Obwohl an der Berufsschule in Haßfurt auch die KfZ-Mechatroniker ausgebildet werden, steht Autofahren in der Regel nicht auf dem Stundenplan. Am Montag und Dienstag dieser Woche war das anders.
60 Schüler von der Informationstechnik über die Schreiner bis zu den Berufsfachschulen hatten die Gelegenheit, am Programm "Eva" teilzunehmen. Das ist das Kürzel für "Ernstnehmende Verkehrssicherheits Arbeit", ein Projekt, das die Verkehrswacht unterstützt und in das die Berufsschule Haßfurt für drei Jahre aufgenommen wurde.


Eigenes Erfahren

Bei "Eva" geht es weniger um Belehrungen, sondern um eigenes Erfahren und die Schärfung der Selbstwahrnehmung. Vor allem dem Gruppendruck, der bei jungen Menschen oft einen besonderen Stellenwert hat, soll hier entgegengewirkt werden. "Nach dem Fußballspiel, noch dazu einem verlorenen, tut ein junger Fahrer eventuell Dinge, die er im Normalfall nie tun würde", weiß Rolf Hoffmann. Der KfZ-Mechaniker und Berufsschullehrer in Schweinfurt ist Moderator für "Eva".

Im kleinen Kreis wollte er wissen, welche Autos die Teilnehmer fahren, welche Strecken - und wie ihr Traumauto aussieht. Und da gingen die Auffassungen weit auseinander. "Hauptsache fährt", meinten erstaunlich viele. Mehr Kopffreiheit wünschten sich die besonders Hochgewachsenen und die mit einem weiten Weg zur Arbeit achten auch auf die Tankrechnung. Aber einige hatten sehr klare Vorstellungen von einem anderen Traumauto - Wankelmotor, hochtourig, möglichst viele PS. Sound und Kraft eben.


Glück im Spiel

Sehr offen gehen sie mit ihren Erfahrungen um. Die einen, die gerne auch mal aus Langeweile am Wochenende hunderte Kilometer fahren, und die anderen, die sich aus finanziellen Gründen mit der Mutter den Kleinwagen teilen. Die, die kürzlich von einem anderen gerammt wurden, und die, die mit überhöhter Geschwindigkeit aus einer engen Kurve flogen - und denen durchaus bewusst ist, dass da viel Glück im Spiel war, weil am Ende nur Blech beschädigt wurde. Und dennoch sollte sein künftiges Auto "viel mehr Leistung" haben.
Unterschiede stellten denn auch die Fahrlehrer fest, die sich an den Projekttagen beteiligten. "Sie fahren schon sehr flott, oft auch zu flott, aber nicht aggressiv", erklärte Christian Schneider nach der ersten Gruppe. Harald Pascher hingegen hatte auch einen Kandidaten, der schon mehrere Unfälle hatte, einschließlich Nachschulung.
Viel Fahrpraxis hätten viele, zeigte sich Jürgen Baudisch beeindruckt, er hatte bis dahin "nur sehr angenehme junge Leute" auf dem Fahrersitz. Im Anschluss an die Fahrt, bei der zwar ein Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz saß, aber nicht mit dem Ziel, direkt einzugreifen, wurde das Fahrverhalten gegenseitig besprochen. Zwischen Fahrer, Fahrlehrer und den beiden Mitfahrenden auf dem Rücksitz.
Die Fahrer sollten eine für sie alltägliche Strecke fahren - so, wie sie immer fahren. Und ihre Mitfahrer machten sich Notizen auf Beobachtungsbögen.
Die Schulleitung des Heinrich-Thein -Berufsschulzentrums ist froh, in dieses Projekt gekommen zu sein, denn gerade auf dem Lande sind die meisten jungen Leute auf einen motorisierten Untersatz angewiesen.