Gemeinsam tauchten sie ab in die Unterwelt ihrer Gemeinde, Kameras waren im Spiel, aber keine öffentliche Übertragung. Gedanklich beschäftigten sich die Mitglieder des Gemeinderats von Untermerzbach bei ihrer Sitzung am Montagabend im Rathaus mit der Sanierung der drei Brunnen der Trinkwasserversorgung sowie mehrerer Kanalstränge, die ertüchtigt werden müssen. Das haben Kamerabefahrungen gezeigt. Leitungen, die zum Teil rund 30 bis 35 Jahre alt sind, halten nicht mehr das, was sie versprechen. "Damals wurden die Hausanschlüsse noch mit dem Hammer angeschlagen und danach vermörtelt. Und der Mörtel hat sich in der Zwischenzeit ausgelöst", entdeckte Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) anhand der Filmaufnahmen und der Auswertung der Schadensbilder.

Neue Innenwand

Deshalb sollen in den nächsten Jahren in der Mühl- und Schlossstraße rund 530 Meter Kanal im so genannten Inlinerverfahren eine neue Innenwand aus Gummi und somit eine bessere Dichtigkeit erhalten. Die Kosten werden auf 96 000 Euro geschätzt. Je nach Finanzlage folgen dann Finkenweg, Erkelring, Schulstraße und Garten (350 Meter für 80 000 Euro) und die Gleusdorfer Dorfstraße (340 Meter für 60 000 Euro). Die Arbeiten erfolgen ohne Bagger und können von Schacht zu Schacht erledigt werden, versicherte der Bürgermeister auf Nachfrage.
"Das ist notwendig und geht nicht anders", warb Dietz um Unterstützung, auch "wenn große Summen anfallen". Gleichzeitig solle der Auftrag vergeben werde, weitere Kanalstränge zu untersuchen, die ebenso alt sind.
Robert Bohla (CSU) fragte nach der Bezahlweise: "Der Kanal ist doch eine Einrichtung, die sich selber tragen muss?"

An Ergänzungsbeiträge sei nicht gedacht, schränkte der Bürgermeister ein. "Wenn Geld benötigt wird, dann über die Kanalgebühr." Verwaltungsleiter Edgar Maier riet "über einen längeren Zeitraum zu planen".
Maier: "So, wie ich das jetzt sehe, fällt in der nächsten Zukunft nichts an. Wir haben einen entsprechenden Überhang aus der Vergangenheit." Die Aufträge wurden ohne Murren erteilt.

Bis zu 130 Meter tief

Nicht anders bei der Sanierung der Brunnen. Bevor im Memmelsdorfer Brunnen die umlaufende Abdichtung mit Edelstahl ertüchtigt und eine neue Pumpe samt Steigleitung eingebaut wird, was rund 15 000 Euro kostet, sollen die beiden Untermerzbacher Brunnen untersucht und gereinigt werden. Dies geschieht, damit "wir keine böse Überraschungen erleben, wenn der Memmelsdorfer Brunnen länger abgeschaltet wird". Die Vorsichtsmaßnahme kostet rund 16 200 Euro, da die Brunnen 100 bis 130 Meter tief gründen. "Wir haben den ersten Schritt gemacht, jetzt muss auch der zweite folgen", umriss Sepp Grundler (SPD) die Notwendigkeit und die einhellige Zustimmung. Die Arbeiten sollen im März beginnen.

Weiter vergeben wurde der Auftrag für die Sanierung der Fassade des Präckleinhauses, von dem seit der Sanierung 2006 schon wieder Teile der Putzflächen abplatzen und das Fachwerk abwittert, wie es Bürgermeister Dietz beschrieb. Den Auftrag erhielt eine heimische Firma aus Memmelsdorf für 21 000 Euro.