Hitze am Tag, Sturmböen am Abend, Lärm, laute Musik und Gegröle - es war ein heißer Samstag und eine turbulente Nacht. Die Integrierte Leitstelle in Schweinfurt, bei der alle Notrufe der Region einlaufen, verzeichnete alleine für den Landkreis Haßberge 15 Einsätze, bei denen Sturmschäden im Mittelpunkt standen.

Die schlimmsten waren ein abgehobenes Blechdach bei Schönbrunn/Ebelsbach sowie Bäume, die die Oberleitung der Bahn nahe Stettfeld beschädigten. Die Bahn reparierte die Schäden an der Strecke noch in der Nacht. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden.

Sturmböen und Regengüsse

Los ging es im Grunde mit dem Gewitter, das zwischen 19 und 20 Uhr den Landkreis Haßberge durchzog und für starke Böen und Regengüsse sorgte. Der Deutsche Wetterdienst hatte noch reagiert und eine Unwetterwarnung nur für den Landkreis Haßberge herausgegeben. Innerhalb von Minuten sanken die Temperaturen um über zehn Grad.

Schlimm erwischt hat es das Dorffest in Kottendorf. Erst feierten sie zusammen, dann waren sie gemeinsam im Einsatz, die Bürger aus der Gemeinde Breitbrunn. Wie Augenzeugen unserer Zeitung berichteten, sorgten die plötzlichen Sturmböen für ein Chaos: Biertischgarnituren wirbelten durch die Luft, Ziegel flogen von den Dächern. Sogar die Bratwurstbude wurde samt Personal angehoben.
Innerhalb von zehn Minuten fielen 45 Liter Regen auf den Quadratmeter. Danach war die Spuk vorbei. Verletzt wurde niemand.

In Richtung Hasenmühle landete eine ganze Waldabteilung auf der Straße. Im Einsatz waren Helfer der Feuerwehren aus Kottendorf, Lußberg und Breitbrunn sowie der Straßenmeisterei, die die Situation schnell im Griff hatten, so dass nicht einmal die Polizei in Ebern etwas von den Sturmschäden mitbekam.

Erinnerungen an 2013

Umgestürzte Bäume landete auch in Neubrunn in einigen Höfen, wo die Erinnerung an das verheerende Unwetter an Pfingsten 2013 wach wurden. Damals ein Alptraum.

Im Raum Ebelsbach rückten die Helfer der Feuerwehr aus, um umgestürzte Bäume auf Privatgrund wegzuräumen, vor allem aber zur Bahnstrecke bei Stettfeld. Dort hatte der Sturm Bäume umgedrückt gedrückt, die an einigen Stellen die Oberleitung zerstörten. Die Bahn reparierte aber die Schäden umgehend, wie Kreisbrandmeister Martin Horn auf unsere Anfrage hin berichtete.

Besonders zu tun hatte man noch am nächsten Tag im Gemeindeteil Schönbrunn. Dort hatten Böen ein zwölf Meter breites Trapezdach einer Maschinenhalle weggerissen und hochkant auf der Straße zwischen Bäumen verkeilt. Laut Horn wurden Dächer auch abgedeckt von Anwesen in Edelbrunn und Breitbrunn. Offenbar richteten die heftigen Böen recht punktuell Schäden an, denn im Maintal, so Horn, gab es - außer in Gleisenau - fast keine Schäden. Die Eltmanner Feuerwehr rückte einmal aus.

Auch im nördlichen Landkreis verursachte das Unwetter Schäden. Besonders betroffen von Sturm und Starkregen waren Teile der Gemeindegebiete Bundorf und Maroldsweisach.

In Neuses flogen die Ziegel eines Hauses davon. Zwischen Birkenfeld und Schweinshaupten büßten Bäume größere Äste ein, die auf der Staatsstraße landeten. Bei Schweinshaupten Richtung Abzweig Hofheim-Stöckach sah es aus wie nach einer Schlammschlacht.

Die im Zuge des Radwegebaus neben der Straße gelagerten Erdhaufen lösten sich in Schlammlawinen auf, die die Fahrbahn überspülten. Mit 20 Einsatzkräften machten die Wehren aus Ermershausen, Birkenfeld und Serrfeld die Straße wieder passierbar.

Hagelschlag und Wolkenbruch für wenige Minuten wurden auch aus Hohnhausen und Pfarrweisach gemeldet. In Ebern indes zogen zwar schwarze Wolken übers Tal, aber es tröpfelte nur für Minuten, so dass sämtliche Feste nahezu ungehindert liefen.

Hitze war für manche fast unerträglich

Den Samstag hatte die Hitze geprägt. Die Leitstelle in Schweinfurt verzeichnete unzählige Einsätze wegen Kreislaufkollaps und Wespenstichen. Laut dem Dienst habenden Schichtführer betrafen die Notfälle "durch die Bank jedes Alter". Die Menschen waren oftmals zu lange in der Sonne und tranken zu wenig Wasser.

Aufgrund der Hitze befanden sich aber andernorts im Landkreis auch zu Nachtstunden viele Menschen auf der Straße oder es waren die Fenster geöffnet, um für den dringend benötigten Durchzug zu sorgen. Lärm, laute Musik und Gegröle lösten, wie in der Polizeiinspektion in Haßfurt bilanziert wurde, etliche Einsätze aus. Fünf Mal rückten alleine die Haßfurter in der Nacht zum Sonntag aus, um die Ruhe wiederherzustellen.