Wie nennt man ein Fahrzeug-Wrack, das Jahrzehnte lang im Wald schlummerte: Rostlaube. So despektierlich drücken sich Jan Walter aus Wien und Manfred Künzel aus Lahm aber nicht aus, wenn sie die Bilder vom Original des Brezel-Käfers, der auf dem Schuttplatz auf dem Eichelberg bei Heubach entdeckt wurde, bestaunen. Im Gegenteil: Voller Bewunderung schwärmen die beiden Käfer-Fans, Brüder im Geiste, über das Cabrio aus dem Jahr 1950, dessen Fragmente jetzt im August nochmals eine lange Reise angetreten haben.


Noch in Schuss

"Die Federung der Vorderachse, die Stoßdämpfer der Hinterachse, die Pedale, das Lenkgetriebe, die Schaltung und die Fensterheber sind auch nach 40 Jahren im Wald noch immer beweglich", hat Jan Walter, 31-jähriger Schauspieler, der aus Bitburg/Eifel stammt, festgestellt. Er hat Anfang August die Rost-Reste zusammengetragen, um sie ins "Volkswreck-Museum" in der Schweiz zu bringen, nachdem er durch einen FT-Bericht auf den Wald-Käfer aufmerksam geworden war.

Dieses Unterfangen scheiterte. Der Zoll machte Schwierigkeiten. Jan Walter hat deswegen umgedacht. "Der Transport wurde nach Österreich umgeleitet und ist inzwischen auch angekommen. Ein mir bekannter, privater Käfersammler hat die Fragmente in seine umfangreiche Sammlung integriert." Die Teile sollen in ihrem derzeitigen Zustand konserviert werden, es wird erwogen, ihnen eine Replika des Fahrzeuges an die Seite zu stellen.

Jan Walters detektivische Arbeit ging aber noch tiefer (als in den Wald): Durch die an den Schrottteilen entdeckten Nummern weiß er, dass "es sich um das 15. (nach Karosserienummer) oder das 20. (nach Fahrgestellnummer) noch existierende Käfer-Cabrio handelt".

Der Unterschied lasse sich auf die Vergabe der Fahrgestelle von VW an Karmann zurückführen. VW gab Kontingente an Fahrgestellen mit Nummern der gesamten Produktion an den Karosseriebetrieb, der seine laufende Nummer in die Karosserie einschlug. "So entstanden Autos mit höherer Fahrgestellnummer, die eine niedrigere Aufbaunummer hatten als andere", weiß Jan Walter, der im Volkswagen-Werk schon angefragt hat, aber mit der Antwort auf Monate vertröstet wurde.

"Das ist ein interessantes Fahrzeug", schaut der Eberner Augenoptiker Manfred Künzel (63) genau die Bilder, die der FT-Redaktion von Nachkommen des Eigentümers überlassen wurden. "Die Besitzer damals müssen ganz schön Kohle gehabt haben, wenn sie sich so ein Cabrio leisten konnten." Ursprünglich gehörte der Wagen einem Dr. Noll aus Reckendorf, der ihn dann innerhalb der Verwandtschaft an den damaligen Verwalter des Hauses der Bäuerin in Heubach weiterverkauft hat, fand unsere Redaktion heraus.

Manfred Künzel ist froh, dass das Wrack jetzt "so einem Sammler, der etwas damit anfangen kann, in die Hände gefallen ist". Und noch eine Genugtuung verspürt Manfred Künzel: "Dass es noch so ein paar Verrückte wie mich gibt", schmunzelt der Besitzer von zehn VW-Käfer-Oldtimern.


Wo war der Unfall?

Künzels geschulter Blick auf die Bilder aus dem vorherigen Jahrhundert führt ihn auch wieder mit Jan Walter zusammen. Beide haben sofort erkannt: Die Kotflügel sind nicht mehr die Originalteile, ein Fahrer muss einen Unfall gehabt haben.

"Klarer Fall von Frontschaden, die Kotflügel stammen von einem Ovali-Käfer, wie er ab 1953 gebaut wurde", diagnostiziert der Optikermeister vom Marktplatz. Ansonsten aber alles Originalteile: das Hupen-Ziergitter, die Stoßstange, der Spiegel, den es damals nur als Zubehörteil gab. "Die Wischerblätter, die Armaturen und sogar den Schalter für die Winker, die sich in der B-Säule hinter den Türen befanden", erkennt der Autoliebhaber (ohne Lupe).