Einen Neuwagen kaufen ohne Geld? Mit diesem Vorwurf, juristisch als Betrug bezeichnet, sah sich ein 56-jähriger Mann konfrontiert, der dieser Tage als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Haßfurt stand. Er kam glimpflich davon, obwohl ihm die Unterdrückung wahrer Tatsachen und das Verschaffen eines Vermögensvorteils vorgehalten worden waren: Das Gericht stellte das Strafverfahren ein - ohne Auflagen.

Bereits vor fünf Jahren

Als der Mann sich bei einem Autohaus im Sommer 2009 für einen neuen Wagen interessierte, ging er noch davon aus, dass er genug Geld habe. Der Angeklagte hatte 20 000 Euro angelegt für den Autokauf. Die Geldanlage bei einem Finanzbüro in Oberfranken stellte sich allerdings als großer Fehler heraus, da fast sein ganzes Geld dort verloren ging.


Per Bankeinzug hatte er den rund 25 000 Euro teuren Neuwagen beim Autohaus bezahlt und nahm den Pkw mit. Nur: Das Geld kam nicht beim Verkäufer an, weil es einfach nicht vorhanden war.

4000 Euro kamen zurück

Wie der Staatsanwalt Arno Ponnath verwundert feststellte, unternahm das Autohaus so gut wie nichts, um das Auto oder das Geld zu erlangen. "Das Autohaus hat sich also weniger als halbherzig um diesen Fall gekümmert", staunte er.

Der Angeklagte hat praktisch kein Vermögen, mit dem er das Autohaus bezahlen kann. Von den zweifelhaft angelegten 20 000 Euro hat er später immerhin 4000 wieder gesehen, welche er im März 2010 gleich an den Autoverkäufer zahlte.

Der Angeklagte ist zudem erkrankt, was die Dauer des Prozesses erklärt. Lange Strecken in seinem Neuwagen traue er sich schon gar nicht mehr zu, sagte der Beschuldigte dem Gericht. Aber für die Kurzstrecke zum Arbeitsplatz reiche es noch.

Der 56-jährige zahlt bis heute jeden Monat das, was er entbehren kann. Da dies nicht sehr viel ist, kam das Gericht in Haßfurt zu der Überzeugung, dass es nicht viel Sinn macht, den Angeklagten zu einer Geldstrafe zu verurteilen.

Ein bisschen Hoffnung besteht, dass das Auto noch bezahlt wird. Der Geringverdiener will bald eine Wohnung vermieten, und mit Hilfe dieser Einnahmen sollen die noch fehlenden 18 000 Euro an das Autohaus überwiesen werden.

Das Verfahren eingestellt

Die Richterin stellte mit der Zustimmung des Staatsanwalts und der Verteidigung das Strafverfahren ein. Der Angeklagte versprach, er werde das fehlende Geld bezahlen. Die Kosten des Verfahrens muss der Beschuldigte dennoch übernehmen.