"Für viele ist der Zeilberg schon eine neue Heimat." Gemeint sind "angeschlagene Menschen", wie Olaf Betz seine Schützlinge bezeichnet. Psychisch kranke Menschen. In Wohngruppe und Einzelwohnungen werden sie vom sozialpsychiatrischen Verbund Haßberge im Rahmen eines Integrationsprojektes des Diakonischen Werks Bamberg-Forchheim zum Teil seit Jahren betreut. Aber auch dazu angeleitet, Eigeninitiativen zu entwickeln. Und die gibt es es zuhauf.

So wurde in den letzten Wochen in Eigenregie eine Bühne gebaut, um die einstmals beliebte Open-air-Veranstaltung "Lieder einer Sommernacht" wieder aufleben zu lassen (Programm siehe unten). Die Idee dazu entstand beim Oktoberfest im Herbst, als die Weisachtaler aufspielten und sich Dirigent Dimitry Braudo an den Möglichkeiten des Festplatzes im Wald ergötzte. "Das hat ihm so gut gefallen, dass er spontan eine Veranstaltung im Rahmen des 60. Jubiläums einplante", erinnert sich Olaf Betz, der Koordinator des sozialpsychiatrischen Verbundes.

Die Einrichtung ist erfolgreich
Kann ein einstmals Alkoholabhängiger in einem Biergarten arbeiten? "Es funktioniert", versichern Betz und die Leiterin des Integrationsprojektes, Andrea Wolter. Und verweisen auf die Erfolge dieser Einrichtung, die auch im Winter immer mittwochs, freitags, am Wochenende und an Feiertagen geöffnet hat.

"Das organisieren unsere Klienten fast in Alleinregie", unterstreicht Betz. Für angemeldete Besuchergruppe stehen zudem noch Gästezimmer zu Verfügung. "Die Kriminalpolizei aus Schweinfurt hat ihren Betriebsausflug schon hierher gemacht, die HUK kommt, aber auch Colliefreunde und Husky-Züchter", blickt Olaf Betz zurück.

"Unsere Leute haben somit eine Aufgabe und Ansprache und kommen aus ihren Häusern raus", ergänzt die Leiterin. Und werden zur Selbstständigkeit angeleitet. So werden aus der Küche auf dem Zeilberg das sozialpsychiatrische Zentrum in Ebern, Kindergärten und Altenheime versorgt und das Essen auf Rädern losgeschickt. "Dazu haben wir noch eine Garten-/Forstgruppe, die Hochbeete bepflanzt, Hecken schneidet, Unkraut jätet, wie zuletzt im Jugendgästehaus der Diakonie am Bamberger Kaulberg.

Frühere Bewohner kommen gerne zum Helfen vorbei
"Einer unserer Bewohner lebte schon hier, als es noch ein Heim für Schwererziehbare war und Basalt gepickelt werden musste", schaut Betz in die Runde eines Personenkreises, der rund 30 angeschlagene Menschen umfasst. Andere haben sich längst ins betreute Wohnen verabschiedet, kommen aber immer auf den Zeilberg, um zu helfen wie ein 77-Jähriger aus Maroldsweisach, sehen sich die Verantwortlichen in ihrer Betreuungsarbeit bestätigt.

Neu ins Beschäftigungsprogramm aufgenommen haben die fünf Betreuer, die sich aus Erziehern, Pflegern und Sozialpädagogen zusammensetzen, einen Flohmarkt, der in einem einstigen Schuppen eingerichtet wurde und stets zusammen mit dem Biergarten geöffnet hat. "Dieses Arbeitsprojekt ist bestens angelaufen", schwärmen Wolter und Betz nicht ohne Stolz. "Dazu haben wir zwei Laster laufen", so Betz, um bei Haus-Entrümpelungen oder Umzügen wertvolle Sachen herauszufischen. "Dafür haben wir gute Leute, die Bescheid wissen, welche Dinge noch einen Wert haben."

So kam eine Sammlung zusammen, die Charme hat, wie sich auf den ersten Blick zeigt. "Geschirr aus Schloss Amalienburg etwa, oder eine Bierkrugsammlung, die Rückschlüsse auf das einstige Faible der jeweiligen Besitzer zulässt - vom Seebär bis zum König-Ludwig-Fan.


Open-Air-Programm
Im Rahmen der Feierlichkeiten der Weisachtaler Blasmusik findet am Samstag, 11. Juli, auf dem Zeilberg auf der Festwiese am Biergarten ein Musikabend statt:

18 Uhr Es spielt die Weisachtaler Blasmusik unter Leitung von Dimitry Braudo;

21 Uhr Die Blue Swing Bigband unter Leitung von Bernd Schmidt löst die Maroldsweisacher ab.