahmt vom Senioren-Blasorchester, bildete den Rahmen für die Überreichung der Ehrenbürgerurkunde an Hugo Ackermann. Wohl wenige andere haben sich so vielseitig um die Gemeinde Sand und die Allgemeinheit verdient gemacht. Das ging aus der Laudatio des Bürgermeisters Bernhard Ruß hervor.


Ehrenbürger, das ist etwas Besonderes

"Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft haben wir in Sand die Messlatte sehr hoch gehängt. Es ist deshalb schon etwas Besonderes, wenn der Gemeinderat in seiner Sitzung von 26. Juni auf Antrag des CSU-Ortsvereins Sand den Beschluss fasste, Sie Herr Hugo Ackermann, zum Ehrenbürger der Gemeinde Sand zu ernennen", sagte Ruß.

Die Liste der Verdienste von Ackermann ist lang, wie Ruß ausführte: Im rekordverdächtigen Zeitraum von 42 Jahren, von 1972 bis 2014, war Hugo Ackermann Mitglied des Gemeinderats - zwölf Jahre davon als Dritter Bürgermeister und von 1990 bis 1996 als Zweiter Bürgermeister. "Hugo Ackermann hatte stets ein Pflichtbewusstsein gezeigt, das über das Maß eines ,normalen Gemeinderates‘ hinausging. Besonders während der längeren Erkrankung des damaligen Bürgermeisters Franz Blasl lag die Verantwortung als amtierender Bürgermeister für Verwaltung und Gemeinde auf seinen Schultern," beschrieb Ruß.


Kommunalpolitische Laufbahn

1972 war Hugo Ackermann erstmals über die CSU-Liste mit überwältigender Mehrheit in den Gemeinderat gewählt worden. Bei den folgenden sieben Kommunalwahlen hatte er stets ein herausragendes Stimmenergebnis erzielt. In den vier Jahrzehnten seiner Gemeinderatstätigkeit wirkte er in Gremien. Besonders gefragt war sein Wissen als "Finanzer" und "Personaler" beim Generationswechsel in der Verwaltung - er war im Finanz- sowie im Hauptverwaltungs- und Personalausschuss vertreten. "Aufgrund seiner außerordentlichen Leistungen für unsere Kommune wurde Herr Hugo Ackermann im Jahre 2003 mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze und im Jahre 2012 in Silber ausgezeichnet. Es dürfte auch einmalig sein und bleiben, dass sich jemand 42 Jahre lang unermüdlich und mit vollem Engagement als Gemeinderat für die Belange seiner Gemeinde und seiner Mitbürger einsetzt", sagte Bernhard Ruß.


Überzeugter Sander Vereinsmensch

Ackermanns Engagement ging weiter: Mit Willibald Selig hatte er 1969 den CSU-Ortsverband gegründet und wirkte bis 2010 ständig im Vorstand mit sowie als Delegierter auf Kreis- und Bezirksebene.
1962 war Ackermann Mitbegründer des Sportanglervereins Sand. Zehn Jahre fungierte er als Zweiter Vorsitzender, 1988 bis 2000 als Vorsitzender; weitere zehn Jahre kümmerte er sich um die Finanzen des Vereins. In den über 40 ehrenamtlichen Jahren erlebte der Anglerverein einen großen Aufschwung, was Wunder, dass Hugo Ackermann hier auch als Ehrenmitglied geführt wird. Das Anglerheim wurde unter seiner Regie errichtet.

Auf seine Initiative und mit persönlichem Einsatz richtete Hugo Ackermann 1991 im Erholungsgebiet "Altmain" den Gewässerlehrpfad an. Nachdem die Schaukästen in die Jahre gekommen waren, richtete sie Hugo Ackermann in Eigeninitiative und auf eigene Kosten mit seinem Bruder Raimund zur 875-Jahr-Feier der Gemeinde Sand in rund 100 Arbeitsstunden wieder her.

Ackermanns Verdienste reichen noch weiter: Er war an der Gründung des damaligen Jugendblasorchesters 1956 maßgeblich beteiligt. 30 Jahre musizierte er in der Kapelle, die als Sander Blasorchester weit und breit bekannt ist. 25 Jahre wirkte Ackermann im Vorstand des "BOS", davon 13 Jahre als Vorsitzender; außerdem fungierte er als Schriftführer, Zweiter Vorsitzender und als Vorstandsmitglied. Er prägte das Bild des Blasorchesters mit. Unter seiner Führung gab es zahlreiche unvergessliche Musikfeste in Sand. Und natürlich ist Hugo Ackermann auch beim "BOS" Ehrenvorsitzender. Auf den Lorbeeren ruhte er sich nicht aus, sondern gründete im "Unruhestand" mit ehemaligen Musikerkollegen die BOS-Seniorenkapelle: Hier ist er Dirigent und Organisator.


Kulturelles Engagement

Um ein Sander Vermächtnis haben sich Hugo Ackermann und sein Bruder Raimund gekümmert. Sie stellten für folgende Generationen das "Liederbuch der Sander Musikanten" zusammen und gaben es heraus. Nicht zuletzt hat Hugo Ackermann die handschriftlichen Aufzeichnungen über lustige Alltagsgeschichten seines Bruders Franz gesichtet und in Mundart und im Sander Dialekt im Gedichtband "Der Öpfelmoost" zusammengefasst. Für Bürgermeister Ruß eine klare Sache: "Mit der Herausgabe des ,Liederbuchs der Sander Musikanten‘ und ganz besonders mit dem Gedichtband ,Der Öpflmoost‘ hat Hugo Ackermann einen wertvollen Beitrag zur Volkskultur und zur Heimatgeschichte unserer Dorfes geleistet."


Verantwortung nie gescheut

Bernhard Ruß betonte, Ackermann habe "Verantwortung für die Gemeinde Sand und für die Allgemeinheit übernommen und sich durch ehrenamtliche Tätigkeit im Gemeinderat und in den Vereinen für unsere Heimatgemeinde eingesetzt. Ihre Kompetenz fand auch dahingehend Anerkennung, dass Sie über Jahre hinweg in den Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer von Unterfranken berufen wurden. Um Ihren gezeigten Einsatz für die Allgemeinheit erbringen zu können, war es erforderlich, Ihre persönlichen Interessen und die Bedürfnisse Ihrer Familie zurückzustellen."

"Es ist leichter ein Held zu sein als ein Ehrenmann. Ein Held muss man nur einmal sein, ein Ehrenmann immer", sagte in der Feierstunde Andrea Rippstein im Namen des CSU-Ortsverbands. Es sei weniger die gemeinsame politische Ausrichtung, vielmehr die persönliche Hochachtung vor dem ehrenamtlichen Wirken von Hugo Ackermann, die Respekt abnötigt. Rippstein führte aus, eine Gesellschaft brauche Menschen, die nicht nur an sich selbst denken. Sein jahrzehntelanges politisches Engagement hätten der CSU-Ortsverband mit den Gemeinderäten der CSU/Freie Sander Wähler zum Anlass genommen, ihn für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde vorzuschlagen. Dass der Gemeinderat fraktionsübergreifend die Ehrenbürgerschaft bewilligte, zeige das hohes Maß an Akzeptanz und Respekt der Ratskollegen und Bürger und sei persönliche Anerkennung.
Andrea Rippstein führte aus, Hugo Ackermann sei als Persönlichkeit Verantwortung nie aus dem Weg gegangen. Sein Dienst an der Allgemeinheit sei nachahmenswert und beispielhaft für jede Generation. "Wir brauchen keine Helden, sondern Mitmenschen wie Hugo Ackermann, die sich jeden Tag aufs Neue für unser Gemeinwesen einsetzen", so Andrea Rippstein abschließend.

Ackermann war gerührt und bewies die ihm eigene Zurückhaltung und Bescheidenheit: "Ich habe Zweifel, ob ich diese Ehre verdiene, denn ich habe doch nichts anderes getan, als mich für das Gemeinwohl einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Dies alles war nur möglich, weil mir die Bürgerinnen und Bürger, die Vereinsmitglieder sowie die Mitarbeiter in anderen Gremien ihr Vertrauen schenkten." Er dankte seiner Gattin Mathilde und seiner Familie, die Verständnis für seine ehrenamtliche Lebensinhalte aufbrachten. "Glauben Sie nicht, dass ich durch diese Ehrung nun ein anderer Mensch werde. Ich bleibe wie bisher ein Freund unter Freunden, ein Kollege unter Kollegen, ganz einfach gesagt: Ein einfacher, bescheidener Mitbürger", endete Hugo Ackermann.