Die Baunach bekommt zwischen Eyrichshof und Hetschingsmühle ein neues Flussbett - und zwar das alte. Deswegen stehen die Landwirte im Baunachgrund vor einer neuen Flurbereinigung. Auslöser für diese Bodenneuordnung ist das Wasserwirtschaftsamt in Bad Kissingen, das in den letzten Jahren mit einem Aufwand von 230 000 Euro exakt 44 Grundstücke mit einer Gesamtfläche von über 20 Hektar an Grünland aufgekauft hat und die nun "an die Uferstreifen heranrücken möchte", wie André Braun vom Wasserwirtschaft bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend in der vollbesetzten Rathaushalle sagte.

Worum geht's? Die in den 1950er Jahren begradigte Flußstrecke zwischen Fischbach und der Hetschingsmühle soll wieder kurvenreich werden. Durch solche Mäander werden Naturhaushalt und Gewässergüte verbessert, womit das Wasserwirtschaftsamt als Behörde des Freistaates einer Vorgabe der Europäischen Union gerecht wird, wie es der Regionaldezernent für den Haßbergkreis, Norbert Schneider, versicherte. Gleichzeitig soll der Hochwasserschutz rund um das Mühlenviertel verstärkt werden.

André Braun sprach von Deich und Flutgraben im Bereich der Rückertanlage, womit auch das Hochwasser des Angerbaches über ein Sperrbauwerk schneller in die Talaue und zur Baunach geleitet werden solle.
Weiter ist geplant, an den Wehren Ebern und Eyrichshof die Durchgängigkeit für Tiere durch so genannte Fischtreppen zu erhöhen. Die Baunach-Maßnahmen bezahlt der Freistaat Bayern zu 100 Prozent .

"Das Wasser zu schützen, ist eine Aufgabe, die wir unseren Kindern und Enkeln schuldig sind", erklärte Dipl.-Ing. Peter Doneis vom Amt für ländliche Entwicklung in Würzburg, der versicherte, dass "durch die Bodenneuordnung niemandem etwas weggenommen wird, da ein entsprechender Ausgleich, halt nicht in gleicher Lage erfolgt". Gleichzeitig unterstrich Doneis: "Das wird eine Flurbereinigung und ist kein freiwilliger Landtausch."
Als weiteren Anreiz nannte Doneis, dass im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens so manch andere Schwachstelle gelöst werden könne. "Für solche Wünsche, die von Landwirten oder der Stadt, nicht aber vom Wasserwirtschaftsamt kommen, gibt es immerhin auch noch einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent. Und das ist eine einmalige Chance, weil in den nächsten 20, 30 Jahren kommen wir dann mit Sicherheit nicht mehr nach Ebern."

Derzeit betrachte man die Landschaft zwischen B 279 und Mühlgraben als Geltungsbereich und alle, die dort Grundeigentum haben, seien als Teilnehmer im Verfahren dabei.
Norbert Schneider erklärte, dass die Uferstreifen verbreitert werden sollen, um so den Eintrag in den Fluß zu verringern. "Ein Schutzstreifen als Nährstoff-Abpuffer."

Hinzu komme ein abgestufter Gehölzsaum, der größte Teil bleibe aber Wiesen und um den Unterhalt kümmere sich der Flußmeister des Wasserwirtschaftsamtes.

Mühlgraben bleibt bestehen

Erhalten bleibe der Mühlbach mit einem Durchfluss zwischen 20 und 50 Litern, womit das Wasserrecht der Stadtmühle bestehen bleibe.

Ob das Wasserrecht der Hetschingsmühle weiter Bestand hat, zweifelte Schneider aufgrund eines möglichen Eigentümerwechsels an. Verbessert werden solle auch die Abfluss-Situation an der Heubacher Einfahrt, wo die Kreisstraße bei Hochwasser bislang wie ein Damm wirke. Zustimmung seitens des Bauernverbandes signalisierte Stefan Köhler. "Wir müssen nur aufpassen, dass das Pendel der Wasserwirtschaft und der Geschichte nicht zu weit in die falsche Richtung ausschlägt und die Maßnahme aus Sicht der Eigentümer und Bewirtschafter vernünftig ausgeführt wird." Köhler weiter: "Der Freistaat hat diese Ausgleichsflächen eben gekauft und die sollen nun ans Ufer gelegt werden."

Werner Weber, Mühlenbesitzer aus Gleusdorf, verwies auf schlechte Erfahrung aus dem Itzgrund, da zehn Jahre nach der Maßnahme die Mäanderstrecken schon versanden. André Braun entgegnete, dass die Kollegen aus Kronach den Fehler gemacht hätten, das alte Flußbett zu belassen. "Jetzt wissen wir mehr, machen es anders und besser."

Dieter Reißenweber, Landwirt aus Untermerzbach, appellierte "die Chance zu nutzen", wozu die Einigkeiten aller Bewirtschafter notwendig sei.

Historisches Projekt

Ein Aufruf, der bei Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) auf offene Ohren stieß: "Das ist ein historischer Moment, der einen über Jahre dauernden schwierigen Prozess mit vielen sich überlagernden Gegebenheiten einleitet. Dennoch sehe auch ich die Chance, dass viele Belange berücksichtigt werden können, wobei der Freistaat 100 Prozent bei den wasserwirtschaftlichen Maßnahmen und 75 Prozent bei sonstigen Angelegenheiten im Rahmen der Flurbereinigung übernimmt."


Zahlen, Daten, Fakten

Länge der Gesamtmaßnahme Sechs Kilometer Fließlänge

Renaturierungsstrecke 1,8 Kilometer

Fläche der Bodenneuordnung rund 150 Hektar

Kostenschätzung 1,1 Millionen Euro

Umsetzung Vorgesehen sind vier Bauabschnitte in folgender zeitlicher Abfolge:
- nördlich von Eyrichshof,
- Verteilerspange bis Einfahrt von Heubach her,
- Verteilerspange bis Eberner Wehr und zum Abschluss
- unterhalb der Heubacher Zufahrt.

Projektabschluss 2021