Die Frau, Mitte 40, hat schon schlimme Erfahrungen hinter sich: Nach einem Schlaganfall lag sie hilflos und allein in ihrem Bett, fühlte sich im eigenen Körper eingesperrt, weil die Motorik nicht mehr so funktionierte, wie es der Geist wollte. Sie wurde gerettet, hat sich - den Umständen entsprechend - erholt. Wurde aber von Panikattacken geplagt, dass sich so eine Erfahrung wiederholen könnte.

"Diese Angst wurde ihr genommen", weiß Bettina Eckstein, die Pflegedienstleiterin der Caritas-Sozialstation. Geholfen hat ihr "Sophia", der Hausnotruf für Menschen, die allein in ihrer Wohnung bleiben möchten, aber versorgt werden müssen. Ausgestattet mit Basis-Station und einer interaktiven Armbanduhr, die bei Unregelmäßigkeiten Alarm schlägt, eilen so die "helfenden Hände" herbei. So sehen sich die Mitarbeiterinnen im Caritashaus, die am Samstag, 21.
September, von 13 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür in die neuen Räumen der einstigen Bundeswehrkantine einladen.

Dort werden viele "helfende Hände" zu sehen sein: Auf Bildern aus früheren Caritas-Kalendern und dem aktuellen für 2014, für den wieder Senioren aus Caritas-Einrichtungen ihre Finger ausstreckten, um so ihre Biografie zu dokumentieren.

Helfende Hände

"Auch unsere Mitarbeiter sind helfende Hände, wo Not herrscht, um Menschen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld zu belassen, auch wenn sie sich selbst nicht mehr allein versorgen können", gibt Bettina Eckstein als oberstes Ziel aus.

Dazu wurde eine 24-Stunden-Rufbereitschaft eingerichtet, die auch über Haustürschlüssel verfügt oder über einen Code für den Schlüssel-Tresor an der Haustür der Kunden. "Es gibt im Durchschnitt zehn Notrufe im Monate, in manchen Fällen haben dabei Minuten über Leben und Tod entschieden. Wir standen aber auch schon vor dem Bett von Schlafenden, die sich halt längere Zeit nicht mehr gerührt hatten, weswegen die Uhr Alarm ausgelöst hatte. Die sind zwar aufgewacht, waren aber danach auch beruhigt, weil sich jemand um sie sorgt", erzählt Bettina Eckstein aus Erfahrung.

Zum Angebot der Caritas gehören Beratungsgespräche, auch für Angehörige, Menü-Bring- oder Besuchsdienst. "Wir kriegen fast alles hin, wenn wir es 24 Stunden vorher wissen. Unsere Mitarbeiterinnen kennen das, spontan zu sein." Dazu zählt die Pflegedienstleiterin beispielsweise die Entlassung aus einem Krankenhaus am Freitag um 17 Uhr, wenn kein Büro mehr besetzt ist. "Wir garantieren eine Versorgung übers Wochenende, ohne jeglichen Papierkram."

Beste Noten erhalten

Das neue Domizil neben Rot-Kreuz-Wache und Arbeiterwohlfahrt betrachtet das Personal der Sozialstation als "Palast", nachdem die 17 Mitarbeiter in Klein-Nürnberg auf engstem Raum auskommen mussten. Bettina Eckstein: "Das ist eine leichtere Arbeit, weil nicht mehr auf einer Treppe wie einer Hühnerleiter herumgeklettert werden muss und alles ebenerdig ist. Das Personal fühlt sich pudelwohl." Zudem gibt es kein Parkplatzproblem.

"Personal wie auch Kunden sind voll des Lobes und auch der medizinische Dienst, der unmittelbar nach dem Umzug vor der Tür gestanden war, hat uns wieder die Note 1,1 erteilt. Das steht für die Bombenarbeit, die unser Personal trotz des Umzugs und anderer Widrigkeiten geleistet hat", lobt die Pflegedienstleiterin, die auch die Stadtverantwortlichen als Hausherren einbezieht: "Das hat alles bestens geklappt und wir dürfen auch die Nachbarräume nutzen, so dass unser Fest am Samstag bei jedem Wetter stattfinden kann."

Und auch für Weihnachtsfeiern stehe nun für alle Patienten ein barrierefreier Zugang zur Verfügung und "wir müssen nicht mehr ausweichen", hegt Ecksteins Stellvertreterin, Sabine Paeth, schon Vorfreude auf künftige Feierlichkeiten.

Doch nun steht erst einmal die ökumenische Weihe der neuen Räumlichkeiten und der Tag der offenen Tür ins (Caritas-)Haus. "Jeder, ob betroffen oder nicht, kann sich informieren. Man muss ja nicht aktuell Hilfe benötigen, aber das kann kommen, manchmal sogar unerwartet plötzlich", weiß Bettina Eckstein aus langjähriger Erfahrung. Und um alle Besucher zu sensibilisieren, wie es sich anfühlt, alt zu werden, steht ein "Freund" des Hausnotrufs "Sophia" zur Verfügung: Gert. Das ist ein Kleidungsstück, das aussieht wie ein Raumanzug. "Wer da reinschlupft, merkt, wie es sich anfühlt, wenn man sich als ältere Person nicht mehr richtig bewegen oder Treppen steigen kann."

Zum "Tag der offenen Tür" im Caritashaus am Samstag stehen von 13 bis 17 Uhr sämtliche Mitarbeiterinnen und Berater zur Verfügung. Neben Informationen über alle Leistungen gibt es Kinderspiele, einen Anzug, der die Probleme im Alter hautnah fühlen lässt, ebenso wie eine "Rauschbrille", die in den Zustand von Trunkenheit oder Drogentrips versetzt. Die Bewirtung erfolgt in den Räumen der ehemaligen Geng-Kantine, u.a. mit Pettstadter Brot aus dem Holzofen und Gerupftem aus Kirchlauter.