Wenn ein Angeklagter mehrfach vorbestraft ist und sogar unter laufender Bewährung steht, kennt ein Staatsanwalt in aller Regel kein Pardon. So auch bei der Verhandlung am Haßfurter Amtsgericht am Mittwoch, als Peter Bauer, der Vertreter der Anklage, einen 31-Jährigen wegen Nötigung und falscher Verdächtigung sieben Monate einsperren lassen wollte. Das Schöffengericht aber drückte ein Auge zu: Lediglich wegen Nötigung wurde der Mann zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt.

Ehestreit eskalierte

Hintergrund: Der Angeklagte ist seit zwei Jahren verheiratet und Mitte August 2013 herrschte dicke Luft: Nach einem bösen nächtlichen Streit eskalierte am folgenden Tag die Lage, als die Ehefrau im Wagen einer Freundin wegfahren wollte. Begleitet von einer lautstarken Schreierei stellte sich der völlig aufgebrachte Ehemann zuerst vor den Wagen, lief dann zur Seite, klopfte ans geschlossene Fenster und sprang schließlich - gerade als das Fahrzeug anfuhr - unvermittelt auf das Auto zu.

Eine unbeteiligte Zeugin hatte alles von ihrem Balkon aus beobachtet. Sie schilderte glaubhaft, dass der wütende Mann einen ganzen Schritt seitlich von dem Jeep entfernt gestanden sei. Just in dem Augenblick, als die Fahrerin den Gang einlegte und die Kupplung langsam losließ, sei er "in das Fahrzeug reingehüpft." Die Zeugin bewertete dieses Verhalten als "Schauspielerei."

Tatsächlich rollte dem Mann der hintere rechte Autoreifen bei Schrittgeschwindigkeit zuerst über den Fuß und anschließend sogar übers Bein. Erstaunlicherweise blieben die Knochen heil und es gab nur Schürfwunden. Nachdem zwei Streifenwagen gekommen waren und die immer noch erhitzten Gemüter beruhigt hatten, fuhr ein Rettungswagen den Verletzten in das nahe Krankenhaus.

Die Staatsanwaltschaft sah neben der Nötigung auch eine strafbare falsche Verdächtigung des Mannes gegenüber der Fahrerin. Die als Zeugen vernommenen Polizisten konnten sich nicht an den genauen Wortlaut erinnern. Und so kam es hinsichtlich des Anklagepunktes falsche Verdächtigung zu einem Freispruch, weil nicht zweifelsfrei bewiesen werden konnte, dass der sechsfach Vorbestrafte den Beamten gegenüber behauptet hatte, die Fahrerin habe ihn absichtlich überfahren.

Frauen verweigern die Aussage

Zum Glück für den Staplerfahrer machten Mutter wie Gattin von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Aktuell, informierte der schlanke Mann auf der Anklagebank das Gericht, habe er sich mit seinem Herzblatt wieder versöhnt.

In ihrer Urteilbegründung sprach Richterin Ilona Conver bei der doppelten Bewährung von einem "allerletzten Warnschuss." Er sei haarscharf am Knast vorbeigeschrammt.

Rechtsanwalt Jens Urban und sein Mandant zeigten sich mit dem Richterspruch sehr zufrieden, ob der Staatsanwalt in Berufung geht, blieb offen.