Braumeister Helmut Bayer und Winzer Udo Vogt stoßen an, gerade haben sie den Grundstein für ein neues Getränk gelegt und dafür Wein und Bier "verheiratet". In frühestens einem halben Jahr werden sie wissen, wie ihr Bier-Wein-Hybrid schmecken wird, den es in einer hellen und einer dunklen Version geben wird. Bayer und Vogt wollen mit diesem Experiment der besonderen Lage des Landkreises Haßberge an der Grenze zwischen Bier- und Weinfranken Rechnung tragen. Außerdem ist die ganze Kunst von Brauer und Winzer gefragt.
Helmut Bayer betreibt in Theinheim eine der kleinsten Brauereien Frankens. Udo Vogt ist einer der "mittleren" Winzer im Abt-Degen-Weintal. Beide verfolgen aber eine ähnliche Philosophie, was die Qualität ihrer Produkte bedeutet.


Traditionen

Seine besondere Einstellung zum Weinberg und zum Wein vermittelt Udo Vogt auch bei seinen Weinbergs- und Kellerführungen.
Beide verstehen sich als Wahrer ihrer Berufstraditionen, sind aber Neuem durchaus aufgeschlossen. "Ich stehe nach wie vor hundertprozentig hinter dem Reinheitsgebot", so Helmut Bauer, "aber die Idee mit dem Hybrid ist ausgesprochen reizvoll und passt in unsere Gegend." Schon seit einiger Zeit stellt er auch Craft-Biere her, die etwa mit Fruchtsäften oder auch Whiskey versetzt sind.

"Unser Hybrid wird aber kein Biermischgetränk, wir verheiraten Bier und Wein schon im Fass vor der Vergärung", erklärt Udo Vogt, während er insgesamt 60 Liter frisch abgepressten, tiefroten Cabernet-Dorsa in das Eichenfass fließen lässt, in dem sich bereits das frische "Knörzla" von Helmut Bayer befindet. Der hat für das Experiment eigens ein viermal belegtes Bordeauxfass besorgt, das für ein besonderes Aroma sorgen soll.
Ein zweiter Bier-Wein-Hybrid wird aus Silvaner und Landbier entstehen. Dann wird der Traubensaft von Udo Vogt direkt in die warme Maische des Bieres gegeben. Das frühe Zusammenführen der Komponenten passt zu Udo Vogts Philosophie. Bei ihm wächst auch der Rotling gemeinsam im Weinberg. Eigentlich ist Rotling ein Verschnitt aus roten und weißen Weinen - Udo Vogt hat in seinem Dornfelder-Weinberg immer wieder überalterte Stöcke durch Müller-Thurgau-Reben ersetzt. Beide Sorten werden jetzt gemeinsam geerntet, gekeltert und reifen zu einem Rotling.


Jetzt folgt die Reife

Mit der Verheiratung ist Udo Vogts Part fast vorbei. Helmut Bayer wird jetzt den Reifeprozess des neuen Getränks beobachten und steuern. Ein erster Probeschluck nach der Verheiratung zeigte bereits ein interessantes Aroma, das allerdings noch stark von der Süße der Traube bestimmt war.

Beiden Akteuren ist bei der Aktion eine große Begeisterung anzusehen. Sie freuen sich auf das Ergebnis, das mindestens sechs Monate auf sich warten lassen wird. Einen Namen haben sie sich bisher nicht überlegt. "Den sagt uns dann das Getränk", erklärt Udo Vogt und Helmut Bayer stimmt ihm zu.

Beiden macht ihr Beruf große Freude, doch solche besonderen Projekte bereiten auch besonders Freude. Der ganze Sachverstand von Winzer und Brauer ist gefragt, es geht zum Beispiel darum, den Traubenpilz aus dem Bier herauszuhalten, weil möglichst kein Schwefel eingesetzt werden soll.


Eigenes Verfahren

Bayer und Vogt sind nicht die Ersten, die so etwas probieren, doch sie haben sich ein eigenes Verfahren überlegt und sind sich sicher, dass das Ergebnis überzeugen wird. Nach dem Anstoßen mit der ersten Vorgärung verlassen der Brauer und der Winzer den Gärkeller mit einem spitzbübischen Grinsen, das große Vorfreude verrät.