Neue Konstellation mit einer vereinten Überpartei-Liste, neuer Anlauf, aber alte Probleme: Im Vorfeld zur Kommunalwahl im März tun sich wieder Gräben auf. Bei einer erneuten Nominierungsversammlung der "Unabhängigen Liste Bürgerblock" am Samstagabend im Gasthof Eisfelder waren die Spannungen, die seit Jahren die Gemeinderatsarbeit belasten, wieder spürbar.

"Entgegen allen Gerüchten muss diese Versammlung nicht wegen Formfehler abgehalten werden. Wir hatten uns im Dezember an alle Fristen- und Verfahrensfragen gehalten, denn sonst müssten wir heute auch den Bürgermeister-Kandidaten noch einmal bestätigen", sagte Reiner Mönch wegen entsprechender "Anschwärzungsversuche" im Landratsamt.

Der Anlass für die erneute Nominierung sei vielmehr der Zuspruch zur Liste und deren Ziele, da "wir die Zahl der Kandidaten nochmals um 25 Prozent erhöhen können und damit unserem Leitbild gerecht werden, dass wir für jede Frau und jeden Mann offen sind, was uns stolz macht", so Mönch.

Hatte schon im Vorfeld ein aktives CSU-Vorstandsmitglied gegenüber unserer Zeitung anklingen anklingen lassen, dass "beim Bürgerblock eigentlich mehr echte CSUler sind als bei der CSU", dachte auch Rudi Hoffmann, einst selbst CSU-Kandidat, nicht anders. Ihm entfuhren einige kräftige Ausdrücke und Namen, um den Zustand der Orts-CSU zu beschreiben. "Ich habe schon beim Kreisvorsitzenden Steffen Vogel gefragt, ob ich in einen anderen Ortsverband wechseln darf, weil bei uns kein Frieden reinkommt."

Deswegen ist er auch froh darüber, dass seine Tochter Barbara (20), Studentin für angewandte Informatik, für den Bürgerblock antritt. "Sie kommt halt aus einer politischen Familie." Was prompt eine Reaktion der blonden Tochter herausforderte: "So schwarz bin ich aber nicht. Mich hat halt der Ralf Nowak angerufen, ob ich mitmache, und ich erklärte mich bereit, weil sonst ja sowieso keiner der Jungen etwas macht."

Dass sie etwas auf die Beine stellen kann, hat sie nach Meinung von Bürgermeister-Kandidat Ralf Nowak und Bürgermeister Hermann Martin schon bewiesen, da sie die Faschingsgarde wiederbelebte und somit dem geselligen Leben in der Gemeinde neues Leben einhauchte. Ralf Nowak: "Wir sind offen für neue Ideen und freuen uns, dass Mitglieder dabei sind, die alle relativ jung sind."

Und die Absage an eine einzige überparteiliche Liste begründete Reiner Mönch so: "Wir hätten nur sechs Leute benennen dürfen und somit 14 Kandidaten den Wählern vorenthalten."

Eine persönliche Bilanz zog Bürgermeister Hermann Martin: "Wir haben auch als arme Gemeinde gezeigt, dass man weiterkommen kann, auch wenn man sich dazu im Gemeinderat erst die Mehrheit suchen muss." Für einen Bürgermeister wäre es vorteilhaft, wenn er auch ein Kreistagsmandat hätte, spielte er auf seinen "Schwiegersohn in Lauerstellung", Ralf Nowak, an, der für die Junge Liste auf Kreisebene antritt. Martin schob eigene Erfahrungen nach: "Mir hat Willi Sendelbeck als SPDler oft mehr geholfen als so manch anderer."

Womit er auch ein Problem ansprach, das den nächsten Gemeinderat beschäftigen wird. Die B 279-Umgehung. "Wir waren in Berlin und München, haben's aber nicht geschafft. Ich verstehe ja, dass die Junkersdorfer schimpfen, da es für sie eine Lösung gab, aber hätten wir Pfarrweisach erneut teilen sollen?", spielte er auf die Bahntrasse an.

Neben vielen Erfolgen sprach der scheidende Bürgermeister noch ein kritisches Thema an: "Der Tourismus ist für uns eigentlich eine Katastrophe. Der kostet einige 10 000 Euro und doch macht eine Wirtschaft nach der anderen zu." Martin machte aber auch die Gegenrechnung auf: "Sollen noch mehr Gastwirtschaften schließen?" Außerdem habe sich schon mancher Besucher mittlerweile in der Gemeinde niedergelassen.

Einer Vorsichtsmaßnahme gegenüber etwaigen Anfeindungen kam auch die Feststellung der (formalen) Kontinuität gleich: "Wir sind die gleiche Liste wie 2008, mit identischen Gemeinderäten und einigen identischen Kandidaten", musste per Votum abgesichert werden.

Die ULB-Kandidaten

1. Ralf Nowak (44), Radio- und Fernsehtechnikmeister, Pfarrweisach
2. Reiner Mönch (44), Verwaltungsbeamter, Römmelsdorf
3. Sebastian Bock (33), Qualitätssicherer, Pfarrweisach
4. Herbert Leidner (52), Kfz-Meister, Rabelsdorf
5. Dietmar Schlager (43), Zoo-Kaufmann, Pfarrweisach
6. Ralf Hülbig (44), Maler, Kraisdorf
7. Helmut Büchner (34), technischer Betriebswirt, Dürrnhof
8. Ellen Raithel (50), Diplom-Justizbeamtin, Pfarrweisach.
9. Uwe Schöninger (46), Industriemeister, Pfarrweisach
10. Christoph Göttel (31), Online-Händler, Pfarrweisach
11. Harald Lurz (40), Industriemeister, Pfarrweisach
12. Barbara Hoffmann (20), Studentin, Pfarrweisach
13. Dominik Nembach (29), Kfz-Meister, Junkersdorf
14. Heidi Großmann (37), Arzthelferin, Pfarrweisach
15. Florian Schmitt (30), Informatiker, Pfarrweisach
16. Michael Neumann, Maler und Verputzer, Rabelsdorf
17. Gerd Müller (44), Landwirt,Junkersdorf
18. Gerold Schneider (55), Controller, Römmelsdorf
19. Stefan Zöller (43), Altenpfleger, Pfarrweisach
20. Hermann Martin (65), Metzgermeister/Bürgermeister, Rabelsdorf.