Das Coronavirus macht keine Ferien. Deshalb ist nach wie vor Vorsicht geboten. Auch die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Kreisverband Haßberge mit ihren Rettungswachen in Haßfurt, Eltmann, Ebern und Hofheim haben die Pandemie vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. "Dank frühzeitig sensibel getroffener Schutzmaßnahmen ist es im BRK-Kreisverband Haßberge gelungen, dass sich keine Mitarbeiter im Rettungsdienst und in der Sozialstation mit dem Virus angesteckt hat", bestätigt Michael Will, Pressesprecher des BRK-Kreisverbandes Haßberge. "Gerade diese beiden Berufsgruppen stehen tagtäglich in engem Kontakt mit Patienten und deren Angehörigen."

Virus nach wie vor ernst nehmen

Drei Monate lang galt in Bayern der Katastrophenfall. Der hatte nicht nur auf Rettungsdienst, Sozialstation und Fahrdienst für die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) Auswirkungen, auch alle anderen Abteilungen des BRK-Kreisverbandes waren betroffen. "Alles in allem haben wir die Herausforderungen gut gemeistert", freut sich Kreisgeschäftsführer Dieter Greger. Gleichzeitig warnt er vor Gelassenheit im Umgang mit dem Coronavirus. "Als Hilfsorganisation sind wir Teil der kritischen Infrastruktur und müssen alles dafür tun, unsere Einsatz- und Leistungsfähigkeit zum Schutze der Bevölkerung zu erhalten."

Alle Abteilungen mussten sich den notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen noch stärker unterwerfen als vor der Pandemie. In vielen Abteilungen mussten Arbeitsweisen angepasst werden, gerade dort, wo ansonsten täglich viel Publikumsverkehr herrscht, beispielsweise im Mehrgenerationenhaus und bei der Migrationsberatung. Mehrere Wochen lang wurden persönliche Begegnungen eingestellt, Beratungsangebote via Telefon und E-Mail durchgeführt. "Das ersetzt natürlich nicht den persönlichen Kontakt", weiß Greger. "Aber so konnten wir unsere Dienstleistungen für die Bevölkerung zumindest in eingeschränktem Maße aufrechterhalten."

Gerade die Mitarbeiter im Rettungsdienst sind in der Notfallrettung oder im Krankentransport einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Das gilt seit jeher, denn es gibt viele weitere Infektionskrankheiten, die besondere Schutz-, Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen erfordern. Im Hinblick auf den Umgang mit (potenziellen) Corona-Patienten gab und gibt es bestimmte Maßnahmen, die eine Ansteckung des Personals während der Dienstzeit wirkungsvoll verhindern sollen.

Lage beim Rettungsdienst

"Glücklicherweise haben wir bislang in unserem Rettungsdienstpersonal keine bestätigten Erkrankungen bei Kolleginnen und Kollegen feststellen müssen", bestätigt Christoph Grimmer, der Leiter für den Rettungsdienst. Seit Anfang März musste nach entsprechenden Kontakten mit Corona-Verdachtsfällen knapp ein Dutzend Rettungsdienstmitarbeiter in Quarantäne.

Wie viele Patienten transportiert wurden, die tatsächlich bestätigt an Corona erkrankt waren, entzieht sich dem Kenntnisstand des Roten Kreuzes. "Wir können nur die Zahl der Patienten mit Verdacht auf eine entsprechende Infektion angeben", sagt Grimmer. Das waren bislang 66 von 238. Das entspricht rund 30 Prozent aller Infektionsfahrten, die mit Fahrzeugen des Rettungsdienstes des Roten Kreuzes seit Jahresbeginn durchgeführt wurden.

Auch wenn anfangs beim ein oder anderen Mitarbeiter Sorge vor eigener Ansteckung bestand, ist der Umgang mit potenziellen Corona-Erkrankten inzwischen mehr oder weniger zur Routine geworden. Denn die Schutzmaßnahmen, die für entsprechende Einsätze im Krankentransport oder in der Notfallrettung getroffen werden müssen, kennen die Rettungsdienstler von anderen Infektionskrankheiten. So werden beim Umgang mit Corona-Verdachtsfällen Schutzkittel, Handschuhe, FFP2-Maske und Schutzbrille getragen. "So ist ein wirkungsvoller Schutz vor einer Ansteckung möglich", sagt Wolfgang Zweverink, Leiter der Rettungswache Haßfurt und Beauftragter für den Katastrophenschutz im Kreisverband.

Schon frühzeitig nach Aufkommen der Pandemie hat der Rettungsdienst reagiert. So wurde von Rettungsdienstleiter Grimmer eine Dienstanweisung erlassen, dass alle Rettungsdienstmitarbeiter beim direkten Kontakt mit Patienten, egal ob Verdachtsfall oder nicht, eine FFP2-Maske tragen müssen.

Nicht alle Patienten sind ehrlich

Hauptsächlich erschweren des Öfteren fehlende Informationen durch die Patienten den Mitarbeitern des Rettungsdienstes ihre Arbeit, weiß Grimmer. Da würden mögliche Symptome zum Teil wissentlich verschwiegen oder die Gefahr der Pandemie und eine mögliche Verbreitung nicht allzu ernst genommen. "Wir würden uns diesbezüglich mehr Ehrlichkeit wünschen", sagt der Rettungsdienstleiter. "Es muss niemand Angst haben, wegen möglicher Corona-Symptome nicht von uns behandelt oder transportiert zu werden."

In der Hochphase der Pandemie von März bis Juni wurde im BRK-Kreisverband für potenzielle Covid-19-Transporte sogar ein eigener Krankentransportwagen vorgehalten. Mit ihm sollten nach Möglichkeit alle Patienten mit Verdachtsfällen transportiert werden. Hintergedanke war, so mögliche Ausfallzeiten anderer Rettungsfahrzeuge durch notwendige und länger dauernde Desinfektionsmaßnahmen zu vermeiden und auch so wenig wie möglich Rettungsdienstpersonal einem erhöhten Infektionsrisiko auszusetzen.

"Bis heute ist diese Strategie aufgegangen", betont BRK-Pressesprecher Will. Das sei dem besonnenen und frühzeitigen Reagieren von Kreisgeschäftsführer Greger, Rettungsdienstleiter Grimmer und allen weiteren Verantwortlichen im Kreisverband zu verdanken. So wurde für alle Bereiche innerhalb des BRK, in denen Mitarbeiter im Arbeitsalltag den Mindestabstand nicht einhalten können, unter anderem eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Maske erlassen. Dankeschön sagt das Rote Kreuz in diesem Zusammenhang an zahlreiche Bürger, die in Eigeninitiative Mund-Nasen-Bedeckungen genäht und diese ans BRK gespendet haben.

Für verschiedene Abteilungen, in denen keine zwingende Präsenz am Arbeitsplatz nötig war, wurde Arbeit im Homeoffice ermöglicht. "Umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen wurden alles in allem so gut wie möglich umgesetzt und somit potenzielle Gefahren für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter minimiert", so Will. Zudem rief Greger Anfang März einen internen Koordinierungsstab ins Leben, in dem Verantwortliche aus allen BRK-Abteilungen saßen; ebenso waren die ehrenamtlichen Gemeinschaften von Bereitschaften und Wasserwacht darin vertreten.

"Seit der Corona-Pandemie hat sich einiges für die Arbeit im Rettungsdienst verändert", bilanziert die Notfallsanitäterin Wiebke Göhringer, stellvertretende Leiterin der Rettungswache Haßfurt. "Die Sensibilität vor potenziellen Infektionsquellen ist deutlich gestiegen." Dass jeder Patient potenziell infektiös ist, sei im Rettungsdienst nichts Neues, aber das Bewusstsein dafür sei mit Covid-19 ein ganz anderes geworden. "Ebenso die Tatsache, dass man selbst oder der eigene Kollege eine Gefahr darstellen könnte."

Viel Einfühlungsvermögen zeigen

Durch Corona habe die Zahl der Infektionsfahrten im Rettungsdienst zugenommen und damit auch der zusätzliche Hygieneaufwand, der nach einem Einsatz zur Wiederherstellung der Einsatztauglichkeit erforderlich sei. Festgestellt hat die Notfallsanitäterin gerade zu Beginn der Pandemie, dass Patienten Angst vor einem Krankenhausaufenthalt und einem damit verbundenen Ansteckungsrisiko gehabt hätten. "Wir Rettungsdienstmitarbeiter mussten deshalb zusätzliches Einfühlungsvermögen beweisen." Und die Angst, sich selbst anzustecken? "Da ich selbst nicht zu einer Risikogruppe gehöre, habe ich wenig Angst vor einer möglichen Ansteckung. Allerdings sehr wohl davor, dass ich das Virus womöglich an Menschen weitertragen könnte, die zu einer Risikogruppe zählen."

Rettungssanitäterin Milena Perez Viera aus Eltmann zieht eine Bilanz: "Durch die Coronakrise haben sich die Einsätze stark verändert, da die Leute trotz medizinischer Notwendigkeit nicht mehr unbedingt ins Krankenhaus wollen." Einsätze seien seit Krisenbeginn damit oft herausfordernder geworden, es müsse mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden. Grimmer weist darauf hin, dass seitens des Rettungsdienstes für Patienten kein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht.

Corona habe auch den Umgang mit Schutzbekleidung in ein neues Bild gerückt. "Man ist noch sensibler geworden", fasst Perez Viera zusammen. Zum Ankleiden mit Schutzkittel, Handschuhen, Schutzbrille und FFP2-Maske brauche man länger als normal, "schließlich möchte man alles gründlich machen". Rettungssanitäter Markus Hahn aus Burgpreppach gesteht: "Die Sorge, eine Covid-19-Infektion mit nach Hause zu schleppen, ist natürlich da." Er denkt dabei zum Beispiel auch an die Großeltern, die zur Risikogruppe zählen. Zudem ist seine Ehefrau in einem Kindergarten tätig, gilt damit ebenso wie er selbst in beiden Berufen als "systemrelevant". Hahn: "Da kann man ja nicht einfach zu Hause bleiben."

Bewusstsein steigt

Von der Tätigkeit ihrer Kollegen berichtet Carina Küfner, Leiterin der BRK-Sozialstation mit fünf Stützpunkten im Landkreis. "Bei unserer Kerntätigkeit der Grund- und Behandlungspflege hat sich an und für sich wenig geändert." Seit Beginn der Pandemie wurde die Versorgung der Patienten uneingeschränkt weitergeführt. "Die einzige Änderung ist, dass die Pflegekräfte jetzt zusätzlich einen Mundschutz tragen." Neu sei, dass das Bewusstsein für Hygienemaßnahmen bei den Patienten gestiegen sei. In den anderen Bereichen der Sozialstation gab es laut Küfner zeitweise Einschränkungen. "Hauswirtschaft und Betreuung wurden durch viele Kunden zu Beginn der Pandemie abgesagt, da sie Angst vor Ansteckung hatten und dies Tätigkeiten sind, die für eine gewisse Zeit mal nicht zwingend notwendig sind." Nach einigen Wochen sei die Versorgung wieder gewünscht worden.

Beim Roten Kreuz im Landkreis fühlt man sich in allen Abteilungen den künftigen Anforderungen gewachsen. Inzwischen gebe es weitere Erkenntnisse, und Schutzmaßnahmen könnten jederzeit angewendet und verstärkt werden, sagt Pressesprecher Will. Insofern sehe man den Herbst- und Wintermonaten zwar gelassen, dennoch nicht sorgenfrei entgegen. "Wichtig ist nach wie vor, dass jeder einzelne Bürger sich potenzieller Gefahren durch Corona bewusst ist, persönliche Hygiene sowie vorgeschriebene Schutzmaßnahmen im Hinblick auf Mund-Nasen-Masken sowie Abstandsregeln zum eigenen Schutz und zum Schutz seiner Mitbürger einhält", sagt Will. wi