Einen regelrechten Preisregen erlebten mehrere Schüler im Landkreis Haßberge. Am neu gegründeten Institut für Ethik in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft in Fürth wurden Lisa Altenhöfer aus Oberaurach und der Ethikkurs der 9. Jahrgangsstufe am Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt ausgezeichnet. Dieser Kurs gewann auch einen außergewöhnlichen Preis beim Wettbewerb des Bundespräsidenten "Alle für eine Welt für alle".


Die Hingabe faszinierte

Lisa Altenhöfer aus Trossenfurt besuchte das Maria-Ward-Gymnasium in Bamberg und wurde im Religionsunterricht durch den Besuch einer ehrenamtlichen Hospizhelferin auf das Thema Sterbebegleitung aufmerksam. Sie besuchte die Bamberger Palliativstation im Christine-Denzler-Labisch-Haus und war fasziniert von der Hingabe der Stationsschwestern und vor allem der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit unentgeltlich für Schmerzpatienten, Sterbende und ihre Angehörigen engagieren.


Seminararbeit

"Als ich dann in der Oberstufe den Kurs Wirtschafts- und Unternehmensethik auswählte, kam mir sofort das Hospiz als Beispiel für Wirtschaftsethik in den Sinn", so Lisa im Gespräch mit unserer Zeitung. So lautete das Thema ihrer Seminararbeit "Euthanasie - ein vielschichtiger Begriff. Bedeutung der menschenwürdigen Sterbebegleitung durch Hospizarbeit". Darin zeigt sie auf, dass Hospiz ein wichtiges Element des Gesundheitssystems ist mit einem hohen Bedarf, aber unzureichenden Kapazitäten. Ein weiteres Ergebnis ihrer Arbeit: Ohne ehrenamtliches Engagement wird Hospizarbeit wegen der hohen Kosten auch künftig nicht leistbar sein. Mit ihrer Absicht, für diese Problematik gerade auch ihre eigene Generation zu sensibilisieren, traf sie genau die Zielsetzung des neuen Ethik-Instituts in Fürth und des Wettbewerbs, den die Wilhelm-Löhe-Hochschule dazu ausgeschrieben hatte, und sie wurde für ihre Seminar-Arbeit mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Inzwischen studiert Lisa Grundschullehramt und Didaktik.


Sonderpreis für Comic

Ein Sonderpreis im gleichen Wettbewerb ging an die Karikatur des Ethikkurses vom Regiomontanus-Gymnasium. Ethiklehrer Christian Papstmann ermutigt seine Schüler, an solchen Wettbewerben teilzunehmen, und die engagieren sich gerne in solchen Projekten.
Der Kurs setzte sich mit der Ökonomisierung und Rationalisierung im Pflegesektor auseinander und so entstand ein kleiner Comic, der eine Entwicklung aufzeigt, in der am Ende nur noch Computer und Roboter die Pflege alter Menschen organisieren. "Ein solcher Sonderpreis war eigentlich gar nicht vorgesehen", erklärte Christian Papstmann im Pressegespräch, denn eigentlich rechnete die Jury mit eher schriftlichen Beiträgen.
Dann aber wurden so viele kreative, bildnerische Beiträge eingereicht, dass kurzfristig dafür ein Sonderpreis ausgelobt wurde - und das Regiomontanus-Gymnasium ergatterte ihn. So standen dann in der Grünen Halle in Fürth Lisa Altenhöfer, Anna-Lena und Svenja vom Ethikkurs stolz nebeneinander auf der Bühne.


Mit Rap überzeugt

Dass dieser Preis kein Zufall war, bewies die Tatsache, dass der gleiche Ethikkurs, mittlerweile in der 10. Jahrgangsstufe, auch beim Wettbewerb des Bundespräsidenten ganz weit vorne lag. Mit dem Rap-Song "Macht die Augen auf" bewarben sie sich und stellten sich einem Voting im Internet. Parallel wertete eine Jury, der renommierte Musiker und Kulturschaffende angehörten, wie die Bandmitglieder von "Elaiza" und Dr. Auma Obama, die Schwester des amerikanischen Präsidenten. Und so schaffte der Kurs vom RMG den Sprung unter die Preisträger - und der Preis hatte es in sich.


Im Tonstudio

Die Schüler waren nämlich eingeladen, ihren Song in einem professionellen Studio in Berlin einzusingen. Im Dezember wird ein Album mit allen ausgezeichneten Songs erscheinen - und der Wettbewerb ist noch nicht zu Ende, denn eine der Gruppen wird den Hauptpreis von 3000 Euro gewinnen.
"Das war so gar nicht absehbar", sagt Christian Papstmann, der erst vier Wochen vor Abgabeschluss auf den Wettbewerb gestoßen war. Zu seinem Ethikkurs gehört Elmar Tagiyev, der als Rapper "Cecko 37" aktiv ist. Einen Hauptsänger gab es also, als weiblicher Gegenpart wurde Angela Vogel ins Projekt geholt, die im Schulchor aktiv ist. Der übrige Kurs fungierte als Hintergrundchor und Leon übernahm den zweiten Solopart.
Damit ist er weit über seinen Schatten gesprungen, denn "ich hab geglaubt, ich krieg's nicht hin", gestand er ein. So waren die letzten September-Tage für die Schüler besonders spannend. Auch Elmar, der schon Studioaufnahmen gemacht hat, war von dem Profi-Studio in Berlin beeindruckt. Wie das so funktioniert und wie oft man wiederholen muss, das war für Svenja Hahn ausgesprochen interessant. Ayse Alakbarli hat sich "gefühlt wie eine echte Sängerin, wie Beyonce´".
Paul Pottler witzelt: "Der Fame ist mir zu Kopf gestiegen, ich brauch erst mal ne Pause" und Angela, die ja nicht zum Ethikkurs gehört, stellt fest, das "durch das Event die Gruppe noch mehr zusammengeschweißt wurde". War schon die Erstfassung des Songs relativ schnell entstanden, bewiesen die Haßfurter nochmals Spontaneität: für die Aufnahmen in Berlin schrieben sie nämlich einen Teil des Textes um und thematisierten ganz aktuell die Flüchtlings-Problematik.
Stolz können sie allemal sein, immerhin wurden über 250 Musikbeiträge aus ganz Europa und Afrika eingereicht und sie sind unter den 25 Gewinnersongs auf dem Doppelalbum, das vor Weihnachten im Rahmen der Zukunftsinitiative der Bundesrepublik an Schulen in ganz Deutschland verteilt werden. Geplant sind auch Auftritte einzelner Gewinner bei Rahmenveranstaltungen. Eventuell werden die RMG-Schüler in München oder Stuttgart live auf der Bühne stehen - und sie haben nach wie vor die Chance auf den Hauptpreis.
Der Song ist zu hören auf der website "allefuereineweltfueralle" unter "gewinnersongs".