"Was mir in der Vorbereitung des Konzertes klar wurde, ist, dass alle Texte von Marienlieder in die Weihnachtsgeschichte münden", sagte Ulrike Zeidler wenige Tage vor dem Auftritt mit ihrem Chor. Was der Kammerchor der Musikschule Ebern am Wochenende in Haßfurt und Ebern geboten hat, hat aber nichts mit einem Weihnachtskonzert zu tun. Es war präzise Vokalmusik zu Ehren der Muttergottes im Marienmonat Oktober.

Die 21 Sängerinnen und Sänger haben anrührend bewiesen, dass man ein Konzert mit der Länge von eineinhalb Stunden nur mit einer einzigen Frau füllen kann. Quer durch die Epochen und Sprachen lobten sie die Himmelskönigin. Das doppelchörige und sehr bekannte Chorwerk "A hymn to the virgin" von Benjamin Britten - das dem Konzertereignis den Namen lieh - machte dabei den Anfang in der Reihe der musikalischen Hymnen. Vierstimmige Laudesgesänge aus dem 15. und 16.
Jahrhundert führten zurück in die italienische Kirchenmusik.

In einem Rundbogen

Ulrike Zeidler hat mittlerweile 40 Jahre Erfahrung in der Chorleitung. Zunächst schien es verwunderlich, warum sich der in schwarz-gekleidete Chor, zum Singen der spanischen Cantigas aus dem 13. Jahrhundert in den Altarraum in einen Rundbogen zurückzog. Doch das Flehen und der eindrucksvolle Klang dieser einstimmigen Gesänge für die "aller Frauen höchste Gebieterin" kam dabei am besten zur Geltung.

Bárdos, Wawer, Rheinberger, MacMillan und Biebl zählen zu den Ave-Maria-Komponisten der neueren Zeit. Im Gegensatz zu den frühen Jahrhunderten vertonen diese in ihren Vokalwerken oftmals Stellen aus dem Lukas-Evangelium: "Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade." Mit bis zu acht Stimmen tönten die Motetten im Wechselklang zwischen Solisten und Chor durch die Kirchenräume in Ebern und Haßfurt. Manfred Eller präsentierte sich solistisch an der Orgel vor allem mit Werken von Josef Rheinberger aus dem 19. Jahrhundert.

"Eine Tradition"

Die Sänger des Kammerchores nahmen die Herausforderung, allein durch die Stimme dem Gesang einen bewegten Ausdruck zu verleihen: Es wurde a cappella gesungen. "Das ist aber die Tradition des Chores. Genauso wie Manfred Eller seit mehr als 20 Jahren schon als Organist die Konzerte des Kammerchores begleitet", erklärte Ulrike Zeidler, "ich könnte es mir überhaupt nicht ohne ihn vorstellen."