"Das war eine glückliche Fügung", freute sich Heide Töpfer aus Hofheim. Sie kam am Mittwoch in Haßfurt zufällig am "Blickpunkt Auge-Beratungsmobil" des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) vorbei, das an diesem Tag auf dem Marktplatz Menschen mit Sehschwierigkeiten beriet.

Auf ihre drängenden Fragen rund um eine Augenoperation erhielt sie sogleich erschöpfende Auskunft und fuhr erleichtert nach Hause.

Breites Spektrum an Fragen

Seit Januar 2015 ist das Beratungsmobil unter dem Motto "Blickpunkt Auge" in Bayern unterwegs, um über Augenerkrankungen, optische und andere Hilfsmittel sowie rechtliche und finanzielle Ansprüche zu beraten, Tipps und Hilfen für den Alltag vorzustellen und rund um die Themen "Beleuchtung und Sehen" sowie "Berufstätigkeit trotz Sehbeeinträchtigung" zu informieren.
In dieser Woche ist die hauptamtliche Beraterin Pamela Brendel mit dem grünen Fahrzeug im Landkreis Haßberge in Begleitung von ehrenamtlichen Beratern unterwegs.

Am Montag machte sie in Ebern Station, wo sie 14 Frauen und Männer über die beginnende und fortgeschrittene "Altersbedingte Makuladegeneration" beriet, Hilfsmittel für den Alltag präsentierte sowie über den ambulanten und kostenfreien Reha-Dienst des BSSB mit Schulung in Orientierung und Mobilität sowie selbstständiger Haushalts- und Lebensführung informierte.

In Ebern wurde sie ebenso wie in Haßfurt vom kommunalen Behindertenbeauftragten der Stadt Haßfurt, Michael Schulz, begleitet, der auch als Blinden- und Sehbehindertenberater des Landkreises fungiert und gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Hero den "totalen Durchblick" hat. Er bewertete es als positiv, dass das Beratungsmobil als niederschwelliges Angebot im Landkreis präsent ist. "Inklusion und Barrierefreiheit werden in Haßfurt großgeschrieben und das Beratungsmobil ist als mobile Anlaufstelle sehr wertvoll", sagte er. "Denn auch Menschen mit Sehbehinderungen sollen inkludiert werden und ein selbstbestimmtes Leben führen können." Dem konnte der Zweite Bürgermeister Michael Schlegelmilch (CSU) nur zustimmen. "Wir tun in Haßfurt sehr viel und werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen", betonte er. Gerade weil viele Menschen nicht wahrhaben wollten, dass ihre Sehkraft nachlasse, sei Aufklärungsarbeit so wichtig.

Volker Tesar, Bezirksgruppenleiter im BBSB, erklärte, dass sein Verband seit 1921 existiere. "Wir haben zunächst die Blinden vertreten, später auch die Sehbehinderten integriert und kümmern uns seit drei Jahren auch um die Menschen, deren Sehfähigkeit langsam nachlässt", erklärte er. "Deswegen haben wir zusätzlich zu den zehn Beratungs- und Begegnungszentren das Beratungsmobil "Blickpunkt Auge" initiiert und finanzieren dieses auf drei Jahre angelegte Programm mit 100 000 Euro, das die Aktion Mensch mit 250 000 Euro unterstützt."

Auch immaterielle Hürden

Die "Hürden" für Menschen, deren Sehfähigkeit nachlasse, seien nicht nur "materiell", also schlecht zu sehende Bordkanten oder schwer zu öffnende Türen. Sie bestünden auch im Denken und führten zu einer Veränderung im Umgang mit der Umwelt. Er freue sich, dass das Beratungsmobil, das in Anlehnung an den "Grünen Star" grün lackiert sei, Menschen informiere und ihnen Hilfestellungen anbiete.

Hilfestellung erfuhr unter anderem Anni Husslein, die einen Augeninfarkt gehabt hat und mit Michael Schulz ins Gespräch kam. Aber auch Heide Töpfer, die vor der Entscheidung steht, den "Grauen Star" ihres rechten Auges und die starke Sehschwäche ihres linken Auges operieren zu lassen, war dankbar für die Aufklärung.

Michael Schulz konnte ihr berichten, dass die Operation, bei der die getrübte Linse entfernt und durch eine kleine künstliche Faltlinse ersetzt wird, sehr risikoarm ist. "Unsere Erfahrungen sind sehr gut, weil die Operation sehr häufig durchgeführt wird und sehr sicher ist", sagte er. Wegen der Kosten riet er Heide Töpfer, sich vor der Operation bei ihrer Krankenkasse zu erkundigen. "Ich hatte schon einige schlaflose Nächte, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommen könnte", sagte Heide Töpfer. "Doch nun bin ich beruhigt und werde mich in der Augenklinik zu einem Beratungsgespräch anmelden."

Weitere Stationen

Das grüne Beratungsmobil "Blickpunkt Auge" steht am Donnerstag , 26. Februar, in Eltmann auf dem Marktplatz und am Freitag, 27. Februar, auf dem Marktplatz in Hofheim. Jeweils von 10 bis 16 Uhr vermittelt Pamela Brendel auch Infos und Kontakte zu vertiefenden Beratungsangeboten des BBSB oder zur Unterstützung in sozialrechtlichen Fragen bei Sehbehinderung. Die Beratung ersetzt aber nach ihren Aussagen nicht den Besuch beim Augenarzt.

Internet Allgemeine Informationen zum bundesweiten Projekt "Blickpunkt Auge" sind im Internet unter www.blickpunkt-auge.de erhältlich.

Kontakt Außerdem kann man sich an den Koordinator des neuen Angebots, Dr. Aleksander Pavkovic, unter Telefonnummer 089/55988-765 oder per
E-Mail an a.pavkovic@blickpunkt-auge.de wenden.